Rassebeschreibungen ungeschönt – Der Deutsche Schäferhund

In unserer Reihe „Rassebeschreibungen ungeschönt“ möchten wir dir im Laufe der Zeit einige beliebte Hunderassen vorstellen. Wichtig ist zu wissen, dass eine Rassebeschreibung ein von Menschen erdachtes Idealbild darstellt. Das heißt, dass nicht jeder Rassehund seiner Rassebeschreibung entspricht. Jeder Hund ist ein Individuum. Außerdem solltest du wissen, dass manche Rasseeigenschaften auf dem Papier zwar ganz nett klingen, in Wirklichkeit aber je nach Lebenssituation des Hundes zu unerwünschten Verhaltensweisen führen können. Hey Fiffi-Trainerin Daniela Maletzki hat da mal was zu „ihrer“ Rasse, dem Deutschen Schäferhund, zusammengefasst.

Deutscher Schäferhund

Deutscher Schäferhund – FCI: Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde (ohne Schweizer Sennenhunde), Sektion 1: Schäferhunde. Die Vorfahren des Deutschen Schäferhundes waren kurz- und stockhaarige Hütehundschläge aus Deutschland. Diese Hunde hatten nicht ausschließlich die Aufgabe, die Herden zu treiben, sondern sie sollten auch den Hirten selbst und sein Hab und Gut bewachen und beschützen. Als Begründer der Rasse Deutscher Schäferhund gilt der Rittmeister Max von Stephanitz. Der erste Rassestandard entstand im Jahre 1891, im April 1899 wurde der Verein für Deutsche Schäferhunde gegründet.

Der DSH und sein Ruf

Heutzutage ist der DSH eine der weltweit populärsten Rassen und gilt als vielseitig einsetzbarer Allrounder. Fast jeder (er)kennt den Deutschen Schäferhund und so hat auch fast jeder eine Meinung über ihn. Diese Meinungen reichen oft weit auseinander und es lassen sich häufig zwei Extreme finden. Die einen lieben, die anderen fürchten ihn und machen lieber einen großen Bogen um ihn. Man muss sich darüber im Klaren sein: Der DSH hat oftmals einen schlechten Ruf.

Was in der Wesensbeschreibung steht

Schaut man sich Beschreibungen zu Wesen und Charakter des DSH an, trifft man immer wieder (wenn auch unterschiedlich formuliert) auf folgende Aussagen: Der DSH ist (hoch)intelligent und lernwillig, aufmerksam, nervenfest (ausgeglichen), selbstsicher (mutig), außerhalb einer Reizlage gutartig, dabei wachsam, er beschützt Familie, Haus und Hof. Oft liest man auch davon, dass der DSH Wach-, Wehr- und Schutztrieb besitzt, sich aber bei fortdauernder, konsequenter Erziehung trotz seiner Härte führig zeigt und seinem Besitzer (oft ist noch von “seinem Herren“ die Rede) unterordnet. Aufgrund dieser Eigenschaften ist neben der konsequenten Erziehung natürlich auch Auslauf und Beschäftigung, die über die reine körperliche Auslastung hinausgeht, unabdingbar. Daher wird oftmals empfohlen, den Hund durch Hundesport auszulasten. Hunde die vorher beschriebene Eigenschaften nicht mitbringen, entsprechen nicht der Rasse (dem Rassestandard), was auf eine schlechte (Auf-)Zucht oder Fehler in Sozialisation und Erziehung schließen lässt.

Was das bedeutet

Das klingt zunächst einmal nach einem durchweg tollen Hund mit vielen positiven Eigenschaften und man fragt sich: „warum denn dann der oftmals so schlechte Ruf? Um das zu verstehen, kann es helfen, sich bestimmte Aussagen einmal genauer anzuschauen und zwischen den Zeilen zu lesen. Außerdem sollte man sich bewusst sein, dass jeder Hund ein Individuum ist und die beschriebenen rassetypischen Eigenschaften bei jedem Hund mehr oder weniger stark ausgeprägt sein können. Es gibt also eine ganze Bandbreite an Verhaltensweisen auch innerhalb einer Rasse, die zudem noch von vielen weiteren Faktoren als nur der Rassezugehörigkeit beeinflusst werden.

Ein (hoch)intelligenter, lernwilliger Hund

Der DSH ist tatsächlich ein sehr intelligenter Hund und er lernt auch sehr schnell. Dazu lernt er auch noch sehr nachhaltig, er hat das sprichwörtliche Gedächtnis eines Elefanten. Was einem bei Erziehung, Ausbildung und auch im Sport zu Gute kommt, lässt einen im Alltag oft straucheln, denn der DSH lernt genauso schnell Gutes wie Schlechtes. Und er lernt auch schnell Dinge, die er vielleicht gar nicht lernen soll (nicht wenige DSH-Besitzer müssen ihre Türen abschließen, wenn sie nicht von ihrem Hund begleitet werden möchten). Gerade schlechte Erfahrungen werden sehr nachhaltig gelernt und können in der Zukunft unter ähnlichen Umständen zu Problemen führen, indem der Hund mit Angst- oder Aggressionsverhalten reagiert. Er ist auch tatsächlich ein sehr aufmerksamer Hund und genau diese Aufmerksamkeit kann dann zum Problem werden, wenn der Hund auf alles, was ihn aufmerksam werden lässt, reagiert, kaum mehr zur Ruhe kommt und unter Dauerstress steht.

Nervenfest und mutig

Es gab eine Zeit, in der der DSH richtiggehend in Mode war. Und wie immer, wenn eine Rasse zur Moderasse wird, tut dies der Rasse nicht unbedingt gut. Neben diversen gesundheitlichen Nebenwirkungen (und die HD ist dabei wohl die bekannteste, aber leider bei weitem nicht die einzige Krankheit, für die es beim DSH eine genetische Disposition gibt), hat sich dies auch im Verhalten wieder gespiegelt. Außerdem gibt es auch in der Zucht der DSH sowohl Hunde, die eher für den Showring gezüchtet werden, als auch solche, die eher für das Erbringen von Leistung (Sporthunde, Diensthunde) gezüchtet werden. Sicher gibt es auch immer noch sehr nervenfeste und ausgeglichene DSH, aber leider gibt es auch sehr viele, die diese Eigenschaften nicht mehr mitbringen und eher ins Gegenteil umschlagen. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass ein Hund der “mutig“ ist, auch ein Hund sein kann, der in Konfliktsituationen nicht zurückweicht und mit Aggression reagiert (in Dienst und Sport ist dies häufig so gewollt). Noch dazu bei einem Hund mit einem schnellen Auffassungs- und Reaktionsvermögen.

Wachsam

Der DSH kann durchaus wachsam und auch territorial sein. Und auch hier findet sich eine ganze Bandbreite, von “Ich mag jeden und lasse jeden rein“ bis hin zu “Ich fresse den Postboten“. Ist man sich dessen bewusst und hat ein Auge auf dieses Verhalten, kann man aber auch mit einem DSH im Haus noch Besuch empfangen.

Konsequente Erziehung

Dass ein Hund eine konsequente Erziehung braucht ist kein Geheimnis und da unterscheidet sich der DSH auch nicht von anderen Hunderassen. Leider wird gerade beim DSH diese Konsequenz mit Erziehung und Training über Zwang, Druck und Strafe gleichgesetzt. Die viel gelobten Eigenschaften (Intelligenz und schnelle Auffassungsgabe) stehen da in krassem Widerspruch zum Umgang mit dem Hund. DSH sind sensible Hunde und ordnen sich auch unter (allein diese Ausdrucksweise macht mir schon Bauchschmerzen, weil mein Hund für mich Familienmitglied und nicht Befehlsempfänger ist), ohne dass man den Hund über Zwang, Druck und Strafe erziehen und ausbilden müsste.

Auslastung und Beschäftigung

Auslastung und Beschäftigung sind natürlich gerade für einen Hund, der für die “Arbeit“ gezüchtet wurde, sehr wichtig. Doch zählt hier Qualität statt Quantität und man sollte aufpassen, dass man den Hund nicht überfordert. In Rassebeschreibungen liest man oft, der Hund müsse täglich 2-3 Stunden bewegt werden. Das ist auch richtig, wenn man seinen Hund von Anfang an in diese Richtung “erzieht“. Tut man dies nicht, ist ein DSH auch mit einem Tag auf dem Sofa durchaus zufrieden (und nicht wenige mögen spazierengehen bei schlechtem Wetter auch gar nicht). Gerade bei einem Hund mit den vorher beschriebenen Wesenszügen ist es wichtig, dass der Hund neben Aktivität und Action auch lernt, was zur Ruhe kommen bedeutet. Das man einen DSH nur mit Hilfe von hundesportlichen Tätigkeiten im Verein, insbesondere dem umgangssprachlich sogenannten „Schutzhundesport“ auslasten kann, ist ein Mythos. Es gibt auch jede Menge andere (sportliche) Aktivitäten, die man mit einem DSH betreiben kann. Schließlich ist er ein Allrounder.

Fazit

Der DSH ist sicher kein Hund für jedermann, aber er ist eben auch nur ein Hund und das “Produkt“ dessen, was man aus ihm macht. Darin unterscheidet er sich nicht groß von anderen Rassen. Vor der Anschaffung sollte man sich, wie bei jedem anderen Hund auch, sehr gut informieren. Zwingeraufzuchten sind zum Beispiel immer noch sehr häufig und nicht zu empfehlen. Und man sollte immer auch im Hinterkopf haben, dass es gewisse Punkte gibt, auf die man achten sollte.
Diese Rassebeschreibung zeigt ganz bewusst auch die negativen Seiten des DSH, um darüber aufzuklären, was man sich da vielleicht in Haus holen KÖNNTE, worauf man achten sollte und vielleicht auch um Verständnis dafür zu wecken, warum dieser Hund einen oftmals so schlechten Ruf hat (ohne dass der Hund an sich etwas dazu kann). Viele DSH sind ganz unproblematische und wundervolle Begleiter, die alle Facetten der vielen positiven Eigenschaften der Rasse zeigen.

PS

Wozu der DSH sicher nicht geeignet ist: Ein Leben im Zwinger und als Sportobjekt. Und auch hier sei nochmals betont, dass man auch und gerade einen DSH nicht über Zwang, Druck und Strafe erziehen und ausbilden muss.

Über die Autorin

Daniela Maletzki - Hey-Fiffi.comDaniela Maletzki absolvierte ein Studium zur Tierpsychologin mit Schwerpunkt Hund in Kombination mit einer Ausbildung zur Hundetrainerin an der Akademie für Tiernaturheilkunde (ATN). Das Studium schloss sie im September 2010 ab, die Ausbildung zur Hundetrainerin im April 2011. Auch nach Abschluss ihrer Ausbildung, bildet sie sich regelmäßig bei verschiedenen Dozenten fort. Damit aus Mensch und Hund ein Team wird, ist ein durch Verständnis und gegenseitiges Vertrauen geprägter Umgang miteinander wichtig.

Voraussetzung dafür ist, das Verhalten seines Hundes zu verstehen, zu wissen wie ein Hund überhaupt lernt, wie man ihn motivieren kann und wie man dieses Wissen im Training einsetzen kann. Daher basiert Danielas Training auf positiver Verstärkung.

Rundherum Hund

Bildquelle

  • Lara Meiburg Photographie

Hast Du Fragen zum Video? Dann schreib uns hier eine Nachricht.