Rassebeschreibung ungeschönt – Der Tibet Terrier

In unserer Reihe „Rassebeschreibungen ungeschönt“ möchten wir dir einige beliebte Hunderassen vorstellen. Wichtig ist zu wissen, dass eine Rassebeschreibung ein von Menschen erdachtes Idealbild darstellt. Das heißt, dass nicht jeder Rassehund seiner Rassebeschreibung entspricht. Jeder Hund ist ein Individuum. Außerdem solltest du wissen, dass manche Rasseeigenschaften auf dem Papier zwar ganz nett klingen, in Wirklichkeit aber je nach Lebenssituation des Hundes zu unerwünschten Verhaltensweisen führen können. Frauke Neum hat da mal was zu „ihrer“ Rasse, dem Tibet Terrier, zusammengefasst.

Tibet Terrier

Vor einigen Jahren war er noch ein Geheimtipp, denn niemand wusste wirklich, was ein Tibet Terrier ist und einen anzutreffen, war eine Rarität. Mittlerweile hat diese Rasse jedoch an Popularität zu genommen. Mittelgroß, robust, mit langem Haar in den verschiedensten Farben, kommen sie lustig und fröhlich, vielleicht auch mal sehr lautstark, daher.

Kleine Persönlichkeiten

Früher wurden sie von den Tibetern als ‚little people‘ (kleine Menschen) bezeichnet. Treffender kann es nicht formuliert werden. Kleine, individuelle Persönlichkeiten mit Ausstrahlung und Charme. Vor allem ist der Tibet Terrier durch seine Intelligenz ein Hund, der in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden kann. Hauptsächlich ist er für viele ein Familienhund, aber auch als Therapiehund oder im Sport gewinnen sie mehr und mehr an Zuspruch.

Der loyale Freund

Wichtig bei dieser Rasse ist stets, dass sie eine starke Bindung zu ihrem Halter benötigen, um nicht als „stur“, „eigensinnig“ oder gar „dumm“ abgestempelt zu werden. Erarbeitet man sich das Vertrauen des Tibet Terriers, ergibt sich ein treuer, loyaler Freund mit hohem Empathievermögen. Tibet Terrier arbeiten nicht unbedingt für Belohnungen und Essen, viel mehr ist ihre Arbeitseinstellung und die Basis der Zusammenarbeit ihre Bindung zum Besitzer. Nun wird das Wort Bindung bereits wiederholt, aber genau DAS sollte beim Erwerb eines Tibet Terriers stets im Bewusstsein sein: Für erfolgreiches Arbeiten und den Wunsch, Aufmerksamkeit zu erhalten, ist die Basis ein wechselseitiges Verhältnis, an dem stets gearbeitet wird.

Pflege

Natürlich ist ein langhaariger Hund pflegeintensiv. Gerade im jungen Alter benötigt dein Hund viel Aufmerksamkeit, um das Prozedere des Kämmens geduldig zu erlernen. Umso weniger stressig wird es, wenn der Hund dann tatsächlich lange Haare hat. Im „Teenageralter’“ sind Tibet Terrier sehr pflegeintensiv und sollten dann bereits die Abläufe erlernt haben. Später wird die Pflege wesentlich einfacher, aber hört nie auf.

Vorurteile oder Wahrheiten?

„Der Tibet Terrier ist sehr bell-freudig und laut“
“Er mag keine anderen Hunderassen“
„Tibet Terrier sind springfreudig und klettern“
„Sie sind stur, nachtragend und mögen keine fremde Menschen“

Tibet Terrier

Das Verhalten

Wie eingangs erwähnt: Es sind kleine, willensstarke Persönlichkeiten mit langer Geschichte, die noch nicht lange in Europa etabliert sind. Einige Tibet Terrier heute sind wesentlich näher an den Ursprungshunden als andere und so stellt sich die Frage: „Was war eigentlich die Aufgabe eines Tibet Terriers in deren Ursprungsland?“ Zum Einen haben sie Grundstücke ihrer Besitzer bewacht und Alarm geschlagen. Des Weiteren begleiteten sie Yakherden ins Hochland und benötigen somit eine bestimmte Wendigkeit, Kletterfreudigkeit und Mobilität. Folglich ist der Tibet Terrier kein Sofahund. Er hatte Aufgaben und benötigt dementsprechend auch heute eine sinnvolle Beschäftigung. Sicherlich ist diese Hunderasse sehr vokal. Sogar so, dass man sie zum Sprechen animieren kann. Hoffnungslose Kläffer sind es allerdings nicht.

Bewachen und Schützen

Betrachtet man die Aufgabe dieser Hunde in ihrem Ursprungsland, also „Bewachen“ und „Schutz vor dem Fremden“, sind die Vorurteile teils berechtigt. Natürlich schlägt er Alarm und mag weder fremde Hunde noch Menschen. Daran sollte man auf Distanz und mit Abstand arbeiten. Zum Glück ist der Tibet Terrier intelligent und mit gesunder Neugier gesegnet. Nach einem ersten Abschätzen und einer Beobachtungsphase, ist es der Hund, den man kennt. Bei einem Tibet Terrier handelt es sich um eine sehr ursprüngliche Rasse, die auch als eine solche verstanden werden sollte. Je mehr von der Geschichte der Rasse und des Ursprungslandes Tibets begriffen wird, umso einsichtiger ist man auch bei seinen Vierbeiner.

Über die Autorin Frauke Neum

Frauke NeumZusammen mit ihrer Lebensgefährtin Melanie, 3 Kindern, ihren Tibet Terriern und einigen anderen Tieren, lebt Frauke im Nationalpark Eifel und Lincolnshire,UK. Im Jahr 2014 gründeten sie zusammen CaniEmotion, gewaltfreies Training von Hunden für den Ausstellungsring ist ihr Steckenpferd, gestützt durch eine Ausbildung bei der ATM zur Hundephysiotherapeutin.

Seit nahezu 30 Jahren lebt sie mit Tibet Terriern zusammen, züchtet diese erfolgreich, zunächst mit ihrer Mutter „von der Lobenbreite“, später eigenständig „Sangmo La Mani“ und seit 2010 in Partnerschaft und enger Freundschaft, mit einem der ältesten und bekanntesten Tibet Terrier Züchter der Welt, „Silgarhi“. Aufgrund der engen Zusammenarbeit mit Silgarhi ist sie stark in England verwurzelt und führte ihre eingangs im KTR(VDH) angefangenen Richterausbildung für u.a dem Tibet Terrier in England beim English Kennel Club fort und befindet sicher derzeit auf der B-List.

Kontakt: https://www.caniemotion.de

Bildquelle

  • Frauke Neum

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