Rassebeschreibungen ungeschönt – Der Dobermann

In unserer Reihe „Rassebeschreibungen ungeschönt“ möchten wir dir im Laufe der Zeit einige beliebte Hunderassen vorstellen. Wichtig ist zu wissen, dass eine Rassebeschreibung ein von Menschen erdachtes Idealbild darstellt. Das heißt, dass nicht jeder Rassehund seiner Rassebeschreibung entspricht. Jeder Hund ist ein Individuum. Außerdem solltest du wissen, dass manche Rasseeigenschaften auf dem Papier zwar ganz nett klingen, in Wirklichkeit aber je nach Lebenssituation des Hundes zu unerwünschten Verhaltensweisen führen können. Sandra Nusser hat da mal was zu „ihrer“ Rasse, dem Dobermann, zusammengefasst.

Dobermann

Vom Gendarmen zum Charmeur. Die Geschichte des Dobermanns begann im späten 19. Jahrhundert, als der Steuereintreiber und Hundefänger und späterer Namensgeber Friedrich Louis Dobermann begann, einen mannfesten und verteidigungsbereiten Schutzhund zu züchten. Unerschrocken, mutig und scharf wurden die Vorfahren des heutigen Dobermanns von der damaligen Polizei geschätzt und der Gendarmenhund war geboren.

Wer die Vielfalt liebt…

Wer heute einen Dobermann hält, der erkennt mal mehr, mal weniger vom ehemaligen Gendarmen. Es gibt den Dobermann in Scharf, Mittelscharf und Mild, und die meisten switchen problemlos hin und her, je nach Bedarf. Zuhause der absolute Couchpotatoe, der mit dem Kind kuschelt, kann der Dobermann draußen ganz gemäß seinem Erbe zum Beschützer mutieren, der sein Revier und vor allem seinen Menschen eindrucksvoll bewacht. Genau diese Vielfältigkeit macht ihn aber zu einem wundervollen Partner für alle Bedürfnisse – Dobermänner sind eigenständig, höchst loyal, nehmen sich und ihre Menschen ernst.

Der Spätentwickler

Wer mit einem Dobermann lebt, sollte diskussionsbereit sein, denn er ist kein Befehlsempfänger und schätzt gute Argumente. Das alles macht ihn nicht gerade zu einem einfachen Hund. Als Spätentwickler überrascht er noch mit drei Jahren mit der gefühlt zehnten Pubertät. Als Blitzbirne lernt er alles, und zwar schneller, als seinem Menschen lieb ist. Bei vielen tritt allzu heftig das Greyhound-Erbe zutage und man fragt sich bisweilen, ob man einen Dobermann oder einen Windhund an der Seite hat. Eines aber ist allen Dobermännern gemein: ihre Schönheit und ihre Gabe, Hunde und Menschen um die Pfote zu wickeln. Auch wenn er manchmal noch als gefährlich gilt: Kaum jemand kann dem Anblick eines Dobermanns widerstehen. Aus dem Gendarmen wurde ein Charmeur, und heute ist der Dobermann ein sehr beliebter Hund: schön, stolz, schnell und schlau.

Die todkranke Rasse

Leider ist er darüber hinaus vor allem eins: todkrank. Seit vielen Jahren beherrscht die tödliche DCM (Dilatative Cardiomyopathie) die Rasse und mit der steigenden Prävalenz sind mittlerweile über 60% der Population betroffen. Durch mangelnde Aufklärung und Profitgier wird der Dobermann immer noch als vitale, langelebige Rasse gepriesen. Ein Schlag ins Gesicht für all die Menschen, die einen oder zwei oder fünf Hunde an DCM verloren haben: Kein Grund für den Zuchtverband, das Problem anzuerkennen. Die steigende Anzahl von jungverstorbenen Hunden zeigt, wie sehr DCM wütet, weil niemand reagiert hat, als noch Zeit war. Wenn kein genetisches Wunder geschieht, endet die Geschichte des Dobermanns nach 200 Jahren und die Welt verliert eine ganz besondere Sorte Hund. Ein Hund für Menschen, die alles wollen, außer Langeweile. Ein Hund für Menschen, die an sich wachsen wollen. Eine Rasse, die einen völlig für sich beansprucht, das aber mit bedingungsloser Liebe bezahlt. Der Dobermann wurde als Schutzhund gezüchtet, und er macht seinen Job verdammt gut.


Sandras Arthos ist kupiert. Warum, könnt ihr hier auf Facebook nachlesen.
Außerdem hat Arthos DCM.

Über die Autorin

Sandra NusserSandra Nusser ist 38 Jahre alt und lebt mit ihrem Dobermann Arthos in Oberhausen im sonnigen Baden.
Ihr erster Dobermann zog 2005 ein und durch ihn kam sie zum Training über positive Verstärkung. Als 2008 Arthos dazu kam, war die Hundehaltung schon lange zum Lebensinhalt geworden und für drei Jahre machte sie das Hobby zum Beruf und führte mit Arthos als Co-Sitter eine kleine Hundepension, die sie leider aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste.

Sie hat Arthos die Facebook Seite „Doberliebe“ gewidmet und ist als Hundefotografin unterwegs.

Bildquelle

  • Sandra Nusser

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