Rassebeschreibung ungeschönt – Der Dalmatiner

In unserer Reihe „Rassebeschreibungen ungeschönt“ möchten wir dir einige beliebte Hunderassen vorstellen. Wichtig ist zu wissen, dass eine Rassebeschreibung ein von Menschen erdachtes Idealbild darstellt. Das heißt, dass nicht jeder Rassehund seiner Rassebeschreibung entspricht. Jeder Hund ist ein Individuum. Außerdem solltest du wissen, dass manche Rasseeigenschaften auf dem Papier zwar ganz nett klingen, in Wirklichkeit aber je nach Lebenssituation des Hundes zu unerwünschten Verhaltensweisen führen können. Sabine Taferner hat da mal was zu „ihrer“ Rasse, dem Dalmatiner, zusammengefasst.

Dalmatiner

Der Dalmatiner gehört zur FCI-Gruppe 6: Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen; Sektion 3: Verwandte Rassen ohne Arbeitsprüfung. Er ist eine der älteren Rassen, die auf Gemälden bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann. Ursprünglich aus Kroatien stammend, wurde sie nach der Region Dalmatien benannt.

Das Aussehen

Das Aussehen der Dalmatiner ist unverkennbar: Die charakteristische, weiß-schwarze oder weiß-braune Zeichnung ist seit dem Film „101 Dalmatiner“ jedem bekannt. Im Rassestandard gewünscht sind kurze Stichelhaare, wobei es seltene Ausnahmen mit langhaarigen Hunden gibt. Woher diese genetische Veränderung kommt und welche Auswirkungen sie mit sich bringt, ist bisher noch nicht bekannt. Langhaarige Dalmatiner sind in der offiziellen Zucht derzeit jedoch nicht gewünscht. Bei der Färbung geht es deutlich bunter zu: Neben den gültigen Standards von schwarzen oder braunen Punkten, finden wir noch die Farben „Lemon“ (helle Punkte mit schwarzem Nasenspiegel) und „Orange“ (helle Punkte mit braunem Nasenspiegel). Ganz selten treten dreifarbige Dalmatiner auf. Wie die langen Haare, sind auch diese abweichenden Farben sehr umstritten. Es ist ungeklärt, ob sie positive oder negative Effekte auf die Rasse haben, weshalb sie derzeit auch nicht zur Zucht zugelassen sind.

Der Ursprung

Der Ursprung des Dalmatiners wird in verschiedenen Jagdhunderassen vermutet. Die Hunde wurden hauptsächlich als Jagd- oder Kutschenbegleithunde geführt, wie die FCI-Klassifizierung verrät. Der Dalmatiner sollte also ruhig und energiesparend über lange Strecken mitgeführt werden, während die Menschen in der Kutsche transportiert wurden oder reitend unterwegs waren. Das ist in Körperbau und Verhalten auch heute noch erkennbar.

Damals und Heute

Heute finden wir den Dalmatiner oft in Familien und als Begleiter junger Menschen. Eine Rolle, in der sie richtig aufblühen können, wenn man ihre Herkunft bedenkt und ihren Bedürfnissen gerecht werden kann. Sie eignen sich – wie kein Hund – nicht als Kinderspielzeug! Auch laufen sie nicht einfach nebenbei im Haushalt und Alltag mit und ihre Ansprüche werden aufgrund von Filmen häufig sehr unterschätzt.

Dalmatiner

Jagen und Wachen

Dalmatiner sind wunderbar aktive und lustige Hunde, die eine Aufgabe brauchen, um sie körperlich und geistig auszulasten. Auch die Geschichte als Jagdhunde lässt sich nicht verleugnen. Es gibt einige, wenige Dalmatiner, die Wild uninteressant finden. Jedoch gibt es eine deutlich größere Anzahl an Hunden dieser Rasse, die vor allem auf Sicht gerne hetzen. Dieses Verhalten kann durch konsequentes Training bis zu einem gewissen Grad in den Griff bekommen werden. Als Kutschenbegleithund sollten sie sehr aufmerksam, kooperativ mit dem Menschen, dabei aber anhänglich und wachsam sein. Diese Wachsamkeit ist auch heute noch vorhanden und macht sich oft in Form von Bellen bemerkbar. Viele Dalmatiner neigen zum Verbellen bei Unsicherheit und bei „Störungen“.

Entspannung rockt

Durch ihre großartige Kooperationsbereitschaft mit Menschen machen sie es uns sehr leicht im Training mit positiver Verstärkung. Natürlich muss man trotzdem in den ersten zwei bis drei Jahren Zeit und Geduld in die Ausbildung investieren. Dabei machen sie es einem aber leicht, denn sie wollen immer gefallen und lieben es, mit dem Menschen gemeinsam zu arbeiten. Die intelligenten Hunde lernen oft schneller, als wir es uns wünschen. Durch ihre Art können hierbei aber schnell unterschätzte Probleme entstehen. Viel zu oft wird bei dieser Rasse das wichtige Ruhe- und Entspannungstraining vergessen. Sie arbeiten so fleißig und motiviert mit, dass sie auch schnell zur Hektik, Unkonzentriertheit und hoher Bewegungsintensität neigen. Wird hier der Stressabbau unterschätzt, können sie kaum mehr problemlos im Alltag mitgeführt werden. Einer der wichtigsten Punkte für Dalmatinerbesitzer ist daher das Ruhetraining. Bereits im Welpen- und Junghundealter sollte man großen Wert darauf legen, auch den Gelenken zuliebe.

Ein Job

Der Dalmatiner findet die größte Leidenschaft darin, eine Aufgabe zu haben, die ihn körperlich und geistig auslastet. Das kann Dummytraining, Mantrailing, Therapiebegleithund-Arbeit oder einfach nur Wandern und Tricksen sein. Steht all dies im Einklang mit Ruhetagen und Entspannung, zeigt sich der Dalmatiner als ruhiger und ausgeglichener Hund. Viele Dalmatiner lieben das Wasser und alles, was damit zu tun hat. So kann es passieren, dass der im Wintermantel eingepackte Dalmatiner plötzlich im halb-zugefrorenen Teich schwimmt, wenn man beim Spazierengehen nicht aufpasst. Generell sind sie aber doch eher kälteempfindlich.

Mit und ohne den Menschen

Dalmatiner lieben es, in der Nähe ihrer Menschen zu sein. Dies kann man wortwörtlich nehmen. Sei es im Bett oder auf der Couch, wenn sie unter die Decke kriechen, beim Essen auf den Füßen liegen oder im Alltag jede Chance nutzen, um sich neben ihren Menschen zu legen oder setzen. Sind andere Rassen im selben Haushalt, werden auch diese gerne zum kuscheln benutzt. Manchmal auch ungefragt. Deshalb sollte mit einem Dalmatiner so früh wie möglich, entspannt und in kleinen Schritten, das Alleinebleiben trainiert werden. Durch ihre Anhänglichkeit gestaltet sich dieses Training meist etwas intensiver und nervenaufreibender als bei manchen anderen Rassen. Gerade im Junghundealter erleben viele erneut Phasen des Trennungsstresses. Dalmatiner sind bei guter und sehr freundlicher Sozialisierung äußerst verträgliche Hunde.

Seine Sensibilität

Dalmatiner sind sehr sensible Rassen, die bei einem zu viel an Reizen oder Belastungen auch mal schnell hochdrehen und sehr nervös werden können. Leider bestehen auch heute noch viele Personen darauf, dass man einen Dalmatiner nur mit Härte, Strenge und Bewegung erziehen kann. Gleichzeitig werden ihnen Attribute wie „stur“, „eigensinnig“ und Ähnliches unterstellt. Tatsächlich sind Dalmatiner sehr feinfühlig und reagieren auf Druck oft mit Distanz, hoher Erregung oder extremer Unterwürfigkeit. Dies verführt schnell dazu, sie über Strafe und Härte zu maßregeln. Eine Vorgangsweise, die selten die gewünschten „Trainingserfolge“ bringt und das Vertrauensverhältnis nachhaltig zerstört. Ein Dalmatiner ist ein Freund, Gefährte und Begleiter und sollte auch so behandelt werden.

Gesundheit

a) Taubheit
Allen voran, steht die bekannteste, vererbte, gesundheitliche Einschränkung, nämlich die Taubheit. Die Taubheit wird, vor allem bei Rassen mit hohem Anteil weißer Fellfärbung, vererbt. Auffällig oft kommt Taubheit gepaart mit blauen Augen vor. Prinzipiell wird unter guten Zuchtvereinen nur mehr mit beidseitig hörenden Eltern (Audiometrietest!) gezüchtet. Von guten Züchtern werden Welpen bereits vor der Abgabe audiometrisch untersucht. Zwar kommen auch hin und wieder halbseitig taube oder gänzlich taube Hunde vor. Bei der Zucht mit beidseitig hörenden Eltern passiert dies aber in sehr geringem Maße.
b) LUA/HUA
Der Dalmatiner trägt eine Harnsäureproblematik in sich, welche vererbt wird. Dabei wird zu viel Harnsäure produziert und der Körper kann diese nicht richtig im Stoffwechsel verarbeiten. Diese Problematik kann – muss aber nicht – zu Nierensteinen, Blasensteinen und Steinen im restlichen Urogenitalsystem führen, bis hin zu einem Nierenversagen. Angepasste Fütterung, häufiges Urinieren und eine gesunde Wasseraufnahme, sowie regelmäßige Kontrollen entweder daheim durch eine pH-Untersuchung des Urins oder einer tierärztlichen Kontrolle des Urin-Sediment sind anzuraten. Ausnahmen sind Backcross-Züchtungen, die sogenannten LUA-Dalmatiner.
c) HD/OCD/ED
Der Dalmatiner ist, wenn es um den Gelenksbau geht, ein sehr robuster und gesunder Hund und die Zucht besteht in erster Linie aus gut untersuchten und gesunden Hunden. Auch auf OCD-Untersuchungen wird immer mehr Wert gelegt. Einzig und allein problematisch wird für viele Dalmatiner sein Ruf als „Laufhund“. Viele Halter beginnen deshalb schon früh, den Hund übermäßig müde zu machen, ihn stundenlang zum Sozialisieren mit Artgenossen spielen zu lassen oder ihn überall hin mitzunehmen und bei auffälligem Verhalten schnell in den Sport einzusteigen. Gerade Welpen und junge Hunde kennen keine Pausen und müssen Ruhe deshalb erst lernen. Um schwere Gelenkskrankheiten zu meiden, sollte man Sport und übermäßige Spielstunden meiden. Oft zeigen sich diese Verletzungen der Gelenke erst in deutlich höherem Alter, wenn die Hunde schon lange Schmerzen hatten.
Wer sich für diese Rasse entscheidet hat einen sensiblen und Bewegungsfreudigen Hund, der sich über ausgiebige Kuscheleinheiten freut und den engen Kontakt zu seinen Besitzern liebt. Bei weitem kein einfacher Hund, aber ein liebevoller. Wie auch bei jeder anderen Rassen, gibt es natürlich auch die Ausnahmen.

Über die Autorin Sabine Taferner

Sabine TafernerMit ihrer 7-köpfigen Hundegruppe lebt Sabine mit Mann und Katzen im Osten von Wien im Bezirk Bruck/Leitha in Österreich und leitet dort die Hundeschule Anima Canis.

Durch ihre jahrelange Arbeit und der leitenden Tätigkeit in einem inländischen Tierheim, durfte bei ihr eine bunte Hundegruppe bestehend aus Herdenschutzhunden, Schlittenhunden, Whippet und Terrier aus dem Tierheim einziehen.

Zusätzlich zu ihrer Arbeit als Trainerin und Beraterin für das Tierheim, unterstützt sie seit wenigen Jahren, die Dalmatinerzucht „of spotted Dynamite“ mit ihrer Dalmatinerhündin Kathy und trainiert sowohl für Ausstellungen als auch für den Alltag.

Seit kurzem wurde durch die ständigen Fortbildungen, auch ihr Interesse an anderen Tierarten entdeckt. Wissen ist für sie ein wichtiger Schlüssel um fairer und besser zu traineren.

Hundeschule Anima Canis

Bildquelle

  • Sabine Taferner

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