In unserer Reihe „Rassebeschreibungen ungeschönt“ möchten wir dir im Laufe der Zeit einige beliebte Hunderassen vorstellen. Wichtig ist zu wissen, dass eine Rassebeschreibung ein von Menschen erdachtes Idealbild darstellt. Das heißt, dass nicht jeder Rassehund seiner Rassebeschreibung entspricht. Jeder Hund ist ein Individuum. Außerdem solltest du wissen, dass manche Rasseeigenschaften auf dem Papier zwar ganz nett klingen, in Wirklichkeit aber je nach Lebenssituation des Hundes zu unerwünschten Verhaltensweisen führen können. Carolin Ströhle, selbst Halterin zweier Beagles, an denen ihr ganzes Herz hängt, hat da mal was zu „ihrer“ Rasse zusammengefasst.

Beagle

Der Rassestandard

Der Beagle gehört zur Gruppe 6 – Laufhunde, Schweisshunde und verwandte Rassen. Innerhalb dieser Gruppe ist der Beagle vergleichsweise klein und robust. Er wurde ursprünglich vor allem für die Jagd nach Hasen verwendet, vorwiegend zu Fuss. Beagles sind sehr aktiv und ausdauernd, energiegeladen und immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung. Als echte Meutehunde lieben sie Gesellschaft und bleiben schlecht bis gar nicht allein. Als Jagdhund „vor dem Schuss“, der das Wild aufscheucht und dem Jäger zutreibt, arbeitet ein Beagle vorwiegend ohne seinen Menschen, und auch in Erziehung und Training ist Kooperationsbereitschaft nicht seine große Stärke.

Eine Rasse der Gegensätze

Als Beaglehalter musst du bereit sein, dich auf die scheinbar konträren Eigenschaften des Beagles einzulassen: Der Meutehund im Beagle ist sehr anhänglich und sensibel und mag es nicht, wenn seine Menschen ohne ihn weggehen. Andererseits kooperiert der selbständig jagende Jagdhund nur sehr bedingt und ist im Extremfall beim Ableinen draußen erstmal weg. Zwei Stunden lang. Oder auch länger, denn Ausdauer hat er. Dass er durch ständigen Spurlaut, die weiße Schwanzspitze und häufiges „Einchecken“ (kurzes Annähern an den Halter, um dann wieder in die andere Richtung wegzulaufen) immer den Kontakt zum Halter aufrechterhält, tröstet da nur bedingt.

Der Beagle als „unproblematischer“ Familienhund

Auch, dass Beagles für ihre geringe Größe erstaunlich viel Bewegung (allermindestens zwei Stunden am Tag) brauchen, gehört zu ihrem Charakter. Genauso, wie die Tatsache, dass zusätzliche geistige Auslastung unentbehrlich ist. Dabei bieten sich vor allem Nasenarbeit, aber auch Menschensuche oder Trickdogging an – Beagles sind echte Arbeitstiere und lieben es, Neues zu lernen. Notfalls suchen sie sich dann eben selbst neue Anregung – als Ausbrecherkönige, Tunnelarbeiter, Möbelschredder oder bei der Feinsortierung des Hausmülls. Ein Beagle ist ein anstrengender Hund, und daher nur ganz bedingt der „liebe, unproblematische Familienhund“, als der er gerne dargestellt wird. Beagles werden sehr schwer stubenrein, pubertieren heftig, sind oft echte Sturköpfe und können bei mangelnder oder falscher Auslastung zu echten Nervensägen mutieren. Auch sind Beagles laut – nicht umsonst ist ein Ursprung des Namens „Beagle“ das französische „begeuler“, was so viel wie „Lautmaul“ heißt. Wer jemals einen einsamen Beaglerüden sein Eigen nannte, der seinen Kummer beim Alleinsein durch langanhaltendes Heulen herausschreit oder die Hündin, die just JETZT nach draußen will, und diesem Bedürfnis durch ausdauerndes Bellen Nachdruck verleiht…. Wobei das vermutlich einer hartgesottenen Mutter von drei Kindern wenig ausmacht. Jedoch ist die zeitliche Investition in Erziehung, Auslauf und geistige Auslastung vergleichsweise hoch. Beagles sind definitiv keine Hunde, die „so nebenher“ mitlaufen.

Das Jagen

Das Jagen ist je nach Veranlagung des Hundes ein äußerst sensibles Thema, das selbst unter erfahrenen Beaglehaltern häufig zu Konflikten führt. Die einen schwören auf die Schleppleine und leben sehr gut damit, ihren Hund nie frei laufen lassen zu können – denn auch die meisten Hundeplätze und Gärten sind zwar eingezäunt, aber selten richtig beaglesicher. Beagles sind der Alptraum eines jeden Zaunbauers – unter 20, besser 50 cm in der Erde und einer Höhe von mindestens 1.50 m sind sie für die Ausbrecherkönige unter den Beagles kein Hindernis. Die anderen haben durch intensives, unermüdliches Training (ich sage nur: pürierte Feinkostsalate aus der Futtertube), guten Charakter oder einfach nur Glück Hunde, die sie meist freilaufen lassen können. Ein Traum! Dann ist der Beagle ein sportlicher und sehr ausdauernder Begleiter auf langen Spaziergängen und Wanderungen. Wobei sich auch beim sicher freilaufenden Beagle gute, abwechslungsreiche Leckerli, ein spannendes Spieli und immer mal wieder eine kurze Trainingssequenz anbieten. Nicht, dass dem Hundchen doch langweilig wird…. Man weiß ja nie und ein Beagle ist immer für Überraschungen gut.

Die große Liebe

Selbst Beaglehaltern stellt sich oft die Frage: „Warum ausgerechnet ein Beagle?“ und „Würdest Du es wieder tun?“. Ja, ja, ja – obwohl ich meinen ersten Beagle geerbt habe, und mein zweiter Liebe auf den ersten Blick war (also beide nicht als bewusste Entscheidungen zählen), würde ich immer wieder einen Beagle (oder besser zwei) anschaffen. Trotz angefressener Mauerecken, geschredderter Fußleisten, angekauter Schuhe oder geklauten Mittagessens. Trotz geprellter Handgelenke, durchgelaufener Schuhe aus dem Jagdbedarf, und höchstpreisigem Hundefutter, weil der Beagle alles frisst, außer, es ist in seinem Napf. Ein Beagle ist anstrengend, zeitaufwändig, nervig, laut – aber ein unfassbar liebenswerter und sensibler Hund, gelehrig und immer für eine Überraschung gut. Wer die Herausforderung liebt und offen ist für neue Erfahrungen (auch solche, die er eigentlich niemals haben wollte…), ist beim Beagle richtig. Er führt seinen Halter and seine Grenzen, und oft weit darüber hinaus, aber zeigt ihm auch eine neue Welt – die Welt der Nasenhunde, der eigenwilligen Jäger, derer, die sich um nichts scheren und einfach glücklich sind. Aroooo!

Quellen: http://www.beagleclub.de

Über die Autorin Dr. Carolin Ströhle

Carolin über sich selbst:
Ich bin Diplompsychologin und arbeite als Projektleiterin für eine Computerfirma. Mit Hunden (o.k. – Dackeln) aufgewachsen, ist vor sieben Jahren die Beagleprinzessin in mein Leben getreten. Seitdem bin ich ein Fan speziell von Jagdhunden der anderen Art, und weiss aus eigener Erfahrung, dass Erziehumg immer etwas Gegenseitiges ist. Nach der selbstbewussten Queen war der (Beagle-) Rüde Leopold aus dem Tierschutz eine komplett neue Erfahrung. Verlustängstlicher Leinenpöbler mit grossem Herzen trifft zickiges Einsteinchen mit Begeisterung fürs Klauen – unterschiedlicher könnten die beiden nicht sein, und bieten immer ein weites Feld an Herausforderungen.
Seit Dezember 2009 regelmässig in der Hundeschule Holledau, bin ich dort seit April 2017 als Co-Trainer tätig. Beim Training ist mir vor allem wichtig, dass gemeinsames Arbeiten allen Spass macht. Neben Trickdogging und Mantrailing liegt mir vor allem Antijagdtraining sehr am Herzen.

Über die Autorin

Dr. Carolin StröhleCarolin Ströhle ist Co-Trainerin in der Hundeschule Holledau und begeisterte Beagle-Besitzerin.

Bildquelle

  • Carolins Bande bestehend aus Queenie und Poldi, Lara Meiburg Photographie