Rassebeschreibung ungeschönt – Der Podenco

In unserer Reihe „Rassebeschreibungen ungeschönt“ möchten wir dir einige beliebte Hunderassen vorstellen. Wichtig ist zu wissen, dass eine Rassebeschreibung ein von Menschen erdachtes Idealbild darstellt. Das heißt, dass nicht jeder Rassehund seiner Rassebeschreibung entspricht. Jeder Hund ist ein Individuum. Außerdem solltest du wissen, dass manche Rasseeigenschaften auf dem Papier zwar ganz nett klingen, in Wirklichkeit aber je nach Lebenssituation des Hundes zu unerwünschten Verhaltensweisen führen können. Hey Fiffi-Trainerin Marina Krieg hat da mal was zu „ihrer“ Rasse, dem Podenco, zusammengefasst.

Podenco

Herkunft und Aussehen

Der windhundähnliche Podenco stammt aus dem Mittelmeerraum und gehört zu den Laufhunden. Noch heute wird er in seinen Heimatländern zur Jagd auf Wildkaninchen eingesetzt. Bereits in der Antike bekannt, gelten die Sprinter als robust und selbständig, aber auch als sehr sensibel. Es gibt Podencos in verschiedenen Größen, Farben und mit unterschiedlicher Fellstruktur- je nach
Einsatzgebiet oder Herkunftsland. Allen gemeinsam sind allerdings die schlanke Körperform und die fledermausartigen Stehohren. Seit ein paar Jahren erfreut sich diese Rasse auch in Deutschland wachsender Beliebtheit, da sie vermehrt durch Tierschutzorganisationen aus Spanien oder Portugal zu uns vermittelt wird.

Eigenschaften

Der Podi, wie er liebevoll genannt wird, scheint ein bisschen wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde zu sein: Innerhalb der eigenen vier Wände zeigt er sich ruhig, genügsam und pflegeleicht, während er draußen sein volles jagdliches Potential entfaltet. Ein bisschen wie das Wesen einer Katze. Außerdem wird er als stur, schwer zu motivieren und mit wenig Bereitschaft zur Zusammenarbeit beschrieben. Doch was ist dran?

Stark ausgeprägtes Jagdverhalten

Die meisten Podis sind nicht oder nur bedingt ableinbar und absolute „Jagdsäue“. Dazu muss man wissen, für was für eine Art Jagd dieser eigenständige Hund gezüchtet wurde. Der Podenco jagt nämlich mit allen Sinnen und führt – bis auf das Fressen am Ende – die gesamte Jagdverhaltenskette (also Orientieren – Fixieren – Schleichen – Hetzen – Packen – Töten) komplett und unabhängig vom Jäger aus. Das heißt, dass auf die Bereitschaft zur Kooperation mit dem Menschen in der Zuchtgeschichte des Podencos eher weniger Wert gelegt werden musste. Die in Deutschland zur Jagd eingesetzten Hunde sind meist „nur“ für das Aufstöbern, Anzeigen, Verfolgen etc. zuständig und werden vom Jäger gelenkt, welcher die Beute dann selbst erlegt.

Warum trifft man aber auch so viele nicht-jagende Podis in Deutschland?

Ganz einfach: Nicht-jagende Podencos, von denen es in ihren Ursprungsländern nur einen kleinen Prozentsatz gibt, werden dort von den Jägern aussortiert und – wenn sie Glück haben – in
Tierheimen abgegeben. Von da aus werden sie häufig nach Deutschland vermittelt, sodass es hier einen höheren Prozentsatz nicht-jagender Podencos gibt als in ihrer Heimat.

Keinen „will-to-please“?

Sobald man das traute Heim verlässt, scheint der Podenco draußen keinerlei Interesse an einer Kooperation mit dem Menschen zu haben oder uns schlichtweg zu ignorieren. Jedoch ist der durchaus intelligente Hund keinesfalls als „stur“ oder „dickköpfig“ zu betrachten, denn auch bei ihm gelten die Lerngesetze, wie bei jedem anderen Säugetier auch. Hierbei ist es besonders wichtig Dinge zu finden, die sich für den Podenco lohnen und für ihn einen Sinn ergeben. Während er sich also mit Unterordnungsübungen und vielen Wiederholungen meist weniger bespaßen lässt, hat er meist mehr Freude an Nasenarbeit, Agility- oder Dummytraining. Außerdem stellt ein geworfenes Leckerli, das „gehetzt“ werden kann oder ein Suchspiel mit Futter eine bessere Belohnung dar als wenn man es ihm einfach aus der Hand füttert. In jagdlichen Situationen (z.B. der Hund sieht eine Katze) kann man auch besser mit ruhigem Weitergucken und Nachschnüffeln (wenn möglich) belohnen, als mit Futter. Ausschließlich durch Bewegung (z.B. Fahrradfahren etc.) wird der Podi nicht ausgelastet, es braucht auch ein gewisses Maß an sinnvoller Beschäftigung.

Für wen ist der Podenco geeignet?

Liebäugelt man mit dieser Rasse, muss man sich der ursprünglichen Verwendung bewusst sein und sich auf ihre Eigenständigkeit einlassen. Abgesehen davon sollte man den Traum des freilaufenden Familienhundes erstmal hinten
anstellen und austesten, inweiweit diese Vorstellung realisierbar ist. Eine Schleppleine ist hier schon mal das wichtigste Hilfsmittel. Weiterhin sollte es die Möglichkeit geben, den Hund auch mal in eingezäuntem Gebiet sprinten zu lassen. Obwohl mich diese Rasse fasziniert und ich nicht bereue, meine Dama aus dem Tierschutz bei mir aufgenommen zu haben, würde ich mich beim nächsten Hund vermutlich nicht wieder für einen so stark jagenden Hund entscheiden. Podis sind tolle Hunde, aber eben eigenständig. Die Wahrscheinlichkeit, sich einen unabhängigen Jäger ins Haus zu holen, ist bei einem Podenco eben größer als bspw. bei Dogge, Bolonka und Co.

Über die Autorin

Marina KriegMarina Krieg ist zertifizierte Hundeerzieherin und Verhaltensberaterin IHK aus Rostock und betreibt dort ihre Hundeschule Ostseepfoten

Seit 2016 teilen sie und ihr Freund das Leben mit der Podencohündin Dama aus dem Tierschutz.

Positives Training macht nicht nur den Hunden, sondern auch den Haltern Spaß. Der Vierbeiner ist mit Freude bei der Sache und auch die Vertrauensbasis wird davon profitieren. So kann man immer weiter mit seinem felligen Familienmitglied zusammenwachsen und einem harmonischen Zusammenleben steht nichts mehr im Wege.

Hundeschule Ostseepfoten

Bildquelle

  • Dama, Marinas Hündin, sd Design Fotografie

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