Welpenspielstunden kennt jeder. Die kleinen Butzels kugeln fröhlich über- und untereinander, finden neue Freunde, Auseinandersetzungen werden friedlich gelöst und aus dem kleinen Wonneproppen wird ein gut sozialisierter, erwachsener Hund, weil er ja als Welpe immer so schön gespielt hat. Nun ja… Hey Fiffi-Trainerin Marina Krieg über unsinnig geführte Welpen ‘Spiel’ stunden und deren Folgen.

Welpenspiel

Ca. 60 – 70% meiner Verhaltensberatungen haben problematische Hundebegegnungen zum Thema. Das Verhalten der Hunde sieht dabei sehr unterschiedlich aus: Einige verstecken sich hinter ihren Menschen oder legen sich flach hin, um plötzlich loszuspringen, wenn der andere Hund auf ihrer Höhe ist. Andere rasten an der Leine aus, weil sie nicht zum anderen Hund gehen und „Hallo” sagen dürfen. Wieder andere wollen ihr Gegenüber mit ihrem Gebahren an der Leine vertreiben und würden dazu auch ihre Zähne einsetzen. Im Rahmen einer ausführlichen Anamnese stelle ich viele Fragen über den Hund und sein Verhalten und in den meisten Fällen ist keine Beißerei oder ein ähnlicher Auslöser zu erkennen. Stattdessen bekomme ich oft zu hören: „Wir waren doch extra in einer Welpengruppe” und/oder „Er hat doch immer so schön mit anderen getobt.” Schließlich spielen sie ja so schön und der Hund ist danach endlich mal müde.

Hundebegegnungen in der Vergangenheit – so nicht!

Wenn ich dann nachfrage, wie genau die Welpenstunde abgelaufen ist, stellt sich oft heraus, dass dort mindestens zehn Welpen unterschiedlicher Größe und Alters eine Stunde zusammen „spielen” durften, während die Besitzer*innen mit Herzchen in den Augen daneben stehen und sich austauschen – ein absolutes No Go! Welpen können sich noch nicht lange konzentrieren und selbst dann, wenn sie zwei Minuten ausgeglichen gespielt haben, kann es sein, dass das Spiel ab Minute drei anfängt zu kippen und die Halter*innen dies nicht erkennen. Ist dieser Kipppunkt überschritten, kann es schnell zu Mobbing kommen, was die BesitzerInnen oftmals nicht von gutem Spiel unterscheiden können. In vielen solcher Welpengruppen wird dann leider auch noch dazu geraten, dass die Hunde das „unter sich ausmachen” sollen. Dann endet es damit, dass die gemobbten Welpen einfach über den Haufen gerannt werden oder die mobbenden Welpen lernen, andere Hunde einfach zu überrollen. Auf beiden Seiten entsteht dadurch ein hohes Erregungsniveau beim Anblick anderer Hunde. Sei es aus Angst, Aufregung oder Frust und der Halter wird komplett uninteressant.

In der Pubertät

Nicht selten kontaktieren mich die Kunden während der Pubertät ihres Vierbeiners, denn genau dann wird es gerade bei Hunden größerer Rassen sehr unangenehm, wenn dieser in der Leine hängt. Wenn der Welpe/Junghund zuvor immer Kontakt zu anderen Hunden haben konnte, hat er nicht gelernt, dass man auch einfach an Artgenossen vorbeigehen kann. Darf er dann plötzlich nicht mehr zu allen anderen Hunden hin (läufige Hündin, Hund ist nicht mehr mit allen verträglich, zu hoher Größenunterschied etc.), ist dies sehr frustrierend für den Vierbeiner, hat man es in der Vergangenheit doch immer gefördert. An Leinenführigkeit oder Ansprechbarkeit ist in diesen Momenten auch nicht mehr zu denken.

Die Weichen schon im Welpenalter stellen

Wenn Freispiel in einer gut geführten Welpengruppe stattfindet, sollte der/die Trainer*in mit seiner/ihrer vollen Aufmerksamkeit bei den Hunden sein und sofort eingreifen können, falls notwendig. Außerdem sollte erklärt werden, wann und vor allem wie ein Sozialkontakt unterbrochen wird. Da Spielen für die Welpen sehr anstrengend sowie anspruchsvoll ist, sollte dies nur wenige Minuten dauern und sich mit Ruhepausen abwechseln. In den Ruhepausen kann man den Welpen mit einem Kauartikel beim Runterfahren helfen oder eine zuvor aufgebaute Ruhedecke nutzen. Der Welpe lernt in diesem Fall, dass der Anblick anderer Hunde nicht nur Aufregung bedeutet und auch, dass er sich dennoch in deren Anwesenheit entspannen oder auch auf seinen Halter konzentrieren kann. Viel wichtiger als der Kontakt zu Gleichaltrigen ist jedoch der Kontakt zu erwachsenen, ruhigen und sozialkompetenten Hunden. Welpen können von Gleichaltrigen nicht viel lernen, das wäre so, als würden sich Erstklässler das Lesen beibringen. Ein souveräner und gelassener Vierbeiner, der Welpen mag, eignet sich dann besser als „Kindergärtner”. Auch im Alltag kann der Welpe lernen, an anderen Hunden einfach nur vorbei zu gehen. Dies schafft man, indem man in einem Abstand am Gegenüber vorbeigeht, in dem der Welpe noch ruhig bleiben und Belohnungen annehmen kann. Sozialisierung bedeutet nicht, dass der Welpe möglichst viele Sozialkontakte hat, sondern Gute! Dafür muss er mit den Reizen auf die er trifft, nicht zwingend interagieren: Einen Artgenossen auf der anderen Straßenseite wahrzunehmen, als ungefährlich abzuspeichern und weiterzugehen, gehört auch schon dazu.

Mein Appell an Welpen- und Junghundbesitzer*innen

Wenn ihr vorbeugen wollt, dass euer Hund bei zukünftigen Hundebegegnungen Theater macht, dann fördert bitte schon in der Welpen- und Junghundezeit das ruhige Verhalten mit Artgenossen im Alltag, anstatt diese dauernd miteinander toben zu lassen. Des Weiteren solltet ihr den Sozialkontakt eures Vierbeiners sorgfältig aussuchen, denn hier gilt Qualität statt Quantität! Ein ruhiger Vertreter, der auf einem Spaziergang mit eurem Hund gemeinsam schnüffeln geht und aufdringlichen Hunden angemessen (!) Bescheid sagt, wenn es zu viel ist, ist mehr wert, als ein gleichaltriger Hund, der mit eurer Fellnase „wilde Sau” spielt. In letzterem Fall bauen beide das grobe Spiel nur noch weiter aus und das Erregungslevel schießt durch die Decke.

Wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist

Falls du nun aber bereits einen „Leinenrambo” zuhause hast, ist mein Rat, dir eine/einen Trainer*in in deiner Nähe zu suchen, die/der gewaltfrei arbeitet und mit dir zusammen die Ursache und Motivation deines Hundes ergründet, um dir einen individuellen Trainingsplan zu erstellen.

Bildquelle

  • Lara Meiburg – Laras Photographie