Könnt ihr euch noch an unseren Podcast „Ist nettes Training zu kompliziert für uns?“ erinnern? Wir haben euch um Feedback gebeten und wir haben Feedback bekommen. Silke hat uns geschrieben und uns ihre Geschichte erzählt. Es ist lang. Lest es trotzdem (oder deswegen erst recht).

„Die erste Hürde sind die Erwartungen an den Hund und die Realität. Hat man einen hibbeligen Hund, sieht man nur ruhige. Hat man einen jagenden Hund, sieht man nur freilaufende Hunde, die sich kaum von menschlichen Partner*innen entfernen. Hat man einen Hund, der im Fahrradanhänger kreischt, sieht man nur gechillte Hunde auf einer entspannten Fahrradtour… so ließe sich das fast unendlich fortsetzen. Klagt man bei anderen Hundebesitzer*innen, Freund*innen und Familie sein Leid, gibt es genügend die sagen „ der xy kann das aber, der hat den gleichen Hund“ oder „das kann doch nicht so schwer sein, man sieht doch viele Hunde, die das können“ etc. Dank Fernsehsendungen, Instagram, Facebook, YouTube etc. gibt es gefühlt Millionen Hundetrainer*innen in Deutschland, die oftmals noch nie einen Hund hatten, aber quasi ja eine Online-Fortbildung besucht haben. Ein scheinbar aussichtsloses Problem löst sich im Fernsehen in 45 Minuten mit Werbeunterbrechungen… und ich krieg’s nicht hin.“

Wir sind sicher, ihr werdet euch in Silkes Erzählung wiederfinden. Let´s go

Foto: Silke Balk mit Hund

Liebe Sonja,

Gerne möchte ich Dir meine Gedanken dazu mitteilen. Da in den anderen Beiträgen auch immer wieder die Frage aufpoppt, wie man anders oder aversiv trainieren kann, würde ich gerne „etwas ausholen“. Ich hatte auch überlegt, ob ich meine Gedanken auf Facebook poste, aber dafür wird’s wahrscheinlich zu lang.

Ich werde erst ein bisschen über meine Erfahrungen mit diversen Hundetrainer*innen berichten. Dann werde ich die Frage beantworten, wie ich persönlich zu positivem Training gekommen bin (und ob ich überhaupt schon da bin infrage stellen). Zum Schluss werde ich meine Gedanken zum besten geben, wie ich mir die „perfekte Hundeschule“ vorstellen würde.

Falls es zu lang wird, entschuldige ich mich. Aber ich habe auch irgendwie das Bedürfnis „meine Geschichte mal loszuwerden“.

Wir suchten einen aktiven Hund

Mein jetziger Hund ist ein inzwischen 4,5- Jahre alter, reinrassiger Parson Russel Rüde. Davor hatten wir bereits einen Golden Retriever und zwei Cocker Spaniel. Mit allen waren wir in „Standard-Hundeschulen“ und hatten – aus unserer damaligen Perspektive – keinerlei Probleme.

Wir haben uns bewusst für einen Parson Russel entschieden, weil wir einen aktiven Hund gesucht haben, den wir auch auf längeren Spaziergängen und Wanderungen mitnehmen können. Ich habe einige Parsons mit ihren Besitzer*innen getroffen und immer nach ihrer Einschätzung gefragt. Im Grunde haben sie nur von den Vorzügen der Rasse berichtet, Negatives habe ich nicht gehört. Dass der Parson ein Jagdhund ist, war klar. Aber Cocker Spaniel sind’s auch und inzwischen hatte ich mich selbst ja als „hundeerfahren“ klassifiziert (immerhin der vierte Hund).

Gekauft haben wir den Parson bei einem Züchter. Bei der Abholung hat er mir noch gezeigt, wie man einen Parson trimmt. Ich fand’s ein bisschen ruppig, aber nach Aussage des Züchters gewöhnten sich die Hunde daran. Parson seien ja robust und bräuchten eine „starke Hand“.

In verschiedenen Hundeschulen

In der Welpengruppe kam unser Rüde zu den kleinen Hunden mit Chihuahuas etc. In den ersten Stunden ging’s noch ganz gut. Danach hat sich gezeigt, dass das Spielverhalten unseres Hundes nicht zu den anderen gepasst hast. Er war inzwischen deutlich größer und auch „körperlicher“. Dadurch wurde er viel gemaßregelt und auch mal quasi „in die Ecke gestellt“ (abseits geparkt). – 1. Hundeschule

Für die Rabaukengruppe (ab 16 Wochen) wechselten wir dann zu einer anderen Hundeschule. Im Grunde war’s ähnlich. Aufgrund der Größe war er bei den kleineren Hunden, immerhin gab’s einen gleichaltrigen Cocker Spaniel. Bei Ankunft wurde erst mal gespielt. Zur Ruhe kommen, stand nur als Hausaufgabe auf dem Programm. Dass unser Hund damit Probleme hatte, lag nach Aussage der Hundetrainerin daran, dass wir ihn nicht auslasten würden. Irgendwann kam mit ca. 20 Wochen die Wasserflasche zum Einsatz, weil er auf das Wort „Tabu“ nicht mit Abbruch reagiert hatte (war zwei Minuten vorher eingeführt). Wir sind dann sogar noch in die Junghundestunde für „Sitz, Platz, Fuß“ und da die zunehmende Unruhe ja von zu wenig Auslastung kam, haben wir mit ca. 7 Monaten einen Agility-Kurs gebucht. Bei der ersten Stunde (andere Hunde waren beim Kurs dabei) war er so aufgedreht, dass er kaum mitmachen konnte. Er hat ständig markiert, was laut Aussage der Trainerin an seinem übersteigerten Sexualtrieb lag. – 2. Hundeschule

Dann habe ich ein Angebot eines Hotels in der Nähe entdeckt, bei dem man während des Urlaubsaufenthaltes Einzelstunden buchen konnte. Ich hab mich über die Hundetrainerin informiert und da sie auch Jagdhunde ausbildet, war ich davon überzeugt, dass sie uns mit unserem Jagdhund weiterhelfen konnte. Positiv war, dass sie uns als Erste darauf hingewiesen hat, dass unser Hund lernen muss, zur Ruhe zu kommen. Wir sollten den Agility-Gruppenkurs abbrechen, dafür wäre er noch zu aufgeregt. Da er in Wartesituationen und in Anwesenheit anderer Hunde ständig gefiepst hat, hat sie uns dazu geraten: „Fuß auf die Leine und ignorieren“. Das würde er ganz schnell lernen, dass er mit Fiepen nichts erreicht. Sie hat uns noch dazu geraten, bei „Social Walks“ mitzugehen, damit sich unser Hund an die Anwesenheit anderer Hunde gewöhnen könnte. – 3. Hundeschule

Den Ratschlag mit den Social Walks haben wir angenommen, denn bei uns am Ort gibt es eine Hundeschule, die regelmäßig gemeinsame Spaziergänge mit Hund anbietet und für externe Gäste auch Wanderreisen mit Hund organisiert.  Da es im Internet gerade Videos des angewandten Trainingskonzeptes mit Parson Russels gibt, dachten wir, das wäre jetzt das Richtige für uns. Wir sind also ein paar Mal mit. Haben auch an ein paar Schulstunden teilgenommen… verbessert hat sich nix, im Gegenteil und dann ging’s los mit dem Vergleichen mit anderen Hunden… gleiches Alter, die „können’s aber besser“, sind ruhiger, hören besser etc. Wir haben dann auch zu hören gekriegt, dass wir „dies nicht richtig tun würden und jenes falsch machen würden“ und es deshalb mit unserem Hund nicht klappen würde. – 4. Hundeschule

(Anm.: die Hundetrainerin hat ihren Border Terrier mit 15 Monaten abgegeben, weil er „unheilbar“ zum Jagen gegangen ist)

Wieder im Urlaub, war ich in Brandenburg in einer Hundeschule. Wir hatten leider nur drei oder vier Unterrichtsstunden und es ging im Wesentlichen um die richtige Beschäftigung und Auslastung. – 5. Hundeschule (die erste Positive)

Im Herbst waren wir dann bei einem Hundeurlaub auf Sylt. Eigentlich eine tolle Veranstaltung, aber ohne „Unterrichtskonzept“. Autoritäres Hundetraining wurde genauso geboten wie Beschäftigungsideen, Hundemassage, Leinenführungskurse etc. Wir haben das autoritäre Training ausprobiert und es hat auch auf Sylt funktioniert – genau 1 Woche. Bis unser Hund so verstört war, dass er sich selbst in der Wohnung nur noch gehemmt bewegt hat. Also haben wir das wieder eingestellt, aber ich muss zugeben, es hat funktioniert. Unser Hund lief ohne Leine…

Zum ersten Mal positives Training – ein Reinfall

Im November habe ich dann eine Online-Veranstaltung gesehen und ich bin dabei das erste Mal so richtig auf das positive Training aufmerksam geworden. Ich glaube, ich habe auch da schon das erste Mal von Hey-Fiffi gehört, aber das Abo-Modell hat mich damals abgeschreckt. Ich habe fast alle Beiträge der Veranstaltung gehört und viel Input bekommen.

Bei einer Speakerin habe ich mich über ihr Bonus-Angebot angemeldet und bin danach für das Hundetraining bei ihr geblieben. Sie arbeitet nach positivem Training, allerdings nur online. Anfangs war’s okay, aber irgendwann hab ich gemerkt, mit unserem Hund wird alles schlimmer. Das läge daran, dass wir ihren Input nicht richtig umsetzen könnten. Sie hat uns als Team noch nie gesehen und alles nur online abgewickelt. In ihrem wöchentlichen Video-Call hatte man gefühlt 3 Minuten Zeit, seine Fragen loszuwerden und wenn’s kritisch wurde, lag der Fehler bei den Teilnehmern. Wir haben uns dann noch „vergünstigt“ zum 4-Tage Workshop angemeldet und konnten konkrete Herausforderungen mitbringen, zu denen sie uns dann Übungskonzepte erstellen wollten. Ich wollte gerne, dass mein Hund im Fahrradanhänger mitfährt. Sie hat ihn dann mit so viel Wienerle vollgestopft (mein Hund wiegt 8,5 Kilo), das er sich nach dem Training übergeben hat… Ihrer Meinung nach, war das meine Schuld… ich hätte zu viel Druck auf ihn aufgebaut. Außerdem hätte mein Hund ein Schilddrüsenproblem und HD. Sie haben mich an einen Tierarzt verwiesen, um ein Goldimplantat setzen zu lassen (hab ich nicht machen lassen). Ziemlich frustriert und fast 2.000 EUR ärmer, hab ich das Hundeschul-Abo vorzeitig gekündigt. Danach habe ich um jeden Hundetrainer, der aus dieser Richtung kam, kategorisch als ungeeignet für mich aussortiert (damit fallen fast alle mit positiver Verstärkung ‚raus) – 6. Hundeschule (für mich von allen die schlechteste Erfahrung!)

Wie wahrscheinlich viele andere auch, hab ich dann angefangen, Lösungen für einzelne Herausforderungen zu Googlen und bin sehr häufig bei einem Fernsehtrainer gelandet. Es hat wirklich viel funktioniert und so hab ich mich mal informiert, was dieser Trainer für Qualifikationen mitbringt. Dadurch bin ich auf ein Ausbildungsinstitut gestoßen und hab mich für den Lehrgang Hundeverhaltenspsychologie angemeldet. Inzwischen hab ich fast alle Kurse abgeschlossen und könnte mich theoretisch zur Abschlussprüfung anmelden (war aber so nicht geplant, jetzt weiß ich nicht, ob ich’s machen soll). Aber immerhin hat der Lehrgang dazu geführt, dass ich meinen Hund besser verstehe, ihn besser lesen kann, sich viele Dinge zum Positiven gewendet haben, obwohl auch heute noch Herausforderungen für mich offen sind.

Ich habe dann noch ein paar Einzelstunden bei einem selbständigen, bei dem Ausbildungsinstitut ausgebildeten Hundetrainer gebucht, die aber die verbliebenen Herausforderungen nicht gelöst haben. Da sich aber mein Hund bei den Gesprächen immer bei mir auf den Schoß gesetzt hat und seine Pfoten geleckt hat, hat er mir gesagt, dass mein Hund „einen Konflikt austragen würde“. Auf der einen Seite wäre er gerne bei mir, aber er hätte auch Angst vor mir. Wir hätten keine gute Beziehung. – 7. Hundeschule (Anm. später wurde eine Pankreas-Entzündung diagnostiziert und nachdem wir auf Hühnchen verzichten, leckt unser Hund seine Pfoten nicht mehr)

Tricks machen Spaß! – Schlüsselerlebnisse

Irgendwann habe ich dann per Zufall einen Trickkurs in St. Peter-Ording entdeckt. Die Trainerin hatte ich schon bei der Online-Veranstaltung gesehen und fand das total toll. Meinem Hund und mir hat es riesig Spaß gemacht. Wir hatten endlich mal Erfolg und konnten mit vielen kleinen Tricks zu Hause beeindrucken. Wir haben immer neue Tricks gelernt und hatten damit eine gemeinsame Beschäftigung, an der wir beide Spaß hatten und die uns immer mehr zusammengeschweißt hat.

Seit meiner Ausbildung hab ich im Hundetraining schon viel über positive Verstärkung gearbeitet, aber auch viel mit „Nein“ und „Lass es“. Das Fiepen beim Warten war immer noch ein Problem, aber Vieles ist auch wirklich besser geworden. Ich hab einige Fernsehtrainer-Vorschläge befolgt. Einiges klappte gut, anderes nicht so gut.

Ende April dieses Jahres waren wir wieder in SPO und in der Zeit gab es für mich zwei „Schlüsselerlebnisse“.

1. Wir sollten mit dem Hund einen Napf umrunden, ohne dass er das Leckerli drin nimmt. Ich also hin, hab ihm streng „Nein“ gesagt und rum. Jetzt hatte ich gehofft, die Trainerin lobt mich dafür… hat sie auch irgendwie, aber dann noch gesagt: „sag ihm doch einfach, was er stattdessen tun soll“… mit „bleib bei mir“, ging’s genauso gut, hat aber mehr Spaß gemacht ??.

2. Als ich über das Fiepen meines Hundes im Cafe geklagt habe, habe ich gesagt, dass ich nicht wisse, ob es Langeweile oder Frust sei. Ich würde ihn ignorieren, weil er ja meine Aufmerksamkeit möchte, aber er höre einfach nicht auf. Darauf sagte eine Trainerin zu mir: „Egal ob Frust oder Langeweile. Beides sind Emotionen“ und mein Hund bräuchte in diesen Situationen meine Unterstützung. Ignorieren wäre keine Unterstützung. Die nächsten Tage habe ich also meinen Hund nicht mehr ignoriert, sondern gelobt, wenn er ruhig war… und siehe da, es wurde fast jeden Tag besser. Am letzten Tag lag er sogar in Gegenwart von anderen Hunden – nicht ganz gelassen – aber immerhin geräuschlos unterm Tisch (ich sollte mir auch überlegen, ob ich den Hund überhaupt mitnehmen sollte, wenn er damit Stress hätte…).

So jetzt weißt Du, wie ich zu positivem Training gekommen bin – Wahrscheinlich waren diese beiden Wochen in Sankt Peter-Ording entscheidend für mich noch mal zu hinterfragen, was ich noch anders machen sollte.

Podcast als Inspiration

Die Trainerin hat dann in ihrem Podcast den Hey-Fiffi-Podcast empfohlen und deswegen bin ich jetzt hier und schreibe dir diese lange Email. Ich habe auch den Blog-Artikel gelesen „Mund aufmachen oder lieber Klappe halten“ und habe mich mit meinem Hund in der Stadt durchaus wiedererkannt. Obwohl ich denke, ich bin sehr nett mit meinem Hund, habe ich ihn bislang auch weitergezogen, wenn er in der Stadt markiert hat. Das war für mich normal. Bei mir ist es wahrscheinlich kein sichtbar ängstlicher Hund, der dort mit mir durch die Fußgängerzone geht, sondern eher eine sichtbar gestresste Fellnase. Er kennt Stadtsituationen zu wenig und ich bin bislang „einfach so“ mit ihm durch die Stadt gegangen, weil ich dachte, dass er sich vielleicht mit der Zeit an den Trubel gewöhnen würde… so gibt es bestimmt noch andere Situationen, in denen mein Verhalten noch ausbaufähig ist und ich hoffe, mir fällt es dann auch auf. Deswegen bin ich mir sicher, dass ich noch nicht bei durchweg positivem Training angekommen bin.

Ist es komplizierter als anderes Training? Jein… in vielen Fällen „nein“, weil es mehr Spaß macht und etwas positiv zu bestätigen (und Negatives weg zu lassen), ist nicht so schwer. Schwer ist es sicherlich dann, wenn die positive Lösung nicht auf der Hand liegt. Wenn z.Bsp. mein Hund in den Fahrradanhänger einsteigt, wir losfahren und er mal quiekt und mal nicht… ich kann ihn im Hänger nicht gut sehen. Kann positives Verhalten weder mit der Stimme noch mit Leckerli gut in der Situation bestätigen… dann ist es schwieriger (Anbrüllen ist leichter, hilft aber auch nix – also keine Lösung).

Das Entscheidende finde ich, dass positives Bestätigen viel mehr Spaß macht. Nicht nur mir, sondern auch dem Hund. Ich glaube auch, dass uns der Lernprozess noch viele Möglichkeiten der positiven Verstärkung aufzeigen wird.

Anregungen an positive Trainer*innen

Ihr wolltet in Eurem Podcast auch wissen, wie Ihr mehr Menschen mit Eurem Trainingsansatz erreichen könntet und (im Facebook-Post) warum es Kund*innen gibt, die trotz positiver Erfahrung mit Euch, andere Trainingsmethoden ausprobieren.

Die erste Hürde sind die Erwartungen an den Hund und die Realität. Hat man einen hibbeligen Hund, sieht man nur ruhige. Hat man einen jagenden Hund, sieht man nur freilaufende Hunde, die sich kaum vom menschlichen Partner*in entfernen. Hat man einen Hund, der im Fahrradanhänger kreischt, sieht man nur gechillte Hunde auf einer entspannten Fahrradtour… so ließe sich das fast unendlich fortsetzen. Klagt man bei anderen Hundebesitzer*innen, Freund*innen und Familie sein Leid, gibt es genügend die sagen „der xy kann das aber, der hat den gleichen Hund“ oder „das kann doch nicht so schwer sein, man sieht doch viele Hunde, die das können“ etc. Dank Fernsehsendungen, Instagram, Facebook, YouTube etc. gibt es gefühlt Millionen Hundetrainer*innen in Deutschland, die oftmals noch nie einen Hund hatten, aber quasi ja eine Online-Fortbildung besucht haben. Ein scheinbar aussichtsloses Problem löst sich im Fernsehen in 45 Minuten mit Werbeunterbrechungen… und ich krieg’s nicht hin.

Persönlich hat mir am meisten zugesetzt, wenn man mir sagt, ich könne das nicht. Mein Training wäre falsch (ohne zu sagen, wie es richtig geht) oder mein Timing wäre schlecht, etc. Durch solche Sätze wird die Verunsicherung beim Hundehalter/ der Hundehalterin so groß, dass sie absolut an Selbstwertgefühl verliert und das Zusammenleben mit Hund mehr und mehr als Belastung empfunden wird. Wenn das bei anderen also mit anderen Methoden besser funktioniert, sollte ich die andere Methode zumindest auch probieren… so landet man bei anderen Hundetrainern. Es gibt auch nicht schwarz/weiß. Meiner Erfahrung nach bringen viele Hundetrainer*innen den Hunden etwas durch positive Verstärkung bei. Benutzen aber beim Abtrainieren von negativem Verhalten oft ein „Nein“, „Tabu“ etc. verbunden mit aversiven Reizen oder Strafen. Die werden oft verharmlost, weil es ja auch bei Kindern eine „stille Treppe“, „Hausarrest“ und Ähnliches gibt.

Darauf aufbauend kommt gleich mein erster und vielleicht wichtigster Tipp: Nutzt die positive Verstärkung auch für die Menschen!!!!! Wenn ich das Feedback erhalte, ich mache etwas gut, stärkt das mein Selbstvertrauen und das Vertrauen darauf, dass ich „den richtigen Weg“ eingeschlagen habe. Auch wenn ihr als Hundetrainer*innen manchmal denkt „wie blöd stellt der/die sich an“, bestärkt sie in den Stärken und versucht die vermeintlichen Fehler positiv zu korrigieren („Sag ihm doch was er stattdessen tun soll“). Beim Hund könnt Ihr das doch auch… viel wichtiger ist es beim Mensch, der von Eurem Konzept überzeugt werden und dann dableiben soll.

Obwohl ich in Brandenburg nur wenige Einzelstunden hatte, hat sich die Trainerin mit uns am Anfang zusammengesetzt und wollte Infos über uns und unseren Hund. Bei ihr hab ich das überhaupt nicht negativ empfunden, weil sie es mit ihrem ganzheitlichen Konzept begründet hat und dass die Daten wichtig wären, um das Training entsprechend zu gestalten.

Bei einer anderen Gelegenheit bin ich mir vorgekommen wie in einer Schulprüfung und hab mich dauernd gefragt, was wohl die richtige Antwort wäre. Ich glaube, ich habe auch nicht alle Fragen wahrheitsgemäß beantwortet, weil ich das Gefühl hatte, ich bekomme dann am Ende „eine schlechte Note als Hundehalterin“.

Heute bin ich überzeugt, dass es wichtig ist, gewisse Dinge zu erfragen, aber bitte wertschätzend bleiben. Ihr habt eine Ausbildung gemacht, Ihr wisst was gut für einen Hund ist, was eher nicht. Die Kund*innen, die zu Euch kommen, haben dieses Wissen in der Regel nicht. Oftmals suchen sie in für sie ausweglosen Situationen nach Lösungen. Dass nicht alles optimal läuft, wissen Sie, sonst wären Sie – in der Regel – ja nicht bei Euch. Benennt es als Teil Eures Konzeptes, das Ihr als Stütze für das Training benötigt.

Was mir in Brandenburg besonders gut gefallen hat war, dass sie mir eine Zusammenfassung zu meinem Hund gegeben hat. Welche Rasse, rassetypisches Verhalten, wie sie meinen Hund sieht und wie das Training weiter aussehen sollte. Das fand ich total super… jetzt ist es vielleicht bei reinrassigen Hunden etwas leichter als bei Mischlingen. Aber ich bin fast überzeugt, dass Ihr nach ein paar Trainingseinheiten, Hunde gut einschätzen könnt. Was mir als Halterin sehr geholfen hätte, wäre zum Beispiel ein Abgleich zwischen meinen Erwartungen an den Hund und eine Einschätzung, was mein Hund davon gut leisten kann; was mit Training leistbar wird und was vermutlich immer schwierig sein wird… vielleicht weil ein Rassemerkmal besonders ausgeprägt ist oder seine Persönlichkeit das vermuten lässt. Wenn Ihr es dann noch schafft, eine Prioritätenliste mit Euren Kund*innen zu erstellen und darauf einen Trainingsplan aufzubauen, wäre das in meinen Augen super. Ich persönlich denke Gruppenstunden sind genauso wichtig wie Einzelstunden. Aber es sollten dabei die unterschiedlichen Hunde und ihre jeweiligen Fähigkeiten und Herausforderungen angesprochen werden. Dann wäre das Verständnis unter Hundehalter*innen eventuell größer, warum manche Hunde eine Situation problemlos meistern, andere nicht bzw. in anderen Situationen besser klar kommen.

Wie Du ja lesen konntest (wenn Du es bis hierhin geschafft hast), habe ich mehrmals meinen Urlaub mit Hundetraining verbunden. Das wäre ein weiterer Gedankenanstoß, wie Ihr unter Umständen Euren Bekanntheitsgrad und Eure Reichweite vergrößern könntet. Ihr habt so ein großes Netzwerk von Trainer*innen und ich könnte mir vorstellen, Ihr könntet eine Hundetrainingswoche oder zu Anfang auch ein Wochenende auf die Beine stellen. Verschiedene Trainer*innen würden zu unterschiedlichen Themen Workshops anbieten, zu denen man sich vorher anmelden muss (auf Sylt waren die meisten Angebote kostenpflichtig). Abends könntet Ihr noch Diskussionsrunden oder Vorträge ins Programm nehmen, um das Konzept detaillierter vorzustellen. Ich persönlich könnte mir vorstellen, dass diese Art Hundetraining viele Menschen ansprechen könnte. Es soll auch gar nicht darum gehen, dass ein „vollständiger“ Treibballkurs angeboten wird (z.Bsp.), sondern dass man einen Einblick bekommt. Wenn dann alle Trainer aus dem Netzwerk „Trainieren statt dominieren“ kommen, gibt das ein einheitliches Bild und zeigt, was man mit dieser Art des Trainings alles erreichen kann.

Bevor ich aufhöre, noch eine Überlegung am Rande… wie geschrieben, bin ich schon vor Jahren auf der Hey-Fiffi-Seite gewesen und war von der „Bezahlschranke“ abgeschreckt. Vielleicht solltet Ihr versuchen, vor der Bezahlschranke eine Art Teaser zu platzieren, der auf das Trainingskonzept und die Angebote hinweist. Dann würde ich für alle den ersten Monat relativ günstig anbieten und danach die Monatsabos staffeln. Dann wäre meines Erachtens die Hürde für den ersten Monat geringer und die Chance für neue Abonnementen größer.

Falls Du bis hierhin gekommen bist, bedanke ich mich für Deine Aufmerksamkeit. Ich würde mich natürlich freuen, wenn Dir/ Euch meine Gedanken weiterhelfen würden. Falls trotz der Länge meiner Email noch Fragen offen sind, kannst du dich gerne melden. Ich bedanke mich für Euer Angebot und werde mich durch weitere Videos, Podcasts, Blog-Artikel und Posts arbeiten.

Viele liebe Grüße,
Silke

Danke, Silke, für deinen Erfahrungsbericht, deine offenen Worte, deine Anregungen!

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