Dein Hund hat Probleme mit Hundebegegnungen? Direkter Nase-an-Nase-Kontakt ist ihm zu viel? Da bist du nicht alleine. Es gibt sooo viele Hunde, die Schwierigkeiten haben mit Hundebegegnungen, weil sie schüchtern sind, zu oft überrannt oder gebissen wurden. Es gibt aber eine kleine, einfache Möglichkeit, deinem Hund Kontakt zu anderen Hunden zu ermöglichen. Sozialkontakt light sozusagen. Sonja Meiburg erklärt dir, wie du das „Nachschnüffeln“ für dich und deinen Hund nutzen kannst.

Nachschnüffeln

Es ist mal wieder High Noon in der Nachbarschaft. Du gehst mit deinem Fiffi ums Eck und plötzlich steht sein Erzfeind direkt vor eurer Nase. Fiffi verliert ein wenig die Contenance und muss sich brüllenderweise ein wenig reinsteigern, bis der Erzfeind an euch vorbeigezogen ist. Du atmest tief durch, gehst deiner Wege und überlegst, wie schade es ist, dass dein Hund so gar keinen Kontakt zu Artgenossen haben kann.

Warte mal!

Aber halt, stopp, warte mal! Es gibt eine einfache Möglichkeit, wie du deinem Hund einen ungefährlichen Kontakt ermöglichen kannst: Lass ihn nachschnüffeln! „Nachschnüffeln“ bedeutet, dass du Fiffi nach einer Hundesichtung die Duftspur des soeben vorbeigezogenen Vierbeiners aufnehmen lässt. Du gehst also mit deinem Hund dorthin, wo der andere Vierbeiner eben noch war, deutest auf die Spur und ermunterst deinen Hund, dort mal zu schnüffeln. Viele Vierbeiner nehmen das Angebot gerne an und schnuppern die Duftspur akkurat ab. So kann Fiffi checken, wie der andere Hund so drauf ist, ohne dass er in den direkten Sicht- oder Körperkontakt treten muss. Sozialkontakt light.

Die Voraussetzungen

Damit das Nachschnüffeln deinem Hund auch wirklich etwas bringt, gilt es ein paar Voraussetzungen einzuhalten:

  • Achte darauf, dass der andere Hund wirklich schon weit weg oder sogar außer Sicht ist, damit Fiffi sich sicher fühlen kann, während er nachschnüffelt. Wenn dein Hund ständig nach dem Erzfeind schielen muss, um sicherzugehen, dass der nicht plötzlich umdreht und sich doch noch auf deinen Hund stürzt, ist entspanntes Schnüffeln nicht möglich.
  • Lass deinen Hund erst auf die Spur, wenn er nach der Hundebegegnung schon ein wenig entspannt ist. Du willst keine Konditionierung á la „Duftspur eines anderen Hundes ist etwas Suuuperaufregendes“, glaub mir. Sonst hast du vielleicht irgendwann einen Hund, der sich bei Duftspuren megaschnell hochfährt. Das ist unnötig. Wenn dein Hund nach einer Hundebegegnung noch auf 180 ist, dann lass ihn vielleicht erst ein paar Gutties suchen, einen kleinen Trick durchführen oder etwas Anderes machen, was ihn entspannt. Und danach schickst du ihn zur Duftspur.
  • Lobe deinen Hund, wenn er ruhig und neugierig schnüffeln. Brich das Nachschnüffeln aber freundlich ab, wenn du merkst, dass sich Fiffi reinsteigert. Fordere ihn freundlich zum Weitergehen auf, wenn du merkst, dass dein Hund sich arg anspannt oder nicht mehr so richtig ansprechbar ist.

Wenn du die Voraussetzungen einhältst, kann dein Hund seine Neugier auf andere Hunde wiederentdecken und auf eine ungefährliche Weise Kontakt aufnehmen. Probier’s mal aus!

Über die Autorin

Sonja MeiburgSonja Meiburg ist seit vielen Jahren Hundetrainerin und war in verschiedenen Vereinen als Ausbilderin tätig (BLV-Ausbilderprüfung 2005). Seit 2006 gibt sie ihr Wissen in ihrer eigenen Hundeschule weiter. Seit 1998 ist sie Clicker-Trainerin. Gelernt hat sie ihr Wissen bei vielen nationalen und internationalen Lehrern, u.a. bei Ute Blaschke-Berthold, Martin Pietralla, Kay Laurence und Mary Ray. Sie setzt den Clicker nicht nur zum Grundgehorsam und für Tricks ein, sondern auch im Hundesport und in der Verhaltenstherapie.   >> mehr über Sonja Meiburg

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  • Hey-Fiffi