Woran erkennt man einen guten Tierschutzverein?

Immer mehr Menschen interessieren sich für eine Adoption von Hunden, die über Tierschutzvereine vermittelt werden. Tolle Hunde, die ein Zuhause suchen, hat jeder Verein. Aber… arbeitet er auch seriös? Nach einigen Gesprächen mit Vertretern von Tierschutzvereinen und Adoptanten von Tierschutzhunden hat Hey Fiffi-Trainerin Anja Püster eine kurze Checkliste erstellt, die hilfreich sein kann bei der Auswahl eines guten, seriösen Tierschutzvereines. Dabei gilt es zu bedenken, dass diese Kriterien sich nicht immer mit den Interessen und Ansprüchen der Vereine decken, die sehr viel Elend sehen und bemüht sind, so viele Hunde wie möglich zu vermitteln. Die meisten Vereine leisten großartige Arbeit, die mit diesem Artikel auf keinen Fall geschmälert werden soll. Allerdings brauchen auch die zukünftigen Hundehalter eines Tierschutzhundes ein gewisses Maß an Hilfe und Unterstützung, damit sie und vor der Hund ein glückliches Leben zusammen führen können.

Tierschutzverein Auslandstierschutz

So, hier ist also nun, die kleine Checkliste, die bei der Auswahl eines Tierschutzvereins behilflich sein kann.

Pflegestelle

Sinnvoll ist, wenn möglich, eine Vermittlung nur von Hunden, die sich in einer Pflegestelle befinden. So kann man wenigstens erahnen, wie der Hund mit den veränderten Lebensbedingungen hierzulande zurecht kommt. Bei einem Hund, der direkt aus dem Internet bestellt und dann erst eingeflogen wird, ist das nicht möglich. Eine Direktvermittlung ist daher eher nicht für Hundeanfänger geeignet. Sie kann natürlich gut gehen, birgt aber für einen Hundeanfänger, der vielleicht schon mit kleineren Verhaltensproblemen wie mangelnder Stubenreinheit überfordert ist, viele Risiken.

Besuchstage

Die Interessenten sollten ihren Wunschkandidaten mehrmals besuchen können, um so viel besser und bewusster zu entscheiden, ob der Hund zu ihnen passen könnte. Jeder Mensch hat andere Vorstellungen und Wünsche in Bezug auf einen liebevollen Wegbegleiter. Anhand eines Bildes aus dem Internet ist es nicht möglich, herauszufinden, ob der Hund, für den sich der Mensch interessiert, diesen Ansprüchen oder Wünschen überhaupt auch nur im Ansatz entspricht. Den perfekten Hund gibt es meist eh nicht, aber durch Besuchstage ist es überhaupt möglich, ein paar Macken kennenzulernen und sich zu überlegen ob man damit leben kann. Wichtig ist auch zu wissen, dass jeder Hund, egal ob vom Züchter oder vom Tierschutz, sich in seinem neuen Zuhause mit der Zeit ganz anders zeigen kann und dass man regelmäßig mit Überraschungen rechnen sollte.

Gesundheitscheck

Die zu vermittelnden Hunde sollten einen aussagefähigen und nachweisbaren Gesundheitscheck bekommen, bevor sie nach Deutschland kommen und nachdem sie in den Pflegestellen angekommen sind. Das bezieht sich nicht nur auf die typischen Mittelmeerkrankheiten. Leider passiert es doch immer wieder, dass Hunde mit gravierenden Gesundheitsproblemen vermittelt werden, über die der neue Halter nicht aufgeklärt wurde.

Kompetenz der Pflegestellen

Die Pflegestellen sollten geschult sein im Umgang mit den oft besonderen Anforderungen ihrer Pfleglinge und deren Integration in die neue Umwelt. Wichtig ist eine umfassende Aufklärung über das Verhalten, das der Hund bisher in der Pflegestelle gezeigt hat mit dem Hinweis auf die oft typischen Verhaltensweisen von Hunden aus dem Ausland wie Angst/Aggressionsverhalten, die oft erst nach einer Weile in der neuen Familie auftreten. Hunde aus dem Auslandstierschutz kennen häufig das Leben hier bei uns nicht und haben daher nicht selten Anpassungsschwierigkeiten. Eine Pflegestelle sollte damit umgehen und den neuen Haltern realistische Aussichten mitteilen und gute Tipps geben können.

Zutreffende Beschreibung

Tierschutzverein Auslandstierschutz 2Die Beschreibung des Hundes sollte sehr sorgfältig und nach dem Stand auf der Pflegestelle auch realistisch und ehrlich sein. Schlagwörter wie „Familienhund, verträglich mit allem, sehr lieb…“ sollte ein Tierschutzverein lieber vermeiden, es sei denn, der Neuankömmling ist wirklich so ein Schatz. Das ist aber ganz oft entweder nicht der Fall oder schlicht auf die erste Zurückhaltung und Verunsicherung ob der neuen Situation in der Pflegestelle zurückzuführen. Hunde passen sich auf Dauer gut an ihre Umgebung an und ein Hund im Tierheim, der sich dort in der ihm bekannten und vertrauten Hundegruppe völlig unauffällig verhält und den bekannten Pfleger freundlich begrüßt, kann in einer anderen Umgebung durchaus leinenaggressiv sein und Angst vor Menschen haben.

Aufklärung in Sachen spezifisches Verhalten

Wünschenswert ist ebenfalls eine Aufklärung über rassespezifisches Verhalten, falls eine Rassezugehörigkeit bekannt ist. Nicht jeder Hund einer bestimmten Rasse zeigt rassetypisches Verhalten, aber eine Veranlagung ist häufig gegeben und sollte dementsprechend den neuen Bezugspersonen auch mitgeteilt werden. Gerade Herdenschutzhunde und deren Mixe sehen oft ansprechend aus, bringen aber ein genetisches Erbe und Erfahrungen mit, die es oft schwer machen, diese Hunde hier zu halten. Auch Hunde, die in Deutschland auf den Rasselisten stehen und deren Haltung in manchen Bundesländern ganz verboten ist, in anderen nur mit sehr speziellen Auflagen gehalten werden dürfen, sollten genau klassifiziert werden und nicht als zum Beispiel „Boxermix“ angepriesen werden! Es kann passieren, dass der Hund sein neues Zuhause irgendwann wieder verlassen muss, wenn er auf der entsprechenden Landesliste steht, und das bringt viel Leid über die Menschen und die Hunde. Ehrlichkeit ist da ein absolutes Muss!

Nothilfe auch nach der Vermittlung

Es sollte Pflegestellen geben, die Hunde aufnehmen, die nicht in ihren Familien bleiben können. Die Verantwortung der Vereine geht weit über die reine Vermittlung hinaus! Manche Adoptanten brauchen Hilfe bei der Integration des Hundes, wenn dieser problematisches Verhalten zeigt. Die Halter sollten nie im Regen stehen gelassen werden! Die vermittelnden Vereine sollten hier mit Rat und Tat beiseite stehen. Es ist ja auch in deren Interesse, dass ein Hund nicht zum Wanderpokal wird.

Hilfe vor Ort

Tierschutzverein Auslandstierschutz 3Tierschutzvereine mit Auslandsvermittlung sollten schwerpunktmäßig Hilfe vor Ort betreiben (Kastrationsprojekte, …), denn nicht wenige Auslandshunde können hier bei uns gar kein schönes Leben führen. Sie sind dafür nicht geschaffen. Manche kennen keine Wohnungen, manche haben mit Menschen extrem schlechte Erfahrungen gemacht, sind misshandelt worden und entsprechend zurückhaltend bis aggressiv. Es gibt Hunde aus dem Auslandstierschutz, die hier bei uns nicht zurecht kommen. Das gilt natürlich nicht für alle Hunde. Manche wurden auch im Ausland als Haustiere gehalten und kommen in einer städtischen Umgebung gut zurecht. Manche Hunde können sich sehr gut anpassen und finden es hier einfach nur klasse. Aber das gilt nicht für alle Hunde und einen Tierschutzverein, der die Mär vom „unendlich dankbaren Tierschutzhund“ verbreitet, sollten Sie eher meiden. Daher macht es sehr viel Sinn, vor Ort zu helfen, die Lebensbedingungen der Hunde dort zu verbessern, statt so viele Hunde wie möglich in einen Flieger zu setzen. Viele Tierschutzvereine helfen auch vor Ort. Vielleicht können Sie ja auch ein wenig mithelfen. Es lohnt sich.

Ein Verein wird bestimmt nicht alle genannten Kriterien erfüllen können, aber mit dieser Liste im Hintergrund kann die Auswahl eines passenden Vereins einfacher sein.
Ich wünsche Ihnen viel Freude mit Ihrem neuen Familienmitglied.

Über die Autorin

Hundetrainerin Anja Püster - Hey-Fiffi.comAnja Püster lebt und arbeitet in Bergheim bei Köln.

Sie betreibt hauptberuflich eine Hundeschule und einen Gassi-Service.
Gut strukturiertes Training über positive Verstärkung ist ihre Leidenschaft.

Um Trainingsziele zu erreichen, arbeitet Sie in der Hundeschule und mit den Gassi-Hunden über Clickertraining.

Hundeschule Püster

Bildquelle

  • Lara Meiburg Photographie, Carmen Trautmann, Melanie Linneberger

Hast Du Fragen zum Video? Dann schreib uns hier eine Nachricht.