Zu zweit, zu dritt, zu viert ist alles schöner…oder nicht?

Immer häufiger haben Hundehalter nicht nur einen Hund, sondern zwei oder drei oder noch ein paar mehr. Häufig glauben Hundehalter daran, dass jeder Hund, der mit einem Artgenossen leben kann, grundsätzlich glücklicher sein wird, als ein Einzelhund. Dahinter steht die Idee, dass die Hunde dann miteinander spielen und kuscheln können und sich grundsätzlich mit einem Artgenossen insgesamt wohler fühlen. Manchmal erhoffen sich die Hundehalter auch, dass ein Hund dem anderen Sicherheit geben kann, wenn dieser zum Beispiel nicht alleine bleiben kann oder mit Umweltängsten zu kämpfen hat. Aber ist das wirklich immer so? Hey Fiffi-Trainerin Martina Maier-Schmid hinterfragt.

Mehrhundehalter

Wenn ich mir meine eigene aktuelle Hundekonstellation ansehe, ist schnell zu erkennen, dass das Leben mit anderen Artgenossen auch eine große Herausforderung für die Hunde darstellen kann. Meine zwei eigenen Hunde und die aktuell bei uns lebende Pflegehündin, würden – da bin ich mir ziemlich sicher- nicht freiwillig in dieser Hundegruppe zusammen leben. Wir haben sie quasi in einer Zwangs-WG untergebracht. Dafür gibt es gute Gründe aus unserer menschlichen Sicht, aber wir haben die Hunde nicht gefragt, ob sie das auch wollen oder doch zumindest bewältigen und aushalten können. Und ich weiß aus Kunden- und Kollegenkreisen, dass das bei uns keine Ausnahme ist.

Teilen muss man erst lernen

Mit einem Artgenossen zu leben bedeutet eben auch, dass die Hunde miteinander teilen müssen:

  • es gibt plötzlich einen weiteren Hund, der gerne auf dem Sofa direkt bei der Bezugsperson liegen will oder den Platz am Kamin belegen möchte.
  • Auch die Kuschelmomente mit der Bezugsperson sind nicht mehr unbedingt ungestört, sondern müssen geteilt werden.
  • Wenn ein Artgenosse im Haus ist, kann nicht mehr so ungestört gefressen werden, weil es ja sein könnte, dass der andere schneller ist und am eigenen Napf mitvespern möchte
  • Die Spielzeuge, die dem Hund zur Verfügung stehen, können auch durch den anderen Hund beansprucht werden. Auch Spielen mit dem Menschen, muss geteilt werden.
  • Generell die Zeit, Aufmerksamkeit und Fürsorge der Bezugsperson zu teilen.

Und Teilen ist anstrengend. Die Hunde müssen dafür lernen, auch mal als letzter dran zu kommen. Es braucht Energie und Aufmerksamkeit mit den Artgenossen auszuhandeln wer nun wo liegen darf, wer das Spieli nehmen kann, wer zuerst zur Tür hinaus geht oder den zurückkehrenden Menschen begrüßen darf. Es muss Frustration ausgehalten werden und verbraucht Impulskontrolle. Und das fällt Hunden eben unterschiedlich schwer oder leicht. Und es kann zu Reibereien und Auseinandersetzungen unter den Hunden führen, was die Hunde und die Bezugspersonen sehr belasten kann.

Unterschiedliche Bedürfnisse

Unterschiedliche Bedürfnisse der Hunde können ebenfalls für die Hunde eine Herausforderung sein. Ein Hund der Gruppe mag noch gerne mit den anderen Hunden spielen und toben. Einer oder alle anderen mögen das nicht. Alle müssen nun damit umgehen lernen, dass sie ihr Bedürfnis nicht einfach so befriedigen können. Der Hund, der gerne tobt, muss ggf. darauf verzichten, der nicht so gerne spielende Hund muss sich ggf. gegen den anspielenden Hund zur Wehr setzen oder aushalten, dass andere aus der Gruppe um ihn herum toben. Ein Hund liebt lange Spaziergänge über Stock und Stein, der andere läuft nicht gerne durch Unterholz und co. Einer der Hunde würde gerne immer mal wieder andere Hunde treffen und Kontakt haben, der andere kann das gar nicht haben. Die stellt unter Umständen auch den Hundebesitzer vor eine Herausforderung, um allen Hunden und ihren Bedürfnissen nach Möglichkeit gerecht zu werden. Es bindet zeitliche, finanzielle und emotionale Ressourcen, benötigt unter Umständen Managementmaßnahmen und Trainingsmaßnahmen.

Eine ganz individuelle Sache

Es ist also wie so häufig, dass sich ein individueller und einzelfallbezogener Blick lohnt, wenn die Frage im Raum steht, ob ein weiterer Hund einziehen soll. Es gibt durchaus Hunde, die als Einzelhund glücklich und zufrieden sind. Und es gibt mit Sicherheit Hunde, die als Einzelhund glücklicher und zufriedener sind, als in einer Gruppe mit Artgenossen.

Über die Autorin

Hundetrainerin Martina Maier-Schmid - Hey-Fiffi.comMartina Maier-Schmid erfüllte sich 1998 mit ihrer Hündin Eika einen Kindheitstraum. Mit der Ausbildung der Golden Retrieverhündin begann alles. Sie wollte immer mehr über Hunde und deren Training wissen und übernahm in einem Hundeverein eine Übungsleitertätigkeit. Dies führte sie in die Trainerausbildung bei animal learn, die sie 2006 erfolgreich abschloss. Zusammen mit ihrem Abschluss als Diplom Sozialpädagogin eine optimale Grundlage für die eigene Hundeschule.

2006 gründete sie ihre „Hundeschule Tandem“ in Loßburg im Schwarzwald. Ihre Schwerpunkte sind: Alltagstraining, Umgang mit Aggressionsverhalten und Ressourcenverteidigung, Training mit Angsthunden, Training mit Tierschutzhunden und ihrer Geschichte, Nasenarbeit, Mantrail, Beschäftigungsideen für den Hund. Sie ist in Weiterbildung zum Cum Cane Verhaltenstrainer für Mensch und Hund bei Dr. Ute Blaschke-Berthold von CumCane und Mitglied im CumCane Netzwerk und geprüftes Mitglied im IBH e.V. Dort arbeitet sie in unterschiedlichen Auschüssen aktiv mit. Seit 2008 engagiert sie sich im Tierschutz und nimmt auch immer wieder selbst Hunde bis zur Vermittlung in ihre Adoptionsfamilien auf.

Bildquelle

  • Lara Meiburg Photographie

Ein Kommentar

  1. Susanne Siegel 18. Dezember 2017 um 8:52 Uhr - Antworten

    sehr schöner Text♥

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