Training über Belohnung verändert nicht nur den Hund, sondern auch den Menschen.
Susanne Bauch, Schneggen-Halterin aus Leidenschaft, erzählt uns von ihrem Weg.

Eine kurze Vorgeschichte

Seit knapp 9 Jahren lebt das Schneggenkind bei uns und sie hatte es nicht immer leicht. Lernen über positive Verstärkung war nicht das Erste, was unser sowieso schon gebeutelter Second-Hand-Hund erfuhr.
Mittlerweile sind wir aber schon so lange auf dem richtigen Weg, dass ich mich nicht mehr nur schuldig fühle, auch wenn ich es nicht vergessen habe.

Die Mittelgeschichte

Unsere zwei größten Baustellen waren das Jagen und die Hundebegegnungen.

Bei den Hundebegegnungen sind wir mittlerweile auf einem so guten Level, dass ich aufgehört habe, da weiter zu trainieren. Wir sprechen uns ab (nein – sie erklärt es mir mit Gesten), was gerade von ihr gewünscht wird (Kontakt oder nicht, Abstand – und wenn, wie viel). Notfalls kämen wir wohl mit einer großen Kiste an positiv verstärkten Werkzeugen an allen Hunden vorbei, aber das muss sie schon lange nicht mehr.
Beim Jagen sieht es noch ein wenig anders aus. Sie läuft zu 90% mittlerweile offline und ist in einem Alter, in dem man nicht mehr so schnell und so weit kommt. Manchmal vergisst sie das aber und startet durch.
Mir stehen auch beim Jagen unzählige, positiv verstärkte Signale und Belohnungen zur Verfügung und es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, wie sie auf die Signale hin freudig und gespannt reagiert.

Es gibt aber Signale, die bei uns besser sind als jeder noch so gut auftrainierte Rückruf: das Lob und mein Lachen
Um die Schnegge sehr zuverlässig in meinen Wirkungskreis zu bekommen, kann ich sie selbst beim Durchstarten loben und sie dreht nochmal ab.
Mit dem Lachen ist es ähnlich. Egal zu welchem Zeitpunkt sie mein Lachen hört, steht sie glücklich vor mir. Dieser “Ruf” ist nie niemals negativ verknüpft worden

Das gute Ende

Woher kommt diese Entwicklung?
Während des ganzen Trainings gab es täglich gefühlt 1000 Gelegenheiten, die sich zu belohnen gelohnt haben (mit was auch immer). Manchmal war es die Sekunde “Stehen” vor dem Start, manchmal war es die Sekunde vor dem Ausrasten an der Leine. Immer wieder:

  • “Super, mein Mädchen!”
  • “Das machst du toll, mein Schatz!”
  • “Du bist die allerbeste Maus!”

Der wirklich ehrlich gemeinte und lobende Klang meiner Stimme und natürlich eine entsprechende Honorierung ihrer Leistung von mir an sie, sind tausendfach positiv verstärkt worden. Es hat sich immer gelohnt und es lohnt sich auch jetzt noch immer.

Wenn es drauf ankommt, reagiert die Schnegge 10mal besser auf ein freundliches Wort als auf eine “Ansage/ein Signal”. Das bedeutet, dass ich auch (oder gerade) in stressigen Situationen extrem freundlich mit ihr rede. Da ich durch sie belohnt werde, mache ich das ganz brav auch immer wieder.
So ist sicher, dass sie mit einem Grinsen im Gesicht angeflogen kommt.
Sensibel wie sie ist, bewirken harte Worte das genaue Gegenteil. Schon wenn ich lauter und artikulierter spreche, sehe ich bei ihr Zeichen des Unbehagens. Schimpfe ich gar mit den Kindern, kommt sie und stellt sich zwischen uns und sieht dabei so unglücklich aus, dass ich mir das Schimpfen mittlerweile fast vollständig abgewöhnt habe. Ich rede auch leiser und freundlicher, nur damit das Schneggenkind nicht traurig sein muss.

Alles, was unangenehm ist und als strafend aufgefasst werden könnte …

  • abends nochmal zum Lösen raus müssen, obwohl man schön schläft
  • das Körbchen verlassen weil Frauchen die Bude durchsaugt
  • ins große Auto einsteigen, in dem man nicht sooo gerne mitfährt
  • auf den Platz geschickt werden, obwohl man sich gerne in der Küche quer stellen würde
  • beim Hundespaziergang an einer für sie uninteressanter Stelle stehenbleiben, um mit den Nachbarn zu quatschen

… wird auf sehr freundliche und ruhige, geduldige Art zu ihrer Zufriedenheit gelöst, nur damit sie mich weiterhin anlächelt.

Fazit

Das Schneggenkind hat aus einer sehr lauten, öfter etwas groben, aufbrausenden, cholerischen und auch öfter mal unsensiblen Frau einen leiseren, freundlicheren, geduldigeren und einfühlsameren Menschen gemacht über positive Verstärkung.

Wenigstens so lange sie dabei ist…

Ihre freundlichen Reaktionen sind meine Belohnung.
Wer das so erleben möchte, sollte sich immer mit mir UND Hund treffen.

Über die Autorin

Susanne Bauch sagt über sich selbst:

Als Naturwissenschaftler immer am Detail hinter dem was sichtbar ist interessiert.
(Säugetier-)Training bedeutet für mich: Hunde vielleicht ein wenig zu menschlich sehen und – wie meine beiden Kinder mir gerne vorwerfen – “sie/Menschen wie den Hund zu behandeln”. Training ist Alltag und Alltag ist Veränderung. Trainingsleben eben. Nichts bleibt. Es gibt immer etwas Spannendes auszuprobieren oder zu verbessern.

Ihr Trainingsleben-Blog bei Facebook: https://www.facebook.com/Trainingsleben-627820500698574/?fref=ts

Fotos

  • “Schneggenkind”: Susanne Bauch
  • “Schneggenkind” und Susanne Bauch: Anja Krebs