„Und dann bringst du ihm ein Alternativverhalten bei…“ Äh ja, is klah. Was ist das noch gleich? Und wie geht das? Und welches Alternativverhalten passt?
Hey Fiffi-Trainerin Susanne Bretschneider erklärt es dir.

alternative Fakten

Ein Alternativverhalten ist ein Verhalten, welches dein Hund in den Situationen zeigen soll, in denen er sonst unerwünschtes Verhalten (z. B. Aggressionsverhalten gegenüber Artgenossen) zeigen würde.
Oft maßregeln wir unseren Hund und wollen unpassende Verhaltensweisen verhindern. Allerdings weiß dein Hund durch ein „Nein!“ oder einen anderen Verhaltensabbruch nicht, wie er sich sonst verhalten soll. Deswegen zeigen viele Hunde das unerwünschte Verhalten immer wieder in diesen Situationen, obwohl du es immer wieder unterbindest.

Was ist ein passendes Alternativverhalten?

Hier kann ich dir leider kein pauschales Verhalten raten, da das Verhalten auf deinen Hund und die jeweilige Situation passen muss. Folgende Kriterien können dir helfen.

Es muss bedürfnisbefriedigend sein

Das Alternativverhalten muss auf jeden Fall das Bedürfnis deines Hundes in der jeweiligen Situation befriedigen. Dein Hund zeigt zum Beispiel Aggressionsverhalten bei Artgenossen. Damit möchte er in den meisten Fällen eine Distanzvergrößerung zu diesem Artgenossen erreichen. Dein angestrebtes Alternativverhalten sollte also eine Distanzvergrößerung beinhalten, damit es deinem Hund leichter fällt, dieses zu lernen und zeigen zu können. Beispiel: Sitzen mit dem Rücken zum Auslöser, auf Signal an der Seite schnüffeln gehen (wirkt auch für den entgegenkommenden Artgenossen beruhigend). Bei Jagdverhalten möchte dein Hund in der Regel keine Distanzvergrößerung, sondern eine Distanzverringerung zum Wildobjekt. Natürlich können wir nicht erlauben, dass dein Hund Wild jagt, aber wir können als Alternativverhalten üben, dass dein Hund bei Wahrnehmung stehen bleibt. So muss er sich nicht vollständig vom Auslöser abwenden. Du kannst ihm auch beibringen, auf der Stelle stehen zu bleiben und in die Richtung des Wildes zu wittern

Positiver Aufbau

Das Alternativverhalten muss positiv aufgebaut sein. Du möchtest, dass dein Hund von sich aus das trainierte Alternativverhalten in für ihn schwierigen Situationen zeigt? Dann muss dein Hund mit dem Alternativverhalten positive Erfahrungen gemacht haben. Wurde ein Signal unter Druck aufgebaut oder mehrmals wegen Nicht-Ausführens bestraft, kann dein Hund das Verhalten nicht zuverlässig und gerne zeigen, da er negative Konsequenzen befürchtet.

Sicherer Aufbau

Das Alternativverhalten muss sicher aufgebaut sein. In schwierigen Situationen können Hunde nicht optimal lernen. Es fällt ihnen schwer, in stressigen Situationen neues Verhalten zu zeigen. Entweder suchst du ein Alternativverhalten aus, welches dein Hund bereits sicher und gerne zeigt. Oder du baust ein Alternativverhalten auf. Wenn du dich dazu entscheidest, ein neues Alternativverhalten aufzubauen, dann tue dies unabhängig von den schwierigen Situationen. Beginne, das Verhalten ohne Ablenkung aufzubauen und stelle es unter Signal. Klappt das gut, steigere langsam den Schwierigkeitsgrad. Es ist für deinen Hund zum Beispiel wesentlich einfacher, sich zu dir zu orientieren und zu sitzen, wenn der gehasste Artgenosse noch weiter weg ist. Belohne deinen Hund immer wieder, wenn sich der Artgenosse nähert. Je schwieriger es für deinen Hund ist, desto hochwertiger sollte die Belohnung sein!

Dein Hund sagt dir Bescheid

Beobachte deinen Hund. Du hast keine Idee, welches Alternativverhalten passen würde? Dann beobachte deinen Hund: Was tut er als Erstes, wenn er die Situation wahrnimmt, bevor er das unerwünschte Verhalten zeigt? Konzentriere ich dich auf jede Verhaltensweise, die nicht so schlimm wie das unerwünschte Verhalten ist und belohne dies! Das kann zum Beispiel sein: Den Blick abwenden, langsamer werden, dich kurz anschauen, was auch immer.

Beispiele für Alternativverhalten in verschiedenen Situationen

Dein Hund möchte den Artgenossen, Jogger, Fahrradfahrer vertreiben

  • An der Seite sitzen, mit dem Rücken zum Auslöser gewandt
  • Dein Hund geht auf die Seite und schnüffelt dort (z. B. Leckerlis oder Gerüche)
  • Dein Hund orientiert sich zu dir und zeigt Blickabwenden durch Handtouch

Dein Hund möchte unbedingt zum anderen Hund hin

  • Warten, bis der Hund vorbei ist. Zur Belohnung darf dein Hund danach die Spur des Artgenossen verfolgen, nachriechen

Dein Hund möchte Wild jagen

  • Stehen bleiben und anzeigen
  • Auf dem Waldweg bleiben, statt in den Busch zu hüpfen

Fazit

Unerwünschtes Verhalten abzutrainieren ist wesentlich schwerer, als ein neues Verhalten zu etablieren. Man kann ja schließlich nicht „nicht“ trainieren (Vertreibe den Artgenossen nicht). Außerdem fokussierst du dich so eher auf die negative Seite des Hundes, was auch für dich sehr frustrierend sein kann. Konzentriere dich darauf, was dein Hund tun soll und honoriere alles, was nicht mit dem unerwünschtes Verhalten zu tun hat. Alternativ eben.

Über die Autorin Susanne Bretschneider

Susanne BretschneiderSusanne Bretschneider lebt mit ihren drei Hunden Flip, Stella und Abby in Karlsruhe. Alle drei Hunde kommen aus dem Tierschutz und haben das ein oder andere Päckchen Sorge zu tragen. Am liebsten beschäftigt sich Susanne mit den verschiedensten Suchaufgaben für ihre Hunde und genießt die langen Spaziergänge, die meist mit Wurstbäumen und Spaghetti-Wiesen gespickt sind.

Seit 2013 ist Susanne zertifizierte Tierheilpraktikerin und seit 2015 geprüfte Verhaltensberaterin (ATN). Ihre Leidenschaft für Hunde lebt sie in ihrer mobilen Hundeschule mit Naturheilpraxis Partner for Paws aus. Neben der Naturheilkunde liegt ihr Schwerpunkt in der Verhaltensberatung und Beschäftigung des Hundes. Bei Partner for Paws wird mit Markersignalen und den Werkzeugen der positiven Verstärkung gearbeitet.

Bildquelle

  • Lara Meiburg Photographie