„Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“. Warum es nicht sinnvoll ist, deinen Hund durch ein „Wehe!!“ vor unerwünschtem Verhalten zu warnen, erklärt dir Hey Fiffi-Trainerin Sonja Meiburg.

Gut gemeint

Letzte Woche auf dem Hundeplatz. Am Beginn jeder Gruppenstunde gehen wir Trainer einmal von Team zu Team und schütteln jedem Halter kurz die Hand. Der Hund soll derweil neben seinem Menschen sitzen. Bleibt er sitzen, wird er belohnt. Bleibt er nicht sitzen, wird er freundlich wieder ins „Sitz“ gebracht. Allerdings zeigt sich jede Woche das gleiche Bild. Der Hund sitzt brav neben seinem Menschen. Ich komm heran und der Mensch dreht sich zum Hund um und sagt in einem bedrohlichen, warnenden Tonfall „Bleib! Bleeeeeeeib!!“.“ Gandalf, der Graue, und „Du kannst nicht vorbeiiiii!“ sind ein Dreck dagegen. Begleitet wird der Tonfall dann oft durch einen Medusablick, der den Hund an seinem Platz zu Stein verwandeln soll. Gemeint ist: „Wehe, du stehst auf!! Dann gibt´s Ärger!!“. Kennste, ne? Wird auch gerne verwendet, wenn der Hund eine Katze sieht oder auf der Straße einen anderen Hund trifft. Dein Hund ist noch gar nicht losgerannt, da kannste schon nicht mehr anders, als zum wandelnden Gandalf zu mutieren.

Was lernt der Hund?

Sollen wir das mal aufdröseln? Die Frage ist doch: Macht der Hund in dem Moment, in dem Gandalf zum Zuge kommt, etwas falsch? Nein, verdammt! Er sitzt ja immer noch! Er ist der Katze (noch) nicht hinterher gerannt! In dem Moment, in dem du deinen Hund bedrohlich anblökst, macht er nichts falsch! Im Gegenteil! Er verhält sich doch in dieser Sekunde (noch) genau so, wie du das gerne möchtest. Warum also wird er von dir verwarnt? Warum drohst du ihm schon mal vorsichtshalber eine Strafe an? Er erhält also eine negative Rückmeldung in einem Moment, in dem er etwas richtig macht. Wie wirkt das auf deinen Hund? Er macht etwas richtig und du bedrohst ihn. Soll er lernen, dass es falsch ist, ruhig sitzen zu bleiben, wenn jemand auf dich zukommt, um „Hallo“ zu sagen? Soll er lernen, dass es falsch ist, die Katze anzuschauen, statt hinter ihr her zu rennen? Wenn ja, dann gib deinem Hund ruhig weiter negative Rückmeldung zu gutem Verhalten. Wenn nein, solltest du die Sache vielleicht noch einmal überdenken.

Schon mal drüber nachgedacht?

Es gibt einen klasse Spruch, den ich, glaube ich, zum ersten Mal von Dr. Ute Blaschke-Berthold gehört habe:
„Dein Hund zeigt immer gutes Verhalten…bevor er unerwünschtes Verhalten zeigt“. Sie hat recht. Bevor dein Hund aus dem „Bleib“ aufsteht, sitzt er ja erst einmal. Bevor er der Katze hinterherrennt, schaut er die Katze an. Und das kannst du endlos so weiterführen. Solltest du auch, denn dieser Gedanke verhindert, dass du zum Gandalf mutierst.

Loben statt Verwarnen

Merke: Wenn dein Hund etwas richtig macht, dann gib ihm doch bitte Bescheid darüber, dass das, was er macht, richtig ist! Lobe ihn! Ruhig und leise, wenn´s sein muss, damit er sitzenbleibt und nicht aus lauter Freude über dein Lob aufspringt. Belohne ihn. Wenn er die Katze anschaut, aber (noch) nicht hinterherrennt, dann mach was Tolles mit ihm. Wirf Futter, spiel mit ihm, renn mit ihm. Tu etwas, was er gut findet. Verwarne ihn nicht, sondern bestärke ihn dafür, dass er etwas gut macht! Tust du das oft genug immer in derselben Situation, kann sich daraus ein tolles Ritual entwickeln. Wäre es nicht klasse, wenn dein Hund, statt an jemandem hochzuspringen, automatisch sitzenbleibt, weil das bisher so toll belohnt worden ist? Wäre es nicht super, wenn dein Hund, wenn er eine Katze sieht, schon automatisch eine Belohnung von dir erwartet und deswegen schon mit einem kleinen Teil seiner Aufmerksamkeit bei dir und nicht mehr bei der Katze ist? Wenn deine Belohnung gut genug ist, belohnst du nicht nur, dass er sich (noch) toll verhalten hat (sitzt, guckt, was auch immer), sondern du brichst das unerwünschte Verhalten (hochspringen, hetzen, wasauchimmer) sogar auf eine sehr nette Art und Weise ab. Du bestärkst also Verhalten, das du gut findest und du verhinderst gleichzeitig, dass dein Hund Mist baut. Damit hast du zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Okay, Gandalf hätte Loben und Belohnen in den Tiefen von Moria nicht so viel genutzt, aber du hast ja auch keinen Balrog an deiner Seite, sondern deinen liebenswerten Vierbeiner.

Über die Autorin

Sonja Meiburg
Sonja Meiburg ist seit vielen Jahren Hundetrainerin und war in verschiedenen Vereinen als Ausbilderin tätig (BLV-Ausbilderprüfung 2005). Seit 2006 gibt sie ihr Wissen in ihrer eigenen Hundeschule weiter. Seit 1998 ist sie Clicker-Trainerin. Gelernt hat sie ihr Wissen bei vielen nationalen und internationalen Lehrern, u.a. bei Ute Blaschke-Berthold, Martin Pietralla, Kay Laurence und Mary Ray. Sie setzt den Clicker nicht nur zum Grundgehorsam und für Tricks ein, sondern auch im Hundesport und in der Verhaltenstherapie.
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Bildquelle

  • Lara Meiburg Photographie“