„Vorsicht, die sticht!“ – Wenn dein Hund Wespen jagt

Jetzt im Sommer machen sie wieder den Luftraum unsicher: Bienen, Wespen und Hornissen. Manchmal schwirren sie um deinen Hund herum und manchmal schnappt dein Hund nach ihnen. Unnötig zu sagen, dass das sehr gefährlich werden kann. Wird dein Hund ins Maul oder in den Hals gestochen und schwillt der Stich an, besteht akute Erstickungsgefahr. Hey Fiffi-Trainerin Sonja Meiburg hat ein paar Tipps für dich, wie du deinem Hund das Schnappen nach den Plagegeistern abgewöhnen kannst.

Wespe

„Nein!! Pfui!! Aus! Bist du irre? Das ist ne Wespe!“ Kennste, ne? Zumindest dann, wenn du einen Hund hast, der nach den Fliegeviechern schnappt. Ist ja auch kein Wunder. Wir (also ich…) schaffen es ja meistens auch nicht, zen-mäßig sitzen zu bleiben und „Oooohhhhhmmmm“ zu summen, während uns eine Wespe ums Gesicht schwirrt. Für den Hund ist klar: „Wenn ich danach schnappe, summt mich das doofe Ding nicht mehr voll“. Oder sie finden die Bewegung und die Geräusche, die die Wespe macht, so irre interessant, dass Jagdverhalten bei ihnen getriggert wird. Und es gibt auch Hunde, die beim Summen oder beim Anblick einer Wespe total in Panik geraten und deswegen heftig um sich beißen.

Hilft schimpfen?

Das Erste, was uns Menschen dabei meist durch den Kopf geht und was wir dann lautstark kundtun, ist: „Nein!! Lass das!!“ Ist ja auch logisch, denn wir möchten das Verhalten des Hundes so schnell wie möglich unterbrechen, denn es ist gefährlich. Viele Hunde lassen sich durch das Schimpfen auch in ihrem Verhalten unterbrechen. Manche werden durch das „Nein!!“ aber auch erst recht zipselig und aufgeregt und fangen dann erst recht das Schnappen an. Das Problem ist: Und dann? Was kommt nach dem „Nein!“? Erwarten wir vom Hund, dass er einfach ruhig liegenbleibt, während die Wespe um sein Maul schwirrt? Das ist wohl etwas viel verlangt, oder? Zumal das „Nein!!“ nur so lange hilft, wie Frauchen oder Herrchen neben dem Hund stehen und mitkriegen, dass da eine Wespe fliegt. Wenn sie mal nicht dabei sind, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass der Hund doch wieder schnappt.

Besser: Frauchen oder Herrchen helfen

Da das „Nein!!“ ein Verhalten nur unterdrückt, den Hund aber nicht aus der Situation rausholt, macht es Sinn, den Hund eine zusätzliche Info zu geben. Eine, die nicht nur das Schnappen verhindert, sondern die zusätzliche Sicherheit verschafft. Zusätzliche Sicherheit entsteht bei ner Wespe vor allem durch Distanz. Je weiter dein Hund von dem Fliegevieh entfernt ist, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er schnappt. Und wenn er die Distanz auch noch dadurch einnimmt, dass er zu Frauchen oder Herrchen läuft, so dass du dich um die Situation kümmern kannst, hast du gleich zwei Flieg…äh…Wespen mit einer Klappe geschlagen. Das heißt: Am besten bringst du deinem Hund bei, wenn er eine Wespe sieht, bei dir einzuchecken. Das geht natürlich nur dann, wenn dein Hund während der Trainingszeit nicht allein im Garten oder im Zimmer mit einer Wespe ist. Wenn du nicht mit dabei bist, kannst du nicht üben. Logisch, oder?

Weg von der Wespe – Hin zum Halter

Am leichtesten übst du das über Rückruftraining. Dein Hund sollte in ziemlich vielen Situationen ohne zu zögern zu dir gelaufen kommen. Klappt das auch sonst im Alltag gut, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass es auch im Fall der Wespenfälle klappt. Geht das noch nicht? Nun, dafür hätten wir hier was.  Wenn das aber schon geht, dann wartest du auf den Moment, in dem dein Hund eine Wespe wahrnimmt. Es kann sein, dass er schon auf das Brummen reagiert. Es kann auch sein, dass er die Wespe erst dann wahrnimmt, wenn sie ihm schon vor der Nase herumschwirrt. Du merkst, dass dein Hund eine Wespe registriert hat, wenn er den Kopf hochnimmt, aus dem Schlaf hochschreckt, etwas mit den Augen verfolgt und so weiter. Das ist der Moment, in dem du tätig wirst.

  1. Du rufst deinen Hund zu dir
  2. Du belohnst ihn großzügig
  3. Wenn nötig, bringst du deinen Hund in Sicherheit

Sollte der Rückruf zunächst wegen der ungewohnten Situation gar nicht funktionieren, locke deinen Hund zu dir, nachdem du ihn gerufen hast. Wenn du das zwei, drei Mal wiederholt hast, erinnert sich dein Hund wieder daran, was dein Rückruf bedeutet und kommt auf dein Signal zu dir gelaufen, ohne dass du weiter locken musst. Achte dabei auf dein Timing. Es ist wichtig, dass dein Hund wirklich die Wespe wahrgenommen hat. Hat er gar nicht gemerkt, dass da eine Wespe ist, wenn du ihn rufst, kann er die Verknüpfung Wespe – ab zu Frauchen/Herrchen – Belohnung nicht ziehen. Wenn dein Hund bei dir angekommen ist, kannst du ihn entweder, wenn er arg Angst hat vor der Wespe, ins Haus oder in ein anderes Zimmer bringen und die Wespe aus dem Haus geleiten. Das ist auch notwendig, wenn du merkst, dass der Flugpirat es auf deinen Hund abgesehen hat. Oder du leinst Fiffi an, falls er die Wespe jagen möchte und belohnst ihn auch für das Anleinen ganz besonders gut. Durch das Anleinen kannst du verhindern, dass dein Hund gleich wieder zur Wespe prescht, um sie zu fangen. Und du kannst mit deinem angeleinten Hund weiterüben, ohne dass du Angst haben musst, dass er doch wieder nach der Wespe schnappt. Wenn du merkst, dass dein Hund zu aufgeregt ist, um mit dir weiter zu üben, bring ihn lieber ins Haus oder in ein anderes Zimmer (Wespe dann aus dem Haus entfernen). Das ist jetzt viel leichter als vorher, weil dein Hund schon bei dir.

Wespe

Ein Selbstläufer

Wenn du dieses Prozedere häufig genug übst, gibt es sogar noch einen Bonus. Sobald dein Hund checkt, dass es bei dir etwas richtig Gutes gibt, sobald eine Wespe auftaucht, ist die Wahrscheinlichkeit irgendwann ziemlich groß, dass er von alleine zu dir kommt, ohne dass du ihn erst rufen musst. Er nimmt aus der Verhaltenskette Wespe – Rückruf – Belohnung irgendwann den Rückruf einfach vorweg und kommt gleich zu dir getrabt. Er weiß ja, dass er dafür belohnt wird, wenn eine Wespe geflogen kommt. Das ist der Moment, in dem du erkennen musst, dass da eine Wespe war, damit du deinen Hund für seine megatolle Reaktion auch entsprechend belohnen kannst! Wenn du d a s nämlich häufig genug tust, hast du irgendwann einen Hund, der Distanz zur Wespe schafft, auch wenn du nicht direkt neben ihm stehst und mit einem „Nein!!“ das Verhalten unterbrichst. Und besser kann´s ja eigentlich nicht laufen, oder?

Über die Autorin

Sonja MeiburgSonja Meiburg ist seit vielen Jahren Hundetrainerin und war in verschiedenen Vereinen als Ausbilderin tätig (BLV-Ausbilderprüfung 2005). Seit 2006 gibt sie ihr Wissen in ihrer eigenen Hundeschule weiter. Seit 1998 ist sie Clicker-Trainerin. Gelernt hat sie ihr Wissen bei vielen nationalen und internationalen Lehrern, u.a. bei Ute Blaschke-Berthold, Martin Pietralla, Kay Laurence und Mary Ray. Sie setzt den Clicker nicht nur zum Grundgehorsam und für Tricks ein, sondern auch im Hundesport und in der Verhaltenstherapie.   >> mehr über Sonja Meiburg

Bildquelle

  • Horst Maier

Horst Maier, unglaublich talentierter Fotograf mit einem feinen Makro-Händchen. Wer noch mehr seiner Bilder sehen möchte, sollte ihm auf jeden Fall auf Instagram folgen. Seine Accounts findet ihr unter „Ho.ma1“ und „hm_shotz“.

2 Comments

  1. Tina 6. August 2018 um 12:39 Uhr - Antworten

    Wie sieht es aus, wenn der Hund auch nach Fliegen schnappt und da keinen Unterschied zwischen Fliege und Wespe macht? Wenn ich ihn bei jeder Fliege zu mir rufe sind wir den ganzen Tag beschäftigt. Die sind ja auch in jedem Zimmer und ich schaff es nicht mal, die für mehr als 5 Sekunden von meinem Arm wegzuscheuchen. Da kann ich sie leider auch nicht vom Hund fernhalten.

    • Sonja Meiburg 6. August 2018 um 12:50 Uhr - Antworten

      liebe tina,

      dein hund kann auf dauer schon zwischen fliege und wespe unterscheiden wie wir auch. einfach bei wespen trainieren und bei fliegen nicht

      liebe grüße,
      sonja

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