Jagt dein Hund Katzen? Das könnte daher kommen, dass du ihn auf´s Sofa lässt. Oder?

Hey-Fiffi-Trainerin Sonja Meiburg hat mal überlegt: „Wie hängt der Platz auf dem Sofa mit der Lust auf´s Katzenjagen zusammen?“

Lara Meiburg Photographie

Dein Hund kommt nicht, wenn du ihn rufst. Okay, das ist nicht schön, kann aber mal vorkommen. Vor allem dann, wenn der fette, rotzfreche Kater von nebenan vor dem Gartenzaun auf- und abspaziert und deinen Fiffi provozierend anfaucht. Da kann man als Hund schon mal die Contenance verlieren. Du solltest dich darüber aber besser nicht bei anderen Hundehaltern beschweren. Der Grund: Du wirst innerhalb weniger Minuten mit Ratschlägen zugeschmissen. Und ziemlich sicher lautet einer dieser Ratschläge: „Du musst deinem Hund zeigen, dass du der Boss bist. Dann hört der auch.“ Diesem Ratschlag folgen dann oft Verhaltensregeln, die du einhalten sollst, wie:

„Du musst zuerst durch die Tür gehen“
„Du musst immer zuerst essen, bevor du deinem Hund etwas zu fressen gibst“
„Du musst beim Spaziergang immer vor deinem Hund gehen. Dein Hund darf dich nicht überholen“

Der Klassiker: Runter vom Sofa!

Und natürlich der Klassiker: „Du darfst deinen Hund nicht mehr auf´s Sofa lassen!“ Der Gedanke, der dahinter steht, ist folgender: Es gibt Regeln, die in einem Rudel in freier Wildbahn vom Rudelführer (also dem „Alpha“) durchgesetzt werden. Wenn der Rudelführer diese und andere Regeln durchsetzt, dann wissen die anderen Rudelmitglieder, dass der Rudelführer der Boss ist und tun deswegen automatisch alles, was der Rudelführer bestimmt. Das heißt: Wenn du als Mensch vor deinem Hund durch die Tür gehst, immer zuerst isst, bevor er etwas fressen darf und ihn vom Sofa verbannst, dann weiß dein Hund, dass du der Boss bist und macht automatisch alles, was du sagst. Und wenn du dann draußen deinen Hund von der Katze abrufst, dann befolgt er automatisch dein Rufen, denn er weiß ja, dass du der Rudelführer bist und dem Rudelführer ist bedingungslos zu folgen.

Da gibt´s nen Haken

Das Problem an der Sache: Diese Regeln gibt es in freier Wildbahn gar nicht. Es gibt nicht den einen Hund (oder Wolf), der permanent auf jedem Weg vor den anderen geht. Den Tyrannen, der ständig ohne Ausnahme allen anderen sagt, was sie zu tun oder zu lassen haben. Der immer als Erster frisst. Der sich immer und überall an sämtlichen Engstellen vordrängelt und alle anderen aggressiv hinter sich verbannt. Das heißt: Dein Hund kennt diese Regeln, die sich der Mensch ausgedacht hat, gar nicht. Und wenn es sie schon in freier Wildbahn zwischen frei lebenden Wölfen/Hunden nicht gibt und für deinen Hund völlig nichtssagend sind, warum sollten diese Regeln dann zwischen Mensch und Hund wichtig sein?

Der gesunde Menschenverstand

Eigentlich sagt einem doch der gesunde Menschenverstand, dass da was nicht stimmen kann. Woher zur Hölle soll dein Hund wissen, dass du ihn deswegen nicht auf´s Sofa lässt, weil du denkst, dass du der Rudelführer bist und er dir deswegen zu folgen hat? Liegt er vor dem Gassi in seinem Körbchen und denkt: „Hm, ich muss in meinem kuscheligen, warmen Körbchen liegen. Dann lasse ich die Nachbarskatze demnächst einfach stehen und komme sofort, wenn mein Mensch ruft!!“? Könnte es nicht sein, dass dein Hund einfach deswegen nicht kommt, weil du ihm den Rückruf noch nicht so richtig beigebracht hast? Weil es sich für ihn viel mehr lohnt, der Nachbarskatze ins Gesicht zu brüllen, statt ihr den Rücken zuzuwenden und zu dir ins Haus zu kommen? Und wenn dem so ist, wäre es dann nicht viel, viel sinnvoller, dass du mit deinem Hund den Rückruf trainierst, statt ihn vom Sofa zu verbannen?

Fazit

Das heißt: Du kannst, wenn du das möchtest, gerne mit deinem Hund auf dem Sofa weiterkuscheln. Ob du das machst oder nicht, hat nichts damit zu tun, wie gut sich dein Hund vom Nachbarskater abrufen lässt. Und wenn du den Rückruf dazu noch richtig übst, dann klappt´s auch mit dem Nachbarskater.

Literaturempfehlungen zu Beobachtungen an Wölfen und wild lebenden Hunden:
Günther Bloch „Wölfisch für Hundehalter“
Günther Bloch „Die Pizza-Hunde“

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