Heute kommen wir zum letzten Teil unserer kleinen Rückrufserie. Im ersten Teil unserer Serie ging es um das richtige Rückrufsignal. Im zweiten Teil haben wir uns mit den passenden Belohnungen beschäftigt. Im dritten Teil konntest du ein wenig über den passenden Aufbau mit vielen verschiedenen Ablenkungen lesen. Heute kommen wir zum Ernstfall: Was kannst du tun, wenn du rufst und dein Hund nicht reagiert? Hey Fiffi-Trainerin Sonja Meiburg gibt dir einen kleinen Fahrplan in die Hand.

Rückruf misslungen -

Und nun ist es so weit… Du hast in den letzten Monaten fleißig geübt und dein Hund kommt so ziemlich immer, wenn du ihn rufst. Ihr habt passende Belohnungen verwendet und nicht einfach nur ein Bröckchen Trockenfutter. Du hast den Rückruf unter langsam steigender Ablenkung aufgebaut und dein Hund dreht sich bei mittelgroßer Ablenkung ohne zu zögern zu dir herum! Seit einiger Zeit läuft dein Hund schon im Freilauf? Prima! Und ausgerechnet heute, wo du einfach nur gemütlich deine Runde schlurfen möchtest, passiert es. Der Hase schießt unmittelbar vor deinem Hund aus der Ackerfurche, Fiffi kriegt nen Rennflash und will dem Hasen hinterher. Der Rückruf geht am linken Ohr rein und am rechten wieder raus.

Dein Hund ist zufällig angeleint

Dein Hund hängt also am Ende der Leine, jauchzt und ist nicht ansprechbar. Atme erstmal tief durch und plane, wie du jetzt vorgehst. Reiß ihn nicht einfach an der Leine zu dir, weil er nicht gehorcht hat. Halte die Leine einfach nur fest. Wenn du merkst, dass dein Hund recht schnell wieder runterfährt, rufst du ihn noch einmal. Wenn er dann reagiert und sich zu dir umschaut, feuer ihn an, so dass er wirklich zu dir herkommt und belohne ihn. Das war eine schwierige Situation und er hat sie gut gemeistert, auch wenn er, im Gegensatz zum Training, nicht sofort auf den ersten Ruf gehört hat. Hört er auch auf den zweiten Ruf nicht? Dann musst du näher an ihn herangehen. Viele Leute versuchen, den Abstand zum Hund zu vergrößern, wenn der Hund nicht gehorcht, weil sie denken, dass er dann eher zu ihnen kommen würde, wenn sie weiter weg sind. Meist sorgt das aber nur dafür, dass der Hund noch weniger auf den Menschen achtet und dann erst recht nicht mehr ansprechbar ist. Also: Näher ran gehen! Das schaffst du, indem du dich an der gespannten Leine nach vorne hangelst. Du fasst also deine Leine immer weiter nach und gehst dabei weiter zu deinem Hund hin. Du zerrst ihn nicht zu dir, sondern du gehst zu ihm. Du fasst die Leine nach, damit dein Hund, während du zu ihm gehst, nicht noch weiter nach vorne stürmen kann. Wenn du neben deinem Hund stehst, versuchst du noch einmal, ihn zu rufen. Wenn er reagiert, gehst du mit ihm rückwärts zurück zu dem Punkt, an dem du zum ersten Mal gerufen hast. Feuer ihn an, bis ihr am Ausgangspunkt angekommen seid. Ihr befindet euch also jetzt genau da, wo ihr euch befunden hättet, wenn dein Hund sofort reagiert hätte. Belohne ihn dort, auch wenn du dafür die Faust in der Tasche machen musst. Er hat etwas gut gemacht, denn er ist mit dir zurückgegangen. Zeig ihm, dass das gut (wenn auch alles andere als optimal) war. Wenn er nicht reagiert, setzt du den Geschirrgriff ein, den dein Hund schon kennen sollte. Deinem Hund bleibt dann irgendwann gar nichts anderes mehr übrig, als dir seine Aufmerksamkeit zu schenken. Achte darauf, dass du nicht wütend einfach am Geschirr zerrst und deinen Hund damit vielleicht sogar aus dem Gleichgewicht bringst, sondern dass du deinen Hund ruhig am Geschirr aus der Situation führst.

Hinterher: Runterfahren!

Und jetzt ganz wichtig: Erstmal wieder runterfahren. Wenn dein Hund nach der begonnenen Hasenjagd so hochgedreht ist, macht es wenig Sinn, deinen Spaziergang gleich mehr oder weniger gut gelaunt fortzusetzen. Dein Hund ist dann immer noch hibbelig und geht ganz sicher auf Hasenpatrouille, wenn ihr weitergeht. Mach an der Leine ein paar ruhige Dinge mit ihm. Du kannst zum Beispiel ein paar Leckerchen verstecken und ihn suchen lassen. Du kannst zum Beispiel, wenn er das draußen mag, eine kleine Schmuseeinheit einlegen. Auch isometrische Übungen helfen deinem Hund, ein wenig zu entspannen. Oder du machst ein kleines Zehn-Leckerchen-Spiel (Video 1 und Video 2) mit ihm. Sorge einfach dafür, dass er wieder etwas ruhiger atmet und sich wieder besser auf dich konzentrieren kann. Erst danach geht ihr weiter. So bleibt dein Hund auch nach der aufregenden Situation ansprechbar.

Ohne Leine

Ganz ehrlich: Ist dein Hund nicht angeleint, kannst du gar nicht viel tun. Wenn der erste, erschrockene Rückruf nicht funktioniert, schrei nicht gleich weiter (es sei denn, du hast deinem Hund beigebracht, immer erst auf dein drittes Rufen zu reagieren). Wenn du einfach immer weiterplärrst, ist die Gefahr groß, dass du zum Hintergrundgeräusch wirst, während dein Hund langsam am Horizont verschwindet. Zähle innerlich langsam bis fünf und gib dann noch einmal einen richtig coolen Rückruf nach Lehrbuch ab. In diesen fünf Sekunden kannst du dich sortieren, bei deinem Hund ist mit etwas Glück der erste Adrenalinstoß schon ein wenig verpufft und er ist einen Tick ansprechbarer als vorher. Wenn er dann umdreht: Party! Feuer ihn an, wenn er in deine Richtung gelaufen kommt. Hilf ihm, sich weiter auf dich zu konzentrieren. Und dann kommt eine Megakracher-Belohnung. Auch dann, wenn er auf dein erstes Rufen nicht reagiert hat. Er hat von einem Hasen abgelassen und das ist ihm sicher verdammt schwergefallen. Gib alles, was du an Belohnungen auffahren kannst. Futter, Spielzeug, gemeinsames Rennen, Lachen,… Feiert euch beide mal für ein, zwei Minuten. Unnötig zu sagen, dass du ihn nach der Rückkehr-Party erstmal anleinen solltest, oder? Am besten an eine längere Leine, an der er Spielraum hat und sich nicht so eingeengt fühlt. Und an der Leine sorgst du wieder dafür, dass er etwas runterfahren kann.

Und wenn er weg ist?

Tja, es kann natürlich passieren, dass dein unangeleinter Hund auch auf deinen Lehrbuch-Rückruf nicht reagiert. In dem Moment hast du die Arschkarte gezogen. Du kannst eigentlich nur noch warten und Schadensbegrenzung betreiben. Versuche im einmütigen Abstand, ihn immer wieder zu rufen, damit er merkt, wo du bist und sich zu dir orientieren kann, wenn seine Hetzjagd vorbei ist. Wenn er dich anschaut, fang an, ihn zu locken. Wirf Spielzeug, Leckerchen, beweg dich selbst einladend. Versuch alles, damit er wieder zu dir kommt. Sobald er sich auch nur ein wenig in deine Richtung bewegt: Feuer ihn an! Mach nicht den Fehler, wütend zu reagieren. Damit erreichst du nur, dass dein Hund länger entschwindet oder sich dir nur gaaaaaaaanz langsam annähert, um dich zu beschwichtigen. Er wäre ja auch ziemlich dämlich, wenn er sich freudig in deine Nähe begeben würde, wenn du gerade so richtig ausrastest und sauer auf ihn bist.

Wenn er wiederkommt

Und dann kommt das Jagdschweinchen wirklich wieder in deine Nähe. Dein erster Reflex ist wahrscheinlich, ihn einfach am Geschirr zu packen, zu dir her zu reißen, ihn anzuleinen und schnurstracks nach Hause zu gehen. Verständlicher Impuls. Nur etwas kontraproduktiv, denn wenn dein Hund weiß, dass ihn bei dir etwas Unangenehmes erwartet, wird er beim nächsten Mal vielleicht versuchen, das Unangenehme hinauszuzögern. Sprich: Wenn er das nächste Mal jagen geht, kommt er erst später wieder zu dir. Versuche also, ruhig und einladend zu bleiben. Wenn er in Reichweite kommt, wirf vielleicht ein paar Leckerchen vor dir auf den Boden. Und wenn dein Hund die Leckerchen frisst, greifst du ganz ruhig nach seinem Geschirr, leinst ihn an und machst dann etwas Ruhiges mit ihm. Du kannst dieselben Leckerchensuchspiele, das Streicheln, die isometrischen Übungen einsetzen, die oben schon beschrieben wurden. So könnt ihr beide wieder runterfahren und der Ärger verfliegt ein wenig.

Wenn er ganz weg ist

Wenn dein Hund ganz verschwunden ist, bleib ruhig. Kaum ein Hund bleibt dauerhaft verschwunden. Hier findest du Tipps zu entlaufenen Hunden. Aber keine Panik. Dein Hund taucht schon wieder auf.

Danach!

So, jetzt hast du den Salat. Dein Hund hat auf deinen Rückruf nicht reagiert. In der doofen Situation hast du ihn belohnt, wenn er sich dir dann doch endlich zugewendet hat. Als Schadensbegrenzung, damit du sein Verhalten beim nächsten Mal nicht noch verschlimmerst. Das sollte aber die absolute Ausnahme sein und nicht die Regel! Die Regel sollte sein, dass dir dein Hund sofort und ohne zu zögern seine Aufmerksamkeit schenkt, wenn du ihn rufst. Wenn es mal so richtig schiefgegangen ist, ist die erste Regel: Auf den nächsten Spaziergängen ist dein Hund angeleint!! Und dann setzt du dich erst einmal auf den Hosenboden und planst! Überlege dir: Was ist schiefgelaufen? Was an deinem Training der letzten Zeit passte nicht? Hat sich vielleicht doch Routine eingeschlichen und du hast deinen Hund immer auf die gleiche Weise belohnt? Hast du vielleicht doch immer wieder in denselben Situationen gerufen? Immer dann, wenn dein Hund sowieso gerade lossprinten wollte? Hast du vielleicht noch gar nicht an Bewegungsreizen geübt? Stelle dein Training auf den Prüfstand. Überlege, was du verbessern kannst und dann verbesserst du es, damit du beim nächsten Mal, wenn der Hase losspringt, besser gewappnet bist. Rückruftraining ist Fleißarbeit. Aber denke daran: Der Weg ist das Ziel! Habt Spaß. Freu dich mit deinem Hund, wenn er mit Schmackes zu dir gerannt kommt. Habt beide Spaß bei euren Belohnungen und genießt die gemeinsame Zeit.

Tipps und Tricks für einen erfolgreichen Rückruf:
https://www.hey-fiffi.com/rueckruftraining-hunde/

Über die Autorin

Sonja MeiburgSonja Meiburg ist seit vielen Jahren Hundetrainerin und war in verschiedenen Vereinen als Ausbilderin tätig (BLV-Ausbilderprüfung 2005). Seit 2006 gibt sie ihr Wissen in ihrer eigenen Hundeschule weiter. Seit 1998 ist sie Clicker-Trainerin. Gelernt hat sie ihr Wissen bei vielen nationalen und internationalen Lehrern, u.a. bei Ute Blaschke-Berthold, Martin Pietralla, Kay Laurence und Mary Ray. Sie setzt den Clicker nicht nur zum Grundgehorsam und für Tricks ein, sondern auch im Hundesport und in der Verhaltenstherapie.   >> mehr über Sonja Meiburg

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  • Sonja Meiburg