Stellen Sie sich bitte kurz Ihren letzten Arztbesuch vor. Vielleicht wurden Sie von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt gefragt, was für Beschwerden Sie hergeführt haben. Und vielleicht sagten Sie „Ich habe Kopfschmerzen.“
Aber woher weiß Ihr Arzt, was Sie haben? Genau wie bei Ihrem Hund, kann auch hier unter anderem Ihre Körpersprache Auskunft geben. Ein Artikel von Ines Hinz.

Christiane Jacobs, Arbeitsheft Körpersprache Hund

Allein mit dem Satz “Ich habe Kopfschmerzen” könnte die Ärztin bzw. der Arzt sich mehrere Minuten beschäftigt haben, wird evtl. einige Nachfragen gestellt haben:

  • Wo genau sind Ihre Kopfschmerzen?
  • Ist der Schmerz eher stechend oder stumpf?
  • Tritt er punktuell oder langfristig auf?
  • Wie lange besteht der Schmerz schon?
  • Welche Begleitumstände sind aufgetreten? (Hitze, Trinkmengen, helles Licht,…)

Erst durch Ihre genaue Beschreibung können ggf. weitere Untersuchungen angeordnet oder gar eine Diagnose gestellt werden.

Erst beschreiben, dann interpretieren

Nun stellen Sie sich vielleicht zu Recht die Frage, was dieses Beispiel mit dem Arbeitsheft „Körpersprache Hund“ von SprichHund zu tun hat?
Genau darum geht es in dem Arbeitsheft: ums Beschreiben. Allerdings wird es etwas schwieriger, denn in dem Arbeitsheft geht es um unsere Hunde. Wir werden angehalten, unsere Hunde und ihr Verhalten zu beobachten, zu beschreiben, einzuordnen, erst dann zu interpretieren und zu guter Letzt nach bestem Wissen und Gewissen für unseren Hund zu handeln. Im Vergleich zu Beschreibungen, die uns selbst betreffen und wo wir unsere Empfindungen in Worte fassen, beschreiben wir bei unseren Hunden immer das Verhalten eines Tieres, das wir nicht fragen können, ob unsere aus der Beobachtung resultierende Interpretation tatsächlich zutrifft. Wir alle wissen, dass innerartliche Kommunikation schon sehr schwierig sein kann. Zwischenartlich ergeben sich aber noch mehr potenzielle Komplikationen. Daher ist es ausgesprochen wichtig und lohnenswert, dass wir Menschen uns darin üben, unsere Hunde zu beobachten und ihr Verhalten genau beschreiben zu lernen, um eine möglichst gute Kommunikation mit unserem Hund zu erlangen.

Christiane Jacobs, Arbeitsheft Körpersprache Hund

Das Heft

Die Autorin Christiane Jacobs von “SprichHund” hat in diesem Arbeitsheft einen sehr praktischen und optisch sehr ansprechenden Einstieg in die Beobachtung geschaffen. Auf 36 Seiten führt Christiane Jacobs die Leserschaft in die Kunst des Analysierens ein. Zahlreiche Körpersprachies“, also Illustrationen, verdeutlichen das Geschriebene. Ebenso gibt es auch viele Fotos, die die Lesenden zum Beschreiben einladen. Auch in diesem Arbeitsheft kann man als Lesender wieder Teil des Arbeitsheftes werden und seine individuellen Beobachtungen direkt ins Heft eintragen. Je öfter man die Beobachtungsübungen macht, um so sicherer weiß man, auf was alles in der Körpersprache des Hundes geachtet werden kann und welche Handlungsmöglichkeiten daraus resultieren können. Je mehr dies trainiert wird, desto mehr sieht man und so wird die Kommunikation mit dem Hund zusehends tiefer.

Motivation durch Anleitung

Wenn ich mich mal an meine eigene Nase fasse, so brauche ich manchmal ein gewisses Maß an Motivation, um mit etwas anzufangen. Ich persönlich finde, dass dieses Arbeitsheft genau dies liefert: Motivation, Anleitung und Gelegenheit, das Beobachten und Beschreiben der hündischen Körpersprache zu üben und den ersten Schritt zu machen. Das Arbeitsheft ist broschiert, die Seiten sind nummeriert und es gibt ein Inhaltsverzeichnis. Die Ausführungen zu den Aufgaben sind kurz aber präzise und es gibt durch den Verweis auf die SprichHund-Webseite, die viele ausführliche Artikel, Grafiken, Interviews und weitere Informationen kostenfrei zur Verfügung stellt. Die perfekte Möglichkeit, sich noch intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Der Text ist angenehm groß gestaltet und leicht verständlich geschrieben. Haptisch ist das Arbeitsheft sehr angenehm. Die Fotos, die die praktischen Aufgaben ausmachen, sind sehr detailreich und von guter Qualität. Und die tierischen Models sind richtige Hingucker.

Von der Analyse zur Diagnose

Eine richtige Diagnose zu finden, ist in der Medizin absolut wichtig. Nur so kann die passende Therapie eingeleitet werden. Je konkreter die Diagnosestellung ist, desto präziser kann die Behandlung erfolgen, immerhin liegt ja eine pathologische, verbesserungswürdige Situation vor.
An dieser Stelle hinkt mein Beispiel, das ich als Einleitung gewählt habe, etwas. Denn selbst wenn wir mit unserer Interpretation, die auf unserer Beobachtung und Beschreibung beruht, mal danebenliegen und nicht zu 100% das Befinden des Hundes korrekt einschätzen können (wie gesagt, es ist eh immer ein „Restrisiko“ vorhanden, da wir unseren Hund nicht fragen können), so haben wir auch hier eine Lernerfahrung gemacht. Und üben weiter. Das nächste Mal mit noch mehr Blickschulung und wachsender Erfahrung, treffen wir vielleicht eine andere Entscheidung nach einer von uns gestellten Interpretation. Man kann seine Aufzeichnungen aus dem Arbeitsheft nochmal zur Hand nehmen und nachschauen, neue Beobachtungen ergänzen und die Beschreibungen ins Verhältnis zum aktuellen Kontext setzen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen, Beobachten, Beschreiben, Analysieren und „Mitmachen“ des Arbeitsheftes „Körpersprache Hund“.

©Ines Hinz, TherapieHUNDEzentrum PARA-dogs