Wenn du einen Rottweiler an der Leine hättest, wäre es dir nicht möglich, einfach so die Laufrichtung zu wechseln und deinen Hund ohne hinzuschauen hinter dir her zu schleifen, wenn der Hund das nicht will. Der Rotti würde im Zweifel einfach stehenbleiben oder seinen eigenen Weg gehen und du würdest vermutlich ziemlich unsanft eine andere Richtung einschlagen. Bei einem Rottweiler würdest du also schon darauf achten, dass er mit dir mitgeht, wenn du deine Laufrichtung änderst. Warum gibt es Leute, die das bei einem Papillon nicht schaffen? Sonja Meiburg auf der Suche nach Antworten.

Kommunikation

Wir sind gerade auf Drehtour. Das heißt, dass wir ziemlich viele coole Leute treffen, ständig mit Hunden schmusen dürfen, supertolle Gespräche führen und jede Menge Spaß haben! Die schönste Zeit im Jahr ist immer die, während der wir auf Tour sind. Dass wir so weit rumkommen, ist aber nicht nur gut, denn so sehen wir auch ne Menge blödes Zeug. Unter anderem Hundehalter/innen, die ihren kleinen Wuselhund einfach so hinter sich herziehen. Egal, ob sie von Schaufenster zu Schaufenster tingeln, ob sie stur ihre Runde spazieren latschen und dabei auf dem Handy rumtippen oder ob sie mit der Nachbarin zusammenstehen und den Hund jedes Mal ohne hinzuschauen an der Leine rucken, sobald der kleine Wusel aus lauter Langeweile irgendwo zu schnüffeln beginnt und sich die Leine dabei ein klein wenig spannt.

Kann man sie so einfach übersehen?

Ich frag mich, warum Leute so was machen. Wenn an ihrer Leine ein richtig großer Hund hängen würde, könnten sie ja auch nicht einfach auf dem Handy rumtippen. Wenn der Rottweiler einfach stehenbleibt, um irgendwo zu schnüffeln, bleibt der unachtsame Hundehalter automatisch auch stehen, ob er will oder nicht. Also ist er dazu gezwungen, ab und zu mal zu schauen, was sein Hund da an der Leine so fabriziert und mit ihm zu kommunizieren. Geht das mit kleinen Hunden nicht? Sind die so klein, dass man sie schnell übersieht?

Der soll auf mich achten!

Jetzt könntest du natürlich sagen: „Mein kleiner Hund ist selbst schuld, wenn er einen Leinenruck abkriegt. Der soll ja schließlich auf mich achten!“ Aber meinst du nicht, dass das etwas zu viel verlangt ist, wenn du meinst, dass dein Hund dich beim Spaziergang permanent im Auge behalten muss? Der kann ja nicht mal in Ruhe seine Umwelt erkunden, ohne dass er gleich einen Ruck von dir bekommt. Was für ein doofer Spaziergang ist das für deinen Hund? Klemm dir mal für zehn Minuten ein Halsband um und lass deinen besten Kumpel eine Zwei-Meter-Leine führen. Mal nach rechts, mal nach links, mal stehenbleiben, mal losgehen. Alles ohne Vorwarnung natürlich. Wetten, dass du nach zehn Minuten richtig die Nase voll hast und froh bist, wenn du die Leine wieder los bist?

Auch kleine Hunde haben Kommunikation verdient

Wenn du auch einen kleinen Hund hast und dich dabei ertappst, dass du ihm mehr oder weniger absichtlich immer mal wieder einen Leinenruck verpasst, weil du nicht darauf achtest, wenn dein Hund zum Beispiel zum Schnüffeln stehenbleibt, dann probier doch mal was aus: Achte mal einen Spaziergang lang auf deinen Hund. Bleib stehen, wenn er schnüffeln möchte. Sag ihm Bescheid, bevor du weitergehst, damit er sich darauf einstellen und mit dir mitgehen kann. Und lobe ihn doch einfach mal ganz feste, wenn er dann auch mitgeht. Macht das nicht viel mehr Spaß?

Über die Autorin

Sonja MeiburgSonja Meiburg ist seit vielen Jahren Hundetrainerin und war in verschiedenen Vereinen als Ausbilderin tätig (BLV-Ausbilderprüfung 2005). Seit 2006 gibt sie ihr Wissen in ihrer eigenen Hundeschule weiter. Seit 1998 ist sie Clicker-Trainerin. Gelernt hat sie ihr Wissen bei vielen nationalen und internationalen Lehrern, u.a. bei Ute Blaschke-Berthold, Martin Pietralla, Kay Laurence und Mary Ray. Sie setzt den Clicker nicht nur zum Grundgehorsam und für Tricks ein, sondern auch im Hundesport und in der Verhaltenstherapie.   >> mehr über Sonja Meiburg

Bildquelle

  • Lara Meiburg – Laras Photographie