In unserer kleinen Serie „Olivers Alltagsgeschichten“ erzählt Hey Fiffi-Trainerin Anja Püster über ihr tägliches Zusammensein mit ihrem Vierbeiner Oliver und wie sie Alltagssituationen geschickt meistert. Heute geht es um das „Yeah, es geht endlich raus“-Leineziehen von Oliver und wie Anja damit umgeht.

Oliver schnell-schneller
Bildquelle: Anja Püster

Wenn wir zum Spazierengehen starten, ist es Olivers dringlichster Wunsch, seeeehr schnell auf die Straße zu kommen, um dort zu schnüffeln und zu den bekannten Markierungspunkten aller Hunde in der Nachbarschaft zu laufen. Facebook für Hunde eben.

Leinezerren aus lauter Aufregung

Allerdings müssen wir von meiner Haustür bis zur Straße circa zehn Meter an unserem Vorderhaus vorbeigehen. Auf dieser Strecke ist Oliver dann sehr schnell und die Leine spannt sich und er zerrt mich hinter sich her. Also Zerren ist ja generell für Mensch und Hund sehr unkomfortabel und für den Hund einer Hundetrainerin eigentlich ein No-go. Ähm ja, auch ich habe meine Schwächen. Außerdem möchte ich nicht, dass wir den Spaziergang mit so viel Aufregung beginnen, da die Umwelt ja schon anregend genug für ihn ist. Wenn wir in dieser aufgeregten Stimmung Hunde oder fremde Menschen treffen, verhält er sich total gestresst, sprich: Er bellt oder reagiert ängstlicher als sonst und kann schlechter auf schon gut trainierte Signale reagieren. Kennen wir ja auch oder? Wenn wir sowieso schon total hibbelig und nervös sind, reagieren wir viel gereizter auf unsere Umwelt, als wenn wir gechillt durch den Tag gehen.

Tja, was also tun?

Ich habe mich dafür entschieden, den “Look Target” einzusetzen. Oliver soll meinen Handrücken anschauen, während wir gehen. Meine Hand befindet sich dabei auf der Höhe meiner Hüfte. Ganz wichtig: Es geht mir dabei nicht um eine perfekte Ausübung eines Signals, sondern um ein Mittel zum Zweck der Aufmerksamkeitsteilung und um die Möglichkeit, dass er mir Bescheid geben kann, wenn er Zeit braucht, um in die Umwelt einzuchecken.

„Look Target“

Ich gebe ihm das verbale Signal „Komm mit“ und das optische Signal „Handrücken“, sobald wir die Tür aufmachen. Er wird hochfrequent gemarkert und belohnt, solange er die Hand anschaut. Stoppt er den Blickkontakt, bleiben wir stehen und er kann schnuppern/schauen oder hören, was auf der Straße los ist, denn ich möchte keinesfalls, dass er die Umwelt ignoriert. Ich lobe ihn sehr ruhig für diese Orientierung in die Umwelt und er entscheidet dann, wann es weiter geht, indem er wieder zu dem Target schaut. Der Look Target ist hier also eher ein Kooperationssignal.

So haben wir ein tolles Alternativverhalten zu dem Gezerre nach draußen, mein Hund hat ein gewisses Maß an Entscheidungsfreiheit und der Spaziergang beginnt relativ entspannt.

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