Dein Hund bellt andere Hunde an. Das findest du kacke. Verständlich. Es ist peinlich, anstrengend und du fühlst dich überfordert. Wie du auf das Gebell reagierst, hängt ganz davon ab, welche Sichtweise du einnimmst.

Leinenaggression

Kategorie Eins: „Schluss jetzt!“

Es gibt natürlich jede Menge unterschiedliche Sichtweisen. Oft kann man aber zwei Kategorien unterscheiden. Die erste Sichtweise, die einem oft in den Sinn kommt, ist die, dass der Hund da etwas tut, was er nicht darf. Etwas, was brave Hunde nicht tun. Und natürlich vermittelt das Gegröhle und Gebelle anderen Menschen den Eindruck, dass du deinen Hund nicht im Griff has. Deswegen geht diese Sichtweise häufig einher mit Bestrafungen. Du schüttest deinem Hund Wasser ins Gesicht, wenn er einen anderen Hund anschaut. Du ruckst an der Leine, sobald dein Hund knurrt und du schimpfst laut: „Nein!“. Diese Sichtweise kann sehr schnell dazu führen, dass dein Hund fremde Hunde immer furchtbarer findet, weil ihm von dir immer wieder Unangenehmes widerfährt, sobald ein anderer Hund auftaucht.

Kategorie Zwei: „Was brauchst du?“

Die zweite Sichtweise ist eine etwas andere. Du überlegst dir, warum dein Hund so reagiert. Offensichtlich hat er ein Problem mit anderen Hunden. Ist er vielleicht schon einmal angegriffen worden? Oder vielleicht „nur“ überrannt, weil ein anderer Hund mit ihm spielen wollte? Und du überlegst, was dein Hund jetzt brauchen könnte: Vielleicht braucht er mehr Abstand zum fremden Hund, um ruhig bleiben zu können. Vielleicht braucht er Unterstützung und Sicherheit von dir, indem du ihm zeigst, dass du dafür sorgst, dass sich der andere Hund nicht weiter annähert. Vielleicht kannst du durch Futter und freundliche Worte den Stress deines Hundes etwas lindern. Diese Sichtweise kann sehr schnell dazu führen, dass dein Hund sich entspant, wenn er andere Hunde sieht, weil er weiß, dass er nichts zu befürchten hat und dass ihm geholfen wird.

Du hast die Wahl

Welche Sichtweise du einnimmst, kannst du selbst entscheiden. Beobachte dich selbst, wenn ihr das nächste Mal einen fremden Hund trefft. Welche Sichtweise nimmst du ein und ist sie zielführend? Was bringst du deinem Hund gerade bei? Du entscheidest.

Über die Autorin

Sonja MeiburgSonja Meiburg ist seit vielen Jahren Hundetrainerin und war in verschiedenen Vereinen als Ausbilderin tätig (BLV-Ausbilderprüfung 2005). Seit 2006 gibt sie ihr Wissen in ihrer eigenen Hundeschule weiter. Seit 1998 ist sie Clicker-Trainerin. Gelernt hat sie ihr Wissen bei vielen nationalen und internationalen Lehrern, u.a. bei Ute Blaschke-Berthold, Martin Pietralla, Kay Laurence und Mary Ray. Sie setzt den Clicker nicht nur zum Grundgehorsam und für Tricks ein, sondern auch im Hundesport und in der Verhaltenstherapie.   >> mehr über Sonja Meiburg

Bildquelle

  • Lara Meiburg Photographie