Immer wieder hört man, dass das Wichtigste in der Hundeerziehung die Konsequenz sei. Doch was ist damit denn überhaupt gemeint? Ines Grötker hat sich darüber Gedanken gemacht.

Konsequenz

Leider wird Konsequenz oft gleichgesetzt mit „sich durchsetzen“, egal was der Hund dazu meint. Da müssen sich oft Hunde mit Schmerzen hinlegen oder Hunde, die sich vor Nässe ekeln, ins Nasse setzen, da man das Kommando ja konsequent durchsetzten muss. Dass der Hund vielleicht einen triftigen Grund dafür hat, dass er etwas gerade nicht machen will, wird gar nicht in Erwägung gezogen, sondern nur darauf geachtet, dass der Hund das tut, was ich ihm gesagt habe.

Falsch verstandene Konsequenz

Ich bin der Meinung, das ist falsch verstandene Konsequenz. Bedeutet Konsequenz nicht vielmehr, dass der Hund sich darauf verlassen kann, dass ich in bestimmten Situationen so und nicht anders reagiere? Dass er für ein „Sitz“ nicht mal belohnt wird und ein anderes Mal runtergedrückt wird, da er nicht schnell genug reagiert? Für den Hund sollte klar sein, mit welchen (positiven) Konsequenzen er für ein bestimmtes Verhalten von mir rechnen kann.

Konsequenz: Verlässlichkeit

Konsequenz sollte eine vertrauensvolle Verlässlichkeit hervorbringen und kein Machtverhältnis zum Ausdruck bringen! Möchte ich, dass mein Hund sich wirklich immer setzt wenn ich ihm das sage, dann muss ich mir GENAU überlegen, ob und in welcher Situation ich ihm das Signal dazu gebe. Ich muss mir überlegen, ob mein Hund das „Sitz“ in dieser Situation schon beherrscht oder ob es Gründe gibt, die dem Hund das „Sitz“ in diesem Moment vielleicht unmöglich machen. Vielleicht fühlt er sich gerade durch einen anderen Hund bedroht? Meine Konsequenz sollte sein, in diesem Moment lieber auf das „Sitz“ zu verzichten und mir so durch eventuell damit aufkommende, negative Emotionen beim Hund das Signal nicht zu versauen.

Konsequenz: Vertrauen

Als Konsequenz wird mein Hund mich als vertrauensvolle Führung ansehen und nicht als durchgeknallten Psychopathen, der ihn so gar nicht versteht. Mit antiautoriärer Erziehung hat das übrigens nichts zu tun. Ich gebe dem Hund klare Handlungsanweisungen, achte allerdings darauf, was er gerade leisten kann und weiche dann eventuell auch mal vom ursprünglich geplanten Signal ab und gebe ein anderes oder gehe aus der Situation raus. Meine Hunde wissen, dass sie auch einmal „Nein“ sagen dürfen. Sie honorieren dies mit Vertrauen mir gegenüber und führen meine gegebenen Signale zuverlässig aus, auch wenn ich nicht immer so „konsequent“ bin.

Konsequenz: Erwartungssicherheit

Konsequenz bedeutet für mich also nicht, dass ich mich mit allen Mitteln durchsetzten muss. Konsequenz bedeutet für mich vielmehr, dass der Hund sich auf mich verlassen kann, da er weiß was ihn erwartet und er sich gut dabei fühlt. Macht der Hund partout nicht das, was ich von ihm möchte, so reagiere ich nicht mit immer härteren Maßnahmen, sondern die Konsequenz sollte sein, dass ich mein Training/meinen Umgang mit dem Hund überdenke!

Über die Autorin

Ines GrötkerInes Grötker lebt mit Ihrem Mann, Tochter und den Hunden Bisou und Winny in Bonn.
Pferd Hermann und ein paar Hühner komplementieren die Familie.
In Ihrer mobilen Hundeschule Dialog Hund gibt Ines seit 2009 überwiegend Einzeltraining, wobei das Alltagstraining, mit seinen kleineren und größeren Herausforderungen, im Vordergrund steht.
Zusätzlich zum Training näht Ines Hundegeschirre nach Maß.

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  • Ines Grötker