Hunde in Verkleidungen

Gerade war Halloween, Weihnachten folgt in wenigen Wochen. Eine Zeit, in der auf Facebook, Insta und Co. jede Menge Fotos von Hunden unter Betttüchern, mit Weihnachtsmützen auf dem Kopf und in lustigen Mäntelchen steckend zu finden sind. Ja, sie sehen süß aus. Manchmal jedenfalls, wenn der Hund dabei entspannt ist und nicht, wie auf manchen Fotos deutlich zu sehen ist, dass er die ganze Aktion eher kacke findet. Wir möchten niemandem den Spaß verderben, aber es gibt so ein paar Gedanken, die du dir machen solltest, bevor du deinen Bund in Bettlaken oder Nikolausstiefelchen steckst.

Halloween

Ja, Hunde machen ne Menge Sachen einfach mit. Vor allem dann, wenn wir grundsätzlich nett mit ihnen umgehen und sie großes Vertrauen in uns haben. Und gerade, wenn dein Hund gelernt hat, dass es sich lohnt, ungewohnte Situationen mit einem Schulterzucken wegzustecken und auf das Leckerchen zu warten, kann es gut sein, dass er tatsächlich null Problem damit hat, wenn du ihm ein Halloween-Kostüm anziehst und ihn dann fotografierst. Aber lass uns mal ehrlich sein: Das ist die Ausnahme und nicht die Regel.

Kostüme anziehen will gelernt sein

Sehr viele Hunde haben ein Problem damit, wenn sie sich plötzlich nicht mehr frei bewegen können. Wenn da auf einmal etwas baumelt, was vorher nicht da war. Wenn sich das Gehen anders anfühlt als sonst. Wenn sie auf einmal nicht mehr richtig gucken können. Sie wissen ja nicht, dass das ein niedliches Foto werden soll. Daher finden die meisten Hunde solche Aktionen eher so semigut. Es sei denn, du übst das mit deinem Hund. Schrittchen für Schrittchen. Also nicht: Bettlaken über den Kopf und nach dem Foto ein Guttie in den Hund stecken! Sondern: Bettlaken zeigen, Guttie geben. Bettlaken ausbreiten, Guttie geben. Bettlaken etwas in die Höhe halten, Guttie geben. Und so weiter. Das ist nur die absolute Kurzform. Dazu gehört auch noch: Das kleinste Zeichen an Unwohlsein bei deinem Hund wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Jedes Einfrieren, Ausweichen, Wegschauen, Züngeln… erkennen und deinem Hund helfen. Und auch erkennen, wenn das Laken deinem Hund so unangenehm ist, dass die Idee dieses süßen Halloweenfotos besser in die Tonne getreten wird, statt dem Hund auf Biegen und Brechen das Betttuch schmackhaft machen zu wollen.

Erlaubnis zum Nachmachen

Es kann natürlich sein, dass dein Hund eine so coole Socke ist und dass er durch dein Training bereits so klasse drauf ist, dass er echt jeden schnuckeligen Quatsch mitmacht. Das Ergebnis sind dann durchaus Fotos, auf denen der Hund breit grinst und keinerlei angestrengte Körpersprache zeigt. Diese Fotos sind sehr angenehm anzuschauen und lassen auch mich lachen und ich finde das niedlich und freu mich drüber. Seit ich Schulhund-Teams ausbilde, sehe ich das aber trotz meiner Freude ein wenig kritisch. Im Gespräch mit den Lehrkräften zeigt sich, dass Kinder (und auch Erwachsene) dazu tendieren, die besonders hübschen und niedlichen Fotos mit ihren Hunden nachstellen zu wollen. Sie wissen ja nicht, wie viel Training hinter den Fotos steckt oder unterschätzen, dass ihr eigener Hund solche Sachen vielleicht viel weniger genial findet als deiner und vielleicht viel weniger duldsam ist als dein Hund. Vielleicht können die Kinder die Stress-Signale ihrer Hunde weniger gut lesen als du das bei deinem Hund kannst. Das kann dazu führen, dass ihr Hund versucht, sich der Situation zu entziehen. Bis hin zu Beißvorfällen, wenn der Hund das Gefühl hat, sich nicht mehr anders gegen das erzwungene Aufsetzen einer Weihnachtsmütze wehren zu können. Natürlich bist du nicht dafür verantwortlich, was jemand anderes mit seinem Hund anstellt! Absolut nicht! Aber denke daran, dass du Vorbild sein könntest, auch wenn das gar nicht deine Intention ist.

Die Alternative

Boah, das klingt alles so oberlehrerinnenhaft. Ich will gar nicht irgendjemandem die Freude verderben, coole Fotos mit seinem Hund zu machen! Richtig niedliche Fotos schauen so hübsch aus und helfen ja auch dabei, Hunde in ein gutes Licht zu setzen und Emotionen von “Na ja, ich weiß nicht, ich hab’s ja nicht so mit Hunden” zu verändern in Richtung “Och, der schaut ja doch recht süß aus”. Für wunderschöne Fotos musst du deinen Hund aber gar nicht in ein Bettlaken stecken oder ihm ein Rentiergeweih auf den Kopf pinnen. Du kannst ihn auch in eine nette Kulisse setzen, um ihn zu fotografieren. Am besten mit ein paar saucoolen Accessoires dabei. Ein Beispiel eines gruselig coolen Halloween-Fotos findest hier als Artikelbild. Falls er das kann, kannst du ihn auch etwas richtig Nettes tragen lassen, wie zum Beispiel ein Weihnachtsschild oder ein Trick-or-Treat-Körbchen. Klar kann es auch dabei passieren, dass jemand versucht, das mit seinem weniger geduldigen Hund nachzumachen. Aber solchen Aktionen kann sich ein Hund leichter entziehen, als wenn jemand versucht, ihm ein Bettlaken oder eine Mütze überzustülpen. Und wenn es doch das Bettlaken sein soll? Dann wäre es spitze, wenn du bei der Veröffentlichung in den sozialen Medien dazu schreibst, dass es absolut nicht selbstverständlich ist, dass ein Hund so was mitmacht und dass es ggf. einiges an Training dafür bedarf. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn du die Menschen, die dein Foto sehen, dafür sensibilisierst, dass tatsächlich Arbeit dahintersteckt und dass dein Hund vor allem deswegen so entspannt ist, weil ihr einiges dafür tut.

Wir haben zu Halloween unsere Community gebeten, uns ein paar ihrer Gruselfotos ohne verkleidete Hunde zu schicken. Seht her, was daraus geworden ist:
https://www.facebook.com/heyfiffi/posts/1543528692506532
Da sind ein paar richtig tolle Schnappschüsse mit dabei. Ganz ohne Bettlaken oder Nikolausmäntelchen. Hast du auch grenzgeniale Fotos von deinem Hund? Zeig sie uns!

Autorin

Sonja Meiburg

Bildquelle