Hund woher? Adopt, don`t shop? Oder doch umgekehrt? Aktuell geht der Trend zum Hund. Sehr viele Menschen nehmen gerade einen Hund auf bzw. spielen mit dem Gedanken, dies zu tun. Man hat gerade jede Menge Zeit, ist vielleicht auch häufiger in der Natur unterwegs als gewöhnlich und da ist so ein Hund natürlich ein toller Begleiter. Ist die hoffentlich sehr, sehr gut durchdachte Entscheidung gefallen, einen Hund aufzunehmen, stellt sich nicht nur die Frage, was für ein Hund es sein soll, sondern auch woher dieser Hund kommen soll. Hey Fiffi-Trainerin Daniela Maletzki hat sich darüber ein paar Gedanken gemacht.

Adopt, don`t shop

Vom Züchter, aus dem Tierheim, aus dem Auslandstierschutz, von einer Notorganisation oder von Privat? Möglichkeiten gibt es viele und sie sollten, wie die Anschaffung an sich, ebenfalls sehr gut durchdacht werden.

Richtig oder Falsch?

Aber egal, wo du dein neues Familienmitglied finden wirst, du kannst dich darauf einstellen, dass du kritisiert werden wirst.

Es kann sogar passieren, dass du teilweise richtig angefeindet wirst. Gerade auf Social Media keine Seltenheit. Nimmst du einen Rassehund, womöglich noch einen Welpen vom Züchter/von der Züchterin (wenn ich von Züchter*innen spreche, meine ich damit übrigens seriöse Züchter*innen und keine Vermehrer) zu dir, wirst du dich mit der Aussage konfrontiert sehen, dass es genug Hunde aus dem Tierschutz gibt und die Tierheime voll sind. Und außerdem, warum muss es auch immer ein Rassehund sein, Mischlinge sind ja auch toll. Nimmst du dagegen einen Hund aus dem Ausland auf, wirst du zu hören bekommen, dass die deutschen Tierheime voll sind. Entscheidest du dich für einen Hund aus einem deutschen Tierheim, wirst du umgekehrt hören, dass es die Hunde im Ausland viel schlechter haben und sie dringender ein Zuhause benötigen. Wie man es macht, es ist also verkehrt.

Welcher Hund passt?

Dabei sollte es in allererster Linie darauf ankommen, dass dein Hund zu dir, deinem Alltag und deiner Vorstellung vom Zusammenleben passt. Möchtest du einen Hund, der dich beim Joggen ohne Leine durch den Wald begleitet, dann sollte es vielleicht kein jagdlich stark ambitionierter Hund sein. Hast du eine große Familie, häufig Besuch und immer Tag der offenen Tür, dann ist ein Herdenschutzhund vielleicht nicht das Richtige, auch wenn du ein großes Grundstück hast.

Es zählen also du als Person und die mit dir zusammenlebenden Personen, die Umstände, deine Vorstellungen an den Hund, seine Haltung und Nutzung. Klingt wenig romantisch, sollten aber genau die Punkte sein, über die du dir vor der Anschaffung Gedanken machen solltest.

Das zukünftige Zusammenleben

Wie stelle ich mir das zukünftige Zusammenleben vor und was für ein Hund passt in dieses Leben? Wenn du einen Hund nur aufgrund seiner Herkunft aufnimmst, um ihn zu retten, weil andere dich bequatscht haben, dass dieses oder jenes besser ist und der Hund passt letzten Endes nicht zu dir und deinem Leben, dann ist niemandem damit geholfen. Auch nicht und am allerwenigsten dem Hund. Das bedeutet, dass für den einen durchaus der (Rasse-)Welpe vom Züchter, der Züchterin sehr viel sinnvoller sein kann, als der erwachsene Hund aus dem Tierheim. Für wieder einen anderen ist der Hund aus dem Auslandstierschutz genau richtig. Aber muss man sich deswegen anfeinden und bekriegen? Warum kann man die Entscheidung des jeweils anderen nicht akzeptieren, sofern sie gut überlegt war? Es wird Gründe geben, warum sich der andere für einen Hund anderer Herkunft entschieden hat.

Augen auf!

Es gibt genauso viele Beispiele für schlechte ZüchterInnen, wie für schlechten Tierschutz. ZüchterInnen, die bunt durcheinander kreuzen, um besonders ausgefallene Fellzeichnungen zu bekommen, ohne auf die Gesundheit zu achten. Die neuen Rassen kreieren oder so hoch spezialisierte Hunde züchten, dass diese im normalen Alltag kaum mehr zurechtkommen. Tierschutzorganisationen, die Hunde wahllos nach Deutschland importieren, nur um sie irgendwie zu vermitteln und dann die neuen Hundebesitzer mit ihren Problemen und einem Hund, der absolut nicht zu ihnen passt, alleine lassen. Schwarze Schafe gibt es eben überall. Hunde aus dem Tierschutz sind häufig Mischlinge mit unbekannten Eltern und mal abgesehen davon, dass Mischlinge natürlich ganz tolle Hunde sind und nicht weniger wert als ein Rassehund, so sind sie aber häufig auch kleine Überraschungseier. Nicht nur was das Aussehen angeht, sondern auch, was das Verhalten angeht (und da können sich aufgrund der Vorgeschichte eh schon Probleme ergeben). Speziell bei Mischlingen aus dem Ausland sind je nach Region häufig Hunde aus Jagdhunderassen oder Herdenschutzhunde an der Mischung beteiligt.

Jeder Hund ist anders

Der Hund soll häufig ein Hobby- und Freizeitpartner sein und einen Ausgleich zum stressigen Alltag bieten. Dies beinhaltet häufig die Vorstellung, dass der Hund auf einem Spaziergang mitläuft, ohne Leine, einfach als Begleiter. Bei starker jagdlicher Motivation (Jagdhunderassen oder Mischlinge) oder starken Ängsten (gar nicht so selten bei Hunden aus dem Ausland) ist dies, wenn überhaupt, erst nach intensivem Training möglich. Das ist an sich kein Problem, wenn man sich die Sache gut überlegt hat und weiß, worauf man sich einlässt. Und selbst, wenn die Eltern bekannt sind, weiß man noch nicht, in welche Richtung der Nachwuchs tendiert. So kann der Goldie-Herdi-Mix optisch dem Goldie ähneln, aber vom Verhalten her dem Herdi.

Die Gesundheit

Was die Gesundheit angeht, muss man sich bewusst sein, dass Hunde aus dem Ausland die sogenannten “Mittelmeerkrankheiten” mit sich bringen können und/oder häufig gesundheitliche Problem aufgrund alter Verletzungen, nicht ausreichender medizinischer Versorgung und/oder Mangelernährung mitbringen können. Bei den Rassehunden hat ja mittlerweile leider jede Rasse ihre rassetypischen Erkrankungen und auch wenn seriöse Züchter*innen ihre Hunde vor der Verpaarung mittlerweile auf allerhand Krankheiten testen lassen, gibt es keine Garantie auf einen gesunden Hund, zumal viele Krankheiten multifaktoriell bedingt sind. Ein Rassehund muss auch nicht unbedingt Papiere haben, aber eine genaue Zuchtplanung und Untersuchung der Elterntiere fehlt ohne Papiere häufig, daher geben Papiere eine gewisse Sicherheit. Jeder Hund ist natürlich immer ein Individuum, aber neben Größe und Gewicht (was, wie ich finde, sehr wichtige Kriterien bei der Auswahl sind), lassen sich gewisse Eigenschaften bei Rassehunden eher vorhersagen, als bei Mischlingen. Die Auswahl kann gezielter stattfinden.

Von der Pflegestelle

Und dann hätten wir noch den erwachsenen Hund aus dem Tierheim, der Notorganisation oder von der Pflegestelle. Der Vorteil ist hier, dass man definitiv schon weiß, wie der Hund aussieht, welche Größe und welches Gewicht er mitbringt.
Viele dieser Hunde haben völlig unverschuldet ihr zu Hause verloren und sind ganz tolle und unkomplizierte Begleiter. Für diejenigen mit Baustellen gilt das Gleiche wie für Hunde aus dem Auslandstierschutz. Wenn man sich das ganze gut überlegt hat und bereit ist, an den Baustellen zu arbeiten, dann kann auch ein solcher Hund genau der Richtige sein.

Das passende Zuhause

Um es noch einmal ganz klar zu sagen: Es ist nicht möglich, eine Pauschalaussage darüber treffen, von wo ein Hund kommen muss oder nicht herkommen sollte (Ausnahme: Niemals vom Vermehrer!), damit er für mich der Richtige ist, weil es einfach zu viele Faktoren gibt, die da reinspielen. Für den einen kann es richtig sein, einen Welpen zu sich zu nehmen, für den anderen sollte es ein erwachsener Hund sein. Für den einen passt der Hund vom Züchter, der Züchterin, für den anderen der aus dem Tierschutz. Wir alle wollen doch im Grunde das Gleiche: Einen Hund in unsere Familie aufnehmen. Am wichtigsten ist doch, dass der Hund das passende Zuhause findet, in dem er im Idealfall sein ganzes Leben lang bleiben darf.

Bildquelle

  • Lara Meiburg Photographie