Viel wurde schon über Gino geschrieben. Über seinen Weg vom Leinenrambo zum Ex-Leinenrambo, darüber, wie es ist, mit ihm, einem alten und kranken Hund, zusammen zu leben und auch darüber, wie andere Menschen darauf reagiert haben, dass ich jede Menge Geld in einen Hund investiert habe, dessen Leben nicht mehr lange dauern wird. Nun sitze ich hier und schreibe den letzten Artikel über Gino, denn unsere gemeinsame Zeit ist vorbei. Gino ist am 26. Februar 2021 über die Regenbogenbrücke gegangen.

Ginos letzte Reise

Er wurde 12 Jahre 7 Monate und 2 Wochen alt und hat mich ziemlich genau 12 ½ Jahre seines und meines Lebens begleitet.
Und weil es einige Leute gibt, die ihn aus den Artikeln und Videos kennen und ich gerade aufgrund meines letzten Artikels auch viel Anteilnahme erfahren habe, möchte ich Ginos Geschichte nun auch zu Ende erzählen.

Nicht mehr viel Zeit

Zu der Zeit, als ich meinen vorherigen Artikel über Gino geschrieben habe, wusste ich bereits, dass uns nicht mehr viel Zeit bleiben wird. Dass es letzten Endes nur noch so wenig Zeit sein würde, das kam dann doch überraschend. Bereits im Dezember waren wir in der Tierklink und bei unserem Haustierarzt, weil Gino nicht fressen wollte. Für einen Hund, dem Futter alles bedeutet hat, ein Alarmsignal. Wir wurden mit der Diagnose “Infekt” entlassen, es gab Medikamente und dann ging es Gino auch tatsächlich besser. Bis er Mitte Januar erneut nicht fressen wollte. Also wieder in die Tierklink, weiterführende Diagnostik und das Ergebnis: Verschattungen und Zubildungen an der Leber, Darm nicht klar abgrenzbar, Entzündung im Bauchraum. Der Leberwert war sehr schlecht, die anderen Organwerte aber noch gut. Zu diesem Zeitpunkt war es also schon mehr als ernst, aber keiner konnte uns sagen, wie viel Zeit uns noch bleiben würde. Nur, dass wir nicht mehr über eine lange Zeit sprechen. Gino wurde mit Medikamenten versorgt und wir durften nach Hause.

Plötzlich wurde es ernst

Am gleichen Abend ging es wieder in die Klinik. Gino ging es plötzlich sehr schlecht, er speichelte stark, konnte nicht mehr ohne Hilfe aufstehen und war apathisch. In all den Jahren hatte ich immer am meisten Angst davor, dass ich ihn irgendwann mal über Nacht in einer Klink lassen muss und wir waren immer darum herumgekommen, bis jetzt.
Mein größter Alptraum wurde war, ich müsste meinen Hund über Nacht in der Klink lassen und wüsste noch nicht einmal, ob ich ihn noch einmal lebend sehen würde. Nach einer schlaflosen Nacht, in der ich auf Abruf bereitstand, falls sich sein Zustand weiter verschlechtern sollte, dann die Entwarnung. Gino hatte die Nacht überstanden, kam langsam wieder auf die Beine, ich könnte ihn mittags abholen. Was ihn so aus der Bahn geworfen hat, er hat die Medikamente nicht vertragen, das kommt selten vor, aber wir reden ja schließlich von Gino.

Zwischen Hoffen und Bangen

Zunächst brauchte er noch Hilfe beim Aufstehen und Laufen, aber schon am nächsten Tag kam ich ins Wohnzimmer und er hatte es selbstständig auf die Couch geschafft. In den nächsten Tagen ging es ihm von Tag zu Tag besser. Dem Kontrolltermin 14 Tage später habe ich trotz der Diagnose Leberzirrhose hoffungsvoll entgegengesehen. Bis zum Kontrolltermin ging es ihm sogar so gut, dass die Tierärztin auf den Ultraschall verzichtet hätte und diesen nur gemacht hat, weil ich wissen wollte, wo wir stehen. Das Ergebnis war niederschmetternd, die Leber hatte sich weiter verändert, wir hatten Flüssigkeit im Bauchraum, Die Leberzirrhose war im Endstadium angekommen. Wie konnte das sein, wo es ihm so gut ging und ich so voller Hoffnung war.

Langsamer Abschied

Wir konnten es nicht wissen, aber ab diesem Zeitpunkt hatten wir noch genau zwei Wochen miteinander. In diesen zwei Wochen haben wir noch einmal ein Fotoshooting zusammen mit der Hündin meiner Mutter gemacht (das Titelbild dieses Artikels). Wir sind nochmal eine seiner Lieblingsrunden gelaufen (bzw. hat Gino sich in seinem Ginomobil fahren lassen). Wir hatten ein Regenbogenshooting mit einer Fotografin und haben einfach viel Zeit miteinander verbracht. Und dann kam eine sehr unruhige Nacht. Davon hatten wir zwar im Laufe seines Lebens schon viele, aber diesmal war es anders. Am drauf folgenden Tag habe ich alle Termine abgesagt. Irgendwie hatte ich so ein Gefühl. Und dann lag er auf der Couch, ich habe ihn angesehen und wusste, er ist bereit zu gehen und er hält nur noch für mich durch.

Gino und ich

Auch wenn es vielleicht so aussah, als würde ich mich um meinen kranken Hund kümmern, so war er es, der sich doch bis zuletzt um mich gekümmert hat. Das letzte Jahr war aus vielen Gründen schwer und ich habe immer gesagt: “Hauptsache, dem Hund geht es gut und er ist noch bei mir. Er hat auch diese schwere Zeit, wie schon einige davor zusammen mit mir durchgestanden.” Ich habe mich zu ihm gesetzt, ihn geknuddelt und ihm gesagt, dass es okay für mich ist, wenn er jetzt gehen will, dass ich nicht will, dass er sich quält, dass ich ihn gehen lasse. Zum Abendbrot gab es Pizzabrötchen, die er so sehr liebte. Am Abend hatte er erhöhte Temperatur. Irgendwann hat er sich dann ins Schlafzimmer, in sein Bett zurückgezogen. Und da habe ich es geahnt. Beim nächsten Temperaturmessen hatte er Fieber. Ich habe bei ihm gesessen, wir haben uns angeschaut und wir wussten beide: Der Moment ist gekommen und wir müssen uns auf den Weg zur Klink machen. Also sind mit mitten in der Nacht, zusammen mit meiner Mama, die schon auf Abruf bereitstand, zur Klink gefahren. Mir war es immer wichtig, dass er es nach Möglichkeit selbst bestimmen kann, wann für ihn der Zeitpunkt gekommen ist, dass er hocherhobenen Hauptes und so souverän wie er eben war, seinen letzten Weg antreten kann und nicht als Notfall in die Klinik gebracht werden muss. Dass wir noch die Zeit haben, uns zu verabschieden.
Das haben wir geschafft. Gino ist friedlich gegangen, voller Vertrauen, voller Liebe.

Meine Mama hat es wunderbar und treffend auf den Punkt gebracht:
“Nie werden wir den Tag vergessen, als Gino gegangen ist. Er ist gegangen, wie er gelebt hat. Er hat in sich geruht.”

Vermissen

Worte, die den Schmerz beschreiben könnten, die beschreiben könnten, wie sehr ich ihn vermisse, gibt es nicht.
Wie soll man damit fertig werden, wenn ein geliebtes Familienmitglied stirbt? Es ist einfach schwer zu ertragen.
Dass es schlimm werden würde und mich seelisch aus der Bahn werfen würde, war klar. Überrascht haben mich tatsächlich die körperlichen Symptome. Ich war tatsächlich irgendwie krank. Morgen sind es zehn Wochen ohne ihn. Ich funktioniere. Mittlerweile kann ich sogar wieder in meinem Bett schlafen, wenn auch nur mit einem Podcast zum Einschlafen. Er fehlt unendlich, wird immer fehlen und das Leben ohne ihn wird ein anderes sein.

Ich danke dir für alles, Schnubbeltier. Auch wenn ich den Ausdruck “Seelenhund” nicht mag, es gibt wohl keinen anderen, der dich besser beschreiben könnte. Ob ich daran glauben kann, dass wir uns eines Tages wiedersehen, ich weiß es nicht, aber es gibt nichts, was ich mir mehr wünschen würde.
Ich liebe dich.

Bildquelle

  • Daniela Maletzki