Mini-Maya und die Kaninchenkiste

Wie beschäftigt man einen Kurzhaar-Zwergdackel, der bei diesem Wetter wirklich nicht die geringste Motivation hat, raus zu gehen? Und das Ganze auch noch so, dass er voll auf seine Kosten kommt. Ist ja schließlich ein Jagdhund und da hat man spezielle Bedürfnisse. Vor allem aus der Kategorie der Bauhunde. Also: Wie kann man zuhause seinem Hund nun die Möglichkeit verschaffen, allen Elementen aus seiner spezifischen Beutefangsequenz nachzukommen? Sophia Betz hat sich da was für ihre Dackelhündin Maya überlegt.

Maya

Hierzu ein kurzer Einschub: Was versteht man unter Beutefangsequenz? Jeder Jagdhund wurde selektiert auf eine bestimmte Aufgabe bei der Jagd. Da gibt es zum Beispiel Stöberhunde, Vorstehhunde, Apportierhunde, Schweißhunde und eben die Erdhunde oder auch Bauhunde. Genau zu den Letzeren gehört der Dackel. Er wurde nämlich speziell für die Baujagd auf den Fuchs oder auch Dachs gezüchtet.
Die Beutefangsequenz setzt sich insgesamt aus sieben einzelnen Bausteinen zusammen:

Orientieren → Fokussieren → Beschleichen → Hetzen → Packen → Töten → Fressen

Diese Elemente kommen bei einer Jagd immer vor, wobei diese von Rasse zu Rasse unterschiedlich stark ausgeprägt sind.

Der Dackel und seine Aufgaben

Schauen wir uns nun einmal den Dackel und seine Aufgaben etwas genauer an. Ursprünglich wurde er eingesetzt, um Fuchs, Dachs und Kaninchen aus dem Bau zu “sprengen”. Das bedeutet, das Wild heraus zu jagen, ohne es zu stellen. Mittlerweile wird der Dachshund bei der Jagd gern als Allrounder auch bei der Nachsuche, Schweißarbeit und Wasserarbeit eingesetzt. An dieser Stelle möchte ich ein sehr nettes Zitat von dackel.de anbringen: “Die Kurzläufigkeit kommt dem Jäger zugute. Das Wild fühlt sich durch den spurlauten Teckel mehr belästigt als ernsthaft bedroht. Daher flüchtet das Wild auch wesentlich langsamer und bleibt ebenso oft stehen.” (https://www.dackel.de/jagd-teckel/) Diese Erfahrung durfte ich mit meiner Dackeline auch schon machen. Und ich kann euch sagen: Das stimmt. Jedenfalls lässt sich zusammenfassend sagen, dass der Dachshund ein hervorragender Jäger ist. Besonders seine Nase und die letzten Bausteine des Beutefangverhaltens sind stark ausgeprägt.
Durch Training am Jagdverhalten lassen sich einzelne Elemente “formen”. Markiert und belohnt man beispielsweise häufig das Stehenbleiben und Orientieren, wird dieses Puzzleteil demnach auch entsprechend häufiger und ausdauernder gezeigt.

Maya 1

Der Dackel und seine Bedürfnisse

Mein Dackel wird nicht jagdlich geführt. Sie ist ein Vollzeit-Schoßhund äh Haushund. Das bedeutet jedoch nicht, dass meine Maya nicht die Bedürfnisse hat, auf die ihre Rasse selektiert wurde. Für meinen Alltag mit Dackeline heißt das, dass ich mir das Jagdverhalten meines Hundes genau anschauen muss. Welche Elemente machen ihr großen Spaß? Wo liegen ihre Stärken und wie kann ich diese so gut es geht befriedigen? So, an dieser Stelle kommen wir mal wieder zurück auf die Ausgangsfrage: Wie kann ich nun meinem Dackel ermöglichen, seinen Bedürfnissen nachzukommen, ohne vor die Tür zu müssen?

Der Karton

Einen Tag zuvor wurde unser neuer Abfalleimer in einer riesigen Kiste geliefert. Deswegen stand da nun so ein großer, wunderschöner Karton beim Altpapier. „Viel zu schade zum Wegschmeißen“, dachte ich mir und grübelte, was ich damit Schönes anstellen könnte. Als ich 18 Jahre alt war, hatte ich Ratten als Haustiere. Die haben sich liebend gern in Schuhkartons ihre Schlafzimmer gebaut. Nicht nur das, ich habe auch immer wieder Karton an Karton gestellt, durch kleine Durchgänge verbunden, Labyrinthe gebaut und meine lieben Nager hatten einen Riesenspaß. So kam mir die Idee, doch für meine Maya auch etwas in diese Richtung zu basteln. Mein Dackel ist doch schließlich ein Erdferkel aus dem Bilderbuch, da lässt sich mit einem Karton doch optimal was zaubern. Einfach ein Loch rein machen wäre aber zu langweilig gewesen. Also habe ich mir mal Mayas Bedürfnisse zu Herzen genommen und was dabei rauskam, sieht man ja im Video sehr gut.
https://www.facebook.com/HundeschulhofFranken/videos/757635841301631/

Spaß für Maya

Wenn man das mal aufdröselt und sich die einzelnen Komponenten ihrer Beutefangsequenz in Bezug auf das Kartonlabyrinth anschaut, ist schon auf viele Bedürfnisse von Maya eingegangen worden.
Als ich die letzten Vorbereitungen getroffen habe, lag Maya auf ihrer Decke am Sofa mit einem “Bleib” Signal. Während sie so da lag, schaute sie absolut interessiert zu. Ihr Fokus lag auf dem, was ich da grad gewerkelt hatte. Beinahe schon lauernd lag sie da und konnte nicht mehr wegschauen und es kaum abwarten, die Kiste zu erkunden. Somit wären die ersten beiden Elemente der Sequenz, Orientieren und Fokussieren, abgehakt. Meine Maya beschleicht nicht. Dieses Puzzleteil ihrer individuellen Beutefangsequenz fällt also miniklein aus. Nun könnte man das “Durchhalten”, als sie sich durch den Karton schlängelt, als eine Mischung aus Beschleichen und Hetzen bezeichnen. Sehr langsames Hetzten eben, aber sie bleibt am Ball. Sie folgt der Spur durch den “Bau”. Ich denke, den Baustein “Festhalten” muss ich nicht großartig erläutern. Das macht sie ja wirklich ganz prima. Bis auf das eine Mal, als ihr der Toppl aus dem Maul gefallen ist. Gut, der war ja auch nicht gerade leicht. Bei genauerem Hinschauen könnte man fast vermuten, sie lässt ihn absichtlich fallen, weil sie ihn so nicht optimal halten konnte. Sogar als sie kurz unsicher ist und überlegt, wie sie da wieder raus kommt, hält sie ihre Beute fest. Wirklich ein Meisterwerk. Getötet hat sie den Toppl glücklicherweise nicht, aber den Inhalt hat sie genüsslich aufgefressen. Demnach hat Maya ein kleines, vollständiges Jagdersatzspielchen in Wohnzimmer-Format bekommen, das absolut auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten war. Das macht nicht nur Hund glücklich, sondern auch Halterin (die geht nämlich auch nicht gern bei dem Wetter raus).

Für weitere schöne Bilder und Videos folgt uns auch auf Instagram unter @maya_mini_sausage

Über die Autorin

Sophia BetzSophia Betz wohnt mit ihrem Partner und ihrer Zwergdackelhündin Maya im schönen Oberfranken bei Bamberg.
Mit ihrer mobilen Hundeschule “Der Hundeschulhof Bamberg” spezialisiert sie sich aktuell auf Hunde mit Verhaltensproblemen und gibt hauptsächlich Einzeltraining.
Ganz nach dem Motto: “Sicher durch den Alltag” liegt ihr dabei ein ganzheitlicher Ansatz besonders am Herzen. Hund und Halter werden fit für ihren individuellen Alltag gemacht. Ein fairer Umgang mit Hunden im Training, auf Basis der positiven Verstärkung, stehen dabei im Vordergrund.

Bildquelle

  • Sophia Betz

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