Kennt ihr diese Tage, an denen man seinen ewig kläffenden, nie ohne Leine laufen lassen könnenden, ständig durchgeknallten Hund einfach mal nicht mehr um sich haben mag? Nein? Dann könnt ihr euch glücklich schätzen und es sei euch auch von Herzen gegönnt! Manchmal gibt es aber Momente, in denen man seinen Hund am liebsten am nächsten Tierheimpfosten anbinden würde. Sonja Meiburg hat dazu für euch ein kleines Gedankenspiel.

Gedankenspiel

Wir waren ja einige Wochen auf Drehtour. Und in dieser Zeit haben wir viele geniale Gespräche mit Trainerinnen führen dürfen. Eines dieser Gespräche ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Und zwar habe ich mich mit Marina Krieg von den Ostseepfoten darüber unterhalten, was man Hundehalter/innen rät, die so große Schwierigkeiten mit ihrem Hund haben, dass sie ihn manchmal nicht mehr ertragen können. Sie erzählte dann, dass eine befreundete Trainerin die Halter/innen zu einem Gedankenspiel einlädt.

Stell es dir vor

Die Trainerin bittet darum, sich ganz genau, quasi live und in Farbe, vorzustellen, wie der Hund abgegeben wird. Wenn du gerade richtig genervt bist von deinem Vierbeiner, dann probiere das doch mal aus. Stell dir vor, wie du seine Sachen zusammensuchst, wie du sein Körbchen nimmst und es in dein Auto legst. Wie du deinen Hund anleinst und ihn zusammen mit seinem Futter und seinem Lieblingsspielzeug in dein Auto hebst. Wie du zum Tierheim fährst. Wie du mit den Mitarbeiter/innen sprichst und wie dein Hund dann in einen Zwinger geführt wird.

Wie fühlt sich das an?

Wie fühlt sich das für dich an? Kommst du nicht weiter als bis zu „seine Sachen zusammensuchst“, ohne dass du direkt einen Kloß im Hals hast? Ohne dass du gleich das Bedürfnis hast, deinen Chaoten zu umarmen und ihm zu schwören, dass du das niemals tun wirst? Dann ist alles tutti. Solche Momente, in denen man seinen Hund mal nach Timbuktu wünscht, haben die meisten von uns ab und zu. Überleg mal, was dich am meisten stört und wie du durch Management und Training am besten damit umgehen kannst. Mach dir einen Plan. Wenn du das Gefühl hast, aktiv etwas zu tun, ist das oft ein guter Schritt, um aus dem Gefühl der Wut und der Hilflosigkeit rauszukommen.

Fühlt es sich gut an?

Ist es aber jetzt gerade im Moment so, dass sich der Gedanke, die Sachen deines Hundes zusammenzupacken, erleichternd anfühlt? Auch das kann sein. Dann sollten bei dir aber alle roten Warnlampen angehen. Dann brauchst du dringend Hilfe. Hast du eine Trainerin/einen Trainer in deiner Nähe? Kannst du deinen Hund mal ein, zwei Tage bei einer lieben Person parken, um mal den Kopf etwas frei zu kriegen? Dann mach das! Such dir Hilfe! Aber brich nichts übers Knie. Hol erst einmal tief Luft, gönn dir etwas Ruhe und überlege genau, was du nun tun kannst.

Fazit

Wie auch immer dein Gedankenspiel ausgehen mag: Es zeigt dir sehr genau, wie es gerade um die Beziehung zwischen dir und deinem Hund bestellt ist. Ich wünsche dir jedenfalls, dass du deinen Hund einfach mal liebevoll und vorsichtig in den Arm nehmen kannst, er dir durchs Gesicht schleckt und die Welt dann wieder in Ordnung ist.

Über die Autorin

Sonja MeiburgSonja Meiburg ist seit vielen Jahren Hundetrainerin und war in verschiedenen Vereinen als Ausbilderin tätig (BLV-Ausbilderprüfung 2005). Seit 2006 gibt sie ihr Wissen in ihrer eigenen Hundeschule weiter. Seit 1998 ist sie Clicker-Trainerin. Gelernt hat sie ihr Wissen bei vielen nationalen und internationalen Lehrern, u.a. bei Ute Blaschke-Berthold, Martin Pietralla, Kay Laurence und Mary Ray. Sie setzt den Clicker nicht nur zum Grundgehorsam und für Tricks ein, sondern auch im Hundesport und in der Verhaltenstherapie.   >> mehr über Sonja Meiburg

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