Hundeernährung ist immer wieder ein sehr emotionsgeladenes Thema. Es gibt gutes und weniger gutes Fertigfutter, dem Hund angepasste und weniger gut angepasste Frischfütterung, usw. Hundehalter stehen oft vor dem Fressnapf wie vor einem Buch mit sieben Siegeln. Wie gut, dass es Christine Hechtl von der Ernährungsberatung “CibusCanis” gibt. Sie gibt euch einen Einblick in das, was für die Ernährung eures Hundes wichtig ist.

Üblicherweise zieht der junge Hund im Alter von 8 – 10 Wochen in seinem neuen Zuhause ein.
Hat der neue Hundehalter großes Glück, wurde der Welpe bereits beim Züchter in der Zeit der Entwöhnung von der Mutterhündin mit frischer Kost angefüttert.

Fertigfutter für Welpen?

Ich halte es für bedenklich, wenn sehr junge Hunde direkt nach der Muttermilch bereits mit Fertigfutter in Kontakt kommen. Nicht, weil das Futter an sich gar so schlecht ist. Vielmehr treffen mit einem Mal viel zu viele verschiedene und auch noch mechanisch und/oder chemisch behandelte Substanzen auf den Verdauungstrakt des Welpen. Warum meine Bedenken?
Der Organismus eines Welpen durchläuft eine Phase der “Oralen Toleranz”. In dieser Zeit lernt der Darm seine natürliche Nahrung kennen, damit keine allergische Reaktion erfolgt. Das Immunsystem erkennt nach und nach, die Moleküle der gelösten Nährstoffe und Nahrungsbestandteile als ungefährlich einzuschätzen. Die orale Toleranz hilft dem jungen Organismus, der gerade erst seine Nahrung kennenlernt, Freund von Feind voneinander zu unterscheiden. Allergische Reaktionen werden so vermieden. Trotzdem reagiert das Immunsystem angemessen auf Krankheitserreger. Im Hinblick auf die stetige Zunahme der Futtermittelallergien und –unverträglichkeiten bei Hunden denke ich, dass Hundehalter hier mit mehr Achtsamkeit handeln sollten. Es ist einfach unnatürlich, dass ein Absatzwelpe mit so vielen verschiedenen Futterkomponenten konfrontiert wird, wie das bei Verwendung von Fertigfuttern geschieht. Diese bestehen nicht selten aus 20 – 50 verschiedenen Inhaltsstoffen . Dazu kommt, dass die Futterbestandteile nicht in unbehandelter natürlicher Form vorliegen. Jeder Verarbeitungsschritt verändert molekulare Strukturen. Um der oralen Toleranz die Möglichkeit zu geben, richtig ausgebildet zu werden, sollten Absatzwelpen so spät als möglich entwöhnt werden und dann nur wenige neue Lebensmittel in einer Mahlzeit kennenlernen. Vor allem aber sollten diese Lebensmittel frisch und so weit als möglich unbehandelt sein (Barf).

Selbst zusammengestelltes Futter für Welpen?

Häufig wird davor gewarnt, einen Welpen mit selbst zusammengestelltem Futter großzuziehen. Besonders Züchter, Tierärzte und auch Hundetrainer raten, oftmals aus eigener Unsicherheit bei diesem Thema, davon ab. Stets mit der Begründung, dass es nicht möglich sei, die Nahrung des Hundes tatsächlich in allen Punkten genau bedarfsdeckend und ausbalanciert zu gestalten. Folgen dieser angeblich unzulänglichen Ernährung während des Wachstums würden sich unweigerlich einstellen und der junge Hund bleibende gesundheitliche Schäden für den Rest seines Lebens davontragen.
Tatsächlich haben Welpen und Junghunde während der Zeit des Längenwachstums einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen. Letztendlich unterscheidet sich die Ernährung des Junghundes, bzw. die Zusammenstellung der Futterration, nicht von der des erwachsenen Tieres. Der erhöhte Bedarf an Nährstoffen und wird durch die passende Futtermenge im jeweiligen Wachstumsabschnitt gedeckt. Anders ausgedrückt: Es gibt in der Natur keine Spezialbeute für junge Wölfe (oder auch Gras für junge Rehe und Hasen). Die Jungen fressen die gleiche Nahrung wie die Alten, nur eben in Relation zum Körpergewicht öfter und mehr. Je jünger der Hund, desto höher ist die benötigte Futtermenge im Verhältnis zum Gewicht. Es wäre hier ein grober Fehler, die Futtermenge des Welpen oder Junghundes nach den häufig zu findenden „2 – 4 % vom Körpergewicht“ zu berechnen. Im Verlauf der Wachstumsphase nimmt die Futtermenge in Relation zum Körpergewicht kontinuierlich ab.
Hier möchte ich dringend davon abraten, einen der vielen, im Internet kursierenden, Barfrechner oder Kalkulatoren zu verwenden. Die Futterration eines jungen Hundes im Wachstum muss immer individuell erstellt und regelmäßig an die jeweilige körperliche Entwicklung des Hundes angepasst werden. Diese Berechnung bezieht sich beim Junghund nicht nur auf das aktuelle Gewicht, sondern stets auch auf das zu erwartende Endgewicht im erwachsenen Alter.

Zu schnell zu groß?

Leider hält sich die Meinung, zu viel Protein während des Wachstums sei schädlich, sehr hartnäckig. Dass dem nicht so ist, wurde schon seit langem durch Studien belegt. Gerade im Wachstum wird ausreichend Protein zum Aufbau der Körperstrukturen, später auch der Muskulatur und bei sehr langhaarigen Hunden für das Fellwachstum benötigt.
Problematisch kann es allerdings werden, wenn zu viel Energie zugeführt wird oder das Verhältnis von Protein zu Energie nicht stimmt. In diesem Zusammenhang ist das Augenmerk auch immer auf die gerne einmal zwischendurch gefütterten Extraleckereien zu legen. Insgesamt gesehen sollte ein junger Hund möglich gleichmäßig wachsen. Dabei ist es wichtig, dass er eine schlanke, je nach Typ mehr oder weniger langbeinige Figur zeigt, bis er circa ein dreiviertel Jahr alt ist (kleinbleibende Rassen erreichen ihre Endmaßen allerdings deutlich früher und Zwergrassen sind sogar schon mit einem halben Jahr ausgewachsen).
Der junge Hund muss nicht „großgehungert“ werden! Weder Rückenwirbel noch Hüfthöcker sollten zu sehen sein. Bei kurzhaarigen Rassen dürfen sich aber ruhig die letzten Rippenpaare leicht zeigen. Wenn die Rippen beim Auflegen der flachen Hand mit leichtem Druck nicht mehr spürbar sind, ist der junge Hund eindeutig zu massig.
Die Futterzusammenstellung folgt den Regeln des erwachsenen Hundes. Niemals darf nur Muskelfleisch alleine gefüttert werden. Die Frischfütterung des Hundes arbeitet nach dem Baukastenprinzip, nach dem alle wichtigen Komponenten eines Beutetieres mit frischen Nahrungsmitteln abgedeckt werden. Dabei werden nicht automatisch alle Anteile roh gefüttert.
Dazu aber Näheres im nächsten Kapitel.

Über die Autorin Christine Hechtl

VMTA und zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen
www.cibuscanis.de

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  • Christine Hechtl