Wenn der Nachbar am Hund rumruckt, steht man oft erst einmal hilflos daneben. Manchmal fehlt aber nur ein kleiner Grund, damit jemand mit der Ruckerei aufhören kann. Sonja Meiburg über eine kleine Frage.

Leinenruck

Kennst du das auch? Du siehst auf der Straße jemanden, der beim Spaziergang die ganze Zeit an seinem Hund rumruckt. Entweder geht der Hund zu schnell oder zu langsam. Wenn er zufällig mal das richtige Tempo erwischt, wird allenfalls kurz gelobt, wenn überhaupt, aber nicht so belohnt, dass der Hund sich wohlfühlt. Wozu auch? Er wird ja gerade nicht geruckt, das reicht. So muss er doch kapieren, dass er nicht an der Leine ziehen darf!

Tausend gute Gründe

Ja, ich denke, ihr kennt all die guten Gründe, aus denen man die Finger vom Leinenruck lassen sollte. Auch dann, wenn er als „Leinenimpuls“ oder „Leinengezuppel“ verharmlost wird.

  • Gesundheitliche Gründe: Das ewige Geruckel am Hals führt gerne mal zu Verspannungen oder verschobenen Wirbeln
  • Lerntheoretische Gründe: Durch Rucken lernt der Hund nur, was er nicht tun soll, aber er lernt dadurch nicht, was eigentlich von ihm erwartet wird
  • Ethische Gründe: Ein Hund kann auch ohne Ruckerei lernen, an lockerer Leine zu gehen. Es gibt also keinerlei Notwendigkeit für einen Leinenruck

Aber wenn du deinem Nachbarn oder dem Passanten einen langen Vortrag halten willst, schaltet der schnell auf Durchzug, wenn er dir überhaupt zuhört.

Eine Frage

Möchtest du schnell für Aufmerksamkeit sorgen, hilft kein Vortrag, auch kein Geschimpfe. Stelle doch stattdessen einmal eine Frage. Frage den Leinenrucker doch mal: „Glaubst du, dein Hund bleibt freiwillig und ohne Kommando gerne in deiner Nähe, sobald die Leine ab ist?“ Das sorgt häufig für ein kurzes Stutzen und manchmal für die Gegenfrage: „Wieso?“ Und dann hast du die Gelegenheit, auf eine nette Weise rüberzubringen: „Weil du an der Leine ruckst. Glaubst du nicht, dass dein Hund sich, sobald die Leine ab ist, lieber außerhalb deiner Reichweite aufhält? Schließlich ist es in deiner Nähe nicht so superschön für ihn, wenn es ihm dort weh tut, oder? Dein Hund ist doch nicht doof. Wenn es bei dir nicht so schön ist, wird er eher auf Abstand bleiben.“ Und manchmal kommt dadurch ein Gespräch zustande. Und manchmal bringst du jemanden zum Nachdenken.
Mission accomplished.

Über die Autorin

Sonja MeiburgSonja Meiburg ist seit vielen Jahren Hundetrainerin und war in verschiedenen Vereinen als Ausbilderin tätig (BLV-Ausbilderprüfung 2005). Seit 2006 gibt sie ihr Wissen in ihrer eigenen Hundeschule weiter. Seit 1998 ist sie Clicker-Trainerin. Gelernt hat sie ihr Wissen bei vielen nationalen und internationalen Lehrern, u.a. bei Ute Blaschke-Berthold, Martin Pietralla, Kay Laurence und Mary Ray. Sie setzt den Clicker nicht nur zum Grundgehorsam und für Tricks ein, sondern auch im Hundesport und in der Verhaltenstherapie.   >> mehr über Sonja Meiburg

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