“Was? Dein Hund macht das immer noch? Hast du ihm das immer noch nicht abgewöhnen können?”
Wenn du deinen Hund hast, der rennende Häschen für unwiderstehlich hält und der das Scheuchen der Nachbarskatze als Gelegenheit sieht, seine Frühsportambitionen auszuleben, dann kennst du die Sprüche sicher. Auch dann, wenn du einen Hund hast, der andere Hunde nicht mag oder der fremde Menschen blöd findet, wird dir dieser Spruch sicher nicht fremd sein. Dahinter steckt ein ganz großer Mythos.

Klumpen Lehm

Einfach mal abgewöhnen

Es geistert in der Hundewelt immer noch das Gerücht umher, dass dein Hund ein formbarer Klumpen Lehm wäre. Dass es nur darauf ankäme, dass du ihm sagst, was er tun darf und was er lassen soll. Und wenn du das dann vernünftig trainieren würdest, dann würde schon alles gut werden. Dein Hund müsse nur kapieren, was du von ihm willst.

Der Denkfehler

Dabei lassen wir aber völlig außer Acht, dass der Hund ein eigenständiges Lebewesen ist und kein Computer, den ich nur mit Daten füttern muss, um ein gewünschtes Ergebnis zu erhalten. Dein Klumpen Lehm bringt eine bestimmte, ganz individuelle Genetik mit. Das heißt, er hat ganz bestimmte, ganz individuelle Vorlieben, die du nicht einfach unterdrücken oder verändern kannst. Dein Klumpen Lehm hat schon in der Zeit, bevor er zu dir kam, jede Menge Lernerfahrungen machen dürfen. Das, was du davon zu einem Kleinen, kontrollierbaren, kostbaren Teil in der Hand hast, sind die Lernerfahrungen, die dein Hund mit dir zusammen macht. Das ist aber nur ein kleiner Teil seines Lebens. Im restlichen Teil seines Lebens sprintet die Katze auch mal über die Straße, wenn du gerade nicht richtig hinschaust. Manchmal kommt der Erzfeind ums Ecke und überrascht euch beide. Und manchmal fasst jemand in guter Absicht nach deinem Hund und der erschreckt sich ganz furchtbar. Solche Dinge passieren. Daher ist es überhaupt kein Wunder, wenn es manche Dinge gibt, die nur sehr schwer oder manchmal auch gar nicht zu hundert Prozent in den Griff zu bekommen sind.

Training?

Da stellt sich natürlich gleich die Frage: Soll ich das überhaupt trainieren? Die Antwort: Ja!
Wenn du nicht übst, bleiben deinem Hund nur seine Genetik und die Lernerfahrungen, die er selbst und mit seiner Umwelt macht. Die Lernerfahrungen, die er mit dir macht und die das Verhalten deines Hundes in eine erwünschte Richtung lenken können, würden dann völlig wegfallen. Auch wenn du nicht alles wegtrainieren kannst, macht Training deinen Hund ansprechbarer. Sein Verhalten wird für dich vorhersehbarer, weil ihr euch besser kennenlernt. Er ist leichter lenkbar. Eure Bindung wird besser. Ihr habt schöne Erlebnisse miteinander.

Fazit

Also: Es gibt Verhaltensweisen deines Hundes, die sich nicht einfach wegtrainieren lassen. Das ist völlig normal und auch kein Grund, sich schlecht zu fühlen, auch wenn einem andere Menschen das gerne mal signalisieren. Das heißt aber nicht, dass du nicht dennoch Zeit und Liebe in gemeinsame Übungszeit investieren sollst. Die Zeit lohnt sich! Leg los!

Autorin

Sonja Meiburg

Bildquelle

  • Lara Meiburg Photographie