Ich stelle meinen PKW ab und laufe die hundert Meter auf den Eingang der Praxis zu. Die große Glastür kommt unausweichlich immer näher. Ich habe ein flaues Gefühl im Magen und überlege kurz nochmal umzudrehen und den Termin einfach abzusagen. Mit der rechten Hand drücke ich gegen die Tür, die sich mit diesem ganz unverwechselbaren „Klickklack“ öffnet, welches ich aus hunderten „Klickklacks“ erkennen würde. Sofort strömt mir ein Geruch von Desinfektionsmittel entgegen. Die Mitarbeiterin am Empfang begrüßt mich freundlich, ich grüße automatisch zurück, bin innerlich aber total verkrampft und überlege immer noch, mich mit einer schlechten Ausrede schnell wieder vom Acker zu machen. Die Tür vom Behandlungsraum geht auf, ich werfe einen kurzen Blick hinein, sehe den Stuhl, die Schläuche und die grelle Lampe. Zum Glück darf ich erst noch im Wartezimmer Platz nehmen. Ich lese einen Artikel in einer der Praxiszeitungen. Konzentrieren kann ich mich -so sehr ich mich auch anstrenge- nicht. Ständig höre ich das unverkennbare durchdringende Geräusch des Bohrers. Dann geht die Tür vom Wartezimmer auf und ich bin dran. Mit Schweißnassen Händen begrüße ich meinen Zahnarzt.
Kommt dir das bekannt vor? Diese Situation, in der du dich völlig ausgeliefert fühlst? So geht es vielen Hunden beim Tierarzt. Mit einem gut aufgebauten Training kannst du deinem Hund helfen, den Besuch beim Doc angenehm und positiv zu gestalten. Alexandra Hansch erklärt dir, wie´s geht. Los geht´s!

Tierarzt 1

Welche Ausrüstung brauche ich?

Halsband oder Geschirr?
Ich habe schon Hundehalter gesehen, die mit ihrem Hund ohne Leine vom Auto bis zur Praxis gegangen sind. Es gibt sie, diese super entspannten Hunde. Trotzdem ist ein Tierarztbesuch in den meisten Fällen eher eine unangenehme Situation für den Vierbeiner. Daher ist es ratsam, den Hund bestmöglich zu sichern, um ein Weglaufen zu vermeiden. Auch wenn dein Hund normalerweise ruhig bleibt, kann er sich durch ein Türschlagen oder einen fiepsenden Artgenossen im Behandlungsraum unerwartet erschrecken und flüchten. Eine gute Methode ist es, die Leine gleichzeitig in Halsband und Geschirr einzuhaken, so ist die Fellnase doppelt gesichert. Wem das noch zu unsicher ist, der kann auch ein sogenanntes Panik-Geschirr anlegen. Durch den doppelten Bauchgurt kann der Hund sich nicht herauswinden.

Leine
Für den Tierarztbesuch finde ich eine 3-4m lange Leine passend. So hat der Hund die Möglichkeit, mal zurückzuweichen, wenn ihm etwas nicht behagt. An einer kurzen Leine, kann er sich angstbringenden Situationen nicht entziehen, „hängt“ sich auf und versucht sich aus dem Halsband oder Geschirr zu winden. In so einer Situation entsteht erst recht Panik. Hierbei ist natürlich darauf zu achten, dass du andere mit der etwas längeren Leine nicht behinderst. Im Wartezimmer angekommen, kannst du sie dann wieder kürzer nehmen, um Kontakte mit anderen Hunden zu vermeiden.

Futterdummy
Ich habe beim Tierarztbesuch immer einen mit hochwertigen Leckerchen gefüllten Dummy bei mir. Bevor wir an der Reihe sind, können wir uns so mit kleinen Nasen- und Apportierspielen ablenken. Natürlich nicht genau vor der Nase anderer Hunde, sondern dort, wo genügend Raum ist. Während der Behandlung darf die Hundenase sich auch mal im Dummy „vergraben“. Mit einem Bonbon im Mund ist doch alles viel erträglicher, oder?

Kaustange
Ist der Hund nicht so gestresst, dass er Futter verweigert, kann eine Kaustange oder ein mit Leberwurst gefülltes Kauspielzeug die Wartezeit verkürzen. Das Kauen und die Beschäftigung lenkt deinen Hund ab und wirkt beruhigend.

Wasser
Auch wenn in den meisten Tierarztpraxen ein Wassernapf steht, gibt es Hunde die lieber aus dem eigenen trinken. Daher sollte auch ein Napf und frisches Wasser mitgenommen werden.

Lieblingsspielzeug
Auch das Lieblingsspielzeug kann über das Unbehagen hinweg trösten. Schließlich riecht der durchgekaute Teddy schön vertraut. Egal, ob das Spielzeug umhergetragen wird, oder der Hund nur daran riecht während es in deiner Tasche steckt. Beruhigen tut es allemal.

Kuscheldecke
Der kühle sterile Wartezimmer Fußboden ist nicht sehr einladend. Hunde fühlen sich wohler, wenn sie eine vertraute Decke mit dem eigenen Geruch vorfinden, auf der sie relaxen können. Eine kleine mitgenommene Decke nimmt nicht viel Platz weg, zeigt aber häufig eine große Wirkung.

Eine zweite Person/ ein zweiter Hund
Du kannst deinen Hund kaum alleine managen, denn er führt sich auf wie ein Wildpferd? Vielleicht kann dich jemand zum Tierarzt begleiten. So kannst du deinen Hund in Ruhe anmelden, während die zweite Person am Auto wartet, oder umgekehrt. Auch ein ruhiger Hund, der euch zum Tierarzt begleitet, kann entspannend wirken, wenn dein Hund sich an dem ruhigen Kumpel orientiert.

Instrumente zur Entspannung
Wenn ihr bereits Methoden zur Entspannung aufgebaut habt, sollten diese auch zur Ausrüstung für den Tierarztbesuch gehören. Ein Markerwort und das Schnuffeltuch mit einem beruhigenden Duft helfen dem Hund, die Behandlung gut zu meistern. Mehr zu Entspannungstechniken erfahrt ihr im zweiten Teil des Tierarzttrainings.

Teil 2: Entspannungstechniken
Teil 3: Beschäftigung im Wartezimmer
Teil 4: Medical Training

Über die Autorin

Alexandra HanschAlexandra Hansch ist geboren und aufgewachsen in Rheda-Wiedenbrück in Ostwestfalen. Dort betreibt sie die Hundeschule „Freizeit mit Hund“. Von Kindesbeinen an haben Hunde und deren Verhalten Alexandra interessiert. Ihr Kynologisches Wissen hat sie sich in einer Ausbildung zur Hundepsychologin n.T.R und Hundetrainerin an der Kölner Hundeakademie sowie in vielen weiteren Seminaren angeeignet. Sie ist Mitglied der Bildungsgemeinschaft Hund und Hundetrainer-Gemeinschaft „Trainieren statt dominieren“.
Um auch die Hundehalter kompetent anleiten zu können, hat Alexandra die Ausbildereignungsprüfung IHK absolviert und andere Weiterbildungen in der Erwachsenenpädagogik besucht.
Sie bietet Training, Workshops und Seminare zu unterschiedlichen Themen an, um dem Mensch-Hund-Team ein entspanntes Zusammenleben zu ermöglichen. Beim Training wird sie unterstützt von ihrer Beaglehündin Holly und dem Podenco-Terrier Mix Luca. In ihrer Freizeit ist sie am liebsten mit ihren Hunden und der Kamera früh morgens im Wald unterwegs.
Kontaktdaten:
Hundeschule & Verhaltenstraining Freizeit mit Hund
Alexandra Hansch
Buschstr. 36
33449 Langenberg
Tel: 0171-7275426
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Bildquelle

  • Lara Meiburg Photographie