Unangenehme Gerüche, ein steriler Behandlungsraum und fremde Menschen, die den Hund festhalten, während eine weitere Person mit unbekannten Geräten herumwurschtelt und vielleicht auch noch mit einer Spritze piekt oder andere unangenehme Dinge macht. Wir können unseren Fellnasen den Besuch beim Tierarzt nicht ersparen, aber wir können ihn trainieren, um Unsicherheiten zu nehmen und die Situation angenehmer und selbstverständlicher zu machen. Hey Fiffi-Trainerin Alexandra Hansch erklärt dir, wie das geht.

Tierarzt Medical Training

Medical Training wurde ursprünglich für das Training mit Zootieren entwickelt. Ein Elefant lernt auf Signal, in ein Glas zu pillern und ein Seelöwe legt seinen Kopf während der Behandlung in den Schoß der Tierpflegerin. Eigentlich ist Tierarzttraining nichts anderes als das Einstudieren kleiner Tricks. Der Hund zeigt auf Signal ein bestimmtes Verhalten und erhält hierfür eine Belohnung. Wurde der „Trick“ häufig an unterschiedlichen Orten trainiert, wird der Hund diesen auch beim Tierarzt souverän umsetzen können.

Der erste Schritt: Training im trauten Heim

Vorbereitung ist alles. Damit es beim Doc gut klappt, können folgende Dinge zu Hause schon geprobt und in den Alltag integriert werden.

  • Bürsten und Berühren von allen Körperregionen und Kontrolle der Haut
  • Hochheben von Beinen, sowie Fixieren des Kopfes mit den Händen
  • Hochheben und Abtasten der Ohren und Ohrenreinigung
  • Öffnen des Mauls und Kontrolle der Zähne
  • Ruhiges Stehen auf einem Tisch
  • Gewöhnung an das Geräusch eines Föns und eines elektrischen Rasierers
  • Gewöhnung an den Geruch von Desinfektionsmittel

Deine Hilfe: Das Ankündigen

Ich mag Ärzte die mir vor der Behandlung sagen, was sie tun werden. Deinem Hund geht es nicht anders. Kündige deswegen an, was als Nächstes passiert, denn das gibt Sicherheit. Du kannst zum Beispiel das Wort „Touch“ aufbauen, damit dein Hund weiß, dass er gleich berührt wird.

Übung: Kinn auflegen

Bei dieser Übung soll dein Hund lernen, auf ein Signal hin sein Kinn auf deine Hand zu legen, während er untersucht wird. Das hat den Vorteil, dass er stillhält, denn wenn der Kopf ruhig aufliegt, zappelt auch der Rest meistens nicht rum. Zusätzlich hat das Aufstützen des Kopfes auch eine loslassende und entspannende Wirkung.

Übung: Hinlegen

Deinem Hund das ruhige Hinlegen ins Platz und auf die Seite beizubringen, hat den Vorteil, dass er für eine Untersuchung nicht mit Zwang auf die Seite gedreht werden muss. Durch die Freiwilligkeit bleibt er ruhiger und Untersuchungen an den Pfoten, und am Bauch verlaufen stressfreier.

Schoßhündchen

Körpernähe zu einer vertrauten Person gibt Sicherheit. Viele Hunde kuscheln gerne auf dem Rücken liegend zwischen den Beinen vom Lieblingsmenschen. Möchte dein Hund noch so gar nicht stillstehen und ist sehr unsicher, dann setze dich auf den Boden und nimm deinen Hund zwischen deine Beine, wenn er das mag. Wahrscheinlich wird er so deutlich entspannter sein, als auf dem Behandlungstisch.

Nachbereitung

Damit dein Hund das Gelernte durch die eventuell negative Erfahrung beim Tierarzt trotzdem weiterhin noch gerne ausführt, ist es wichtig, das gewünschte Verhalten immer wieder „aufzuladen“. Wiederhole das Gelernte zu Hause regelmäßig in entspannter Atmosphäre mit hochwertigen Belohnungen, damit dein Hund es auch bei zukünftigen Tierarztbesuchen gut umsetzen kann.

Dies ist nur ein kleiner Einblick in das Medical Training, um dir und deinem Hund den Tierarztbesuch so komplikationslos wie möglich zu gestalten. Wenn du dich tiefer in die Materie einlesen möchtest, empfehle ich das Buch “Medical Training” von Anna Oblasser-Mirtl und Barbara Glatz.

Teil 1: Das Equipment
Teil 2: Entspannungstechniken
Teil 3: Beschäftigung im Wartezimmer

Über die Autorin

Alexandra HanschAlexandra Hansch ist geboren und aufgewachsen in Rheda-Wiedenbrück in Ostwestfalen. Dort betreibt sie die Hundeschule „Freizeit mit Hund“. Von Kindesbeinen an haben Hunde und deren Verhalten Alexandra interessiert. Ihr Kynologisches Wissen hat sie sich in einer Ausbildung zur Hundepsychologin n.T.R und Hundetrainerin an der Kölner Hundeakademie sowie in vielen weiteren Seminaren angeeignet. Sie ist Mitglied der Bildungsgemeinschaft Hund und Hundetrainer-Gemeinschaft „Trainieren statt dominieren“.
Um auch die Hundehalter kompetent anleiten zu können, hat Alexandra die Ausbildereignungsprüfung IHK absolviert und andere Weiterbildungen in der Erwachsenenpädagogik besucht.
Sie bietet Training, Workshops und Seminare zu unterschiedlichen Themen an, um dem Mensch-Hund-Team ein entspanntes Zusammenleben zu ermöglichen. Beim Training wird sie unterstützt von ihrer Beaglehündin Holly und dem Podenco-Terrier Mix Luca. In ihrer Freizeit ist sie am liebsten mit ihren Hunden und der Kamera früh morgens im Wald unterwegs.
Kontaktdaten:
Hundeschule & Verhaltenstraining Freizeit mit Hund
Alexandra Hansch
Buschstr. 36
33449 Langenberg
Tel: 0171-7275426
alexandrahansch@gmx.de
www.freizeit-mit-hund.com
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Bildquelle

  • Lara Meiburg Photographie