Relax – das Signal zum Herunterfahren
Was gibt es Schöneres als spielende Hunde? Aber was geschieht, wenn die Erregung steigt und dein Hund sich nicht mehr abrufen lässt? Da wäre es doch schön, wenn du ihn noch mit einem Entspannungswort erreichen kannst. Monika Oberli erklärt ihren Aufbau, der etwas anders aussieht als der typische Aufbau der konditionierten Entspannung.

Relax
Ich wollte dazu nicht das für die Ruhe aufgebaute Entspannungssignal verwenden, denn dieses soll dem Hund weiterhin vermitteln, dass er sich nicht beunruhigen muss, während das neue seine eigene Erregungslage beeinflussen soll. Zudem würde es reichen, wenn das neue Signal den Hund aus einem hohen Erregungszustand auf Normallevel zurückfährt. Eine komplette Entspannung würde nicht nötig sein. Wichtig war mir aber, dass das Signal in kurzer Zeit aufbaubar ist. Und was war da besser geeignet als die klassische Konditionierung? Auch sollte es gleich ein Alternativverhalten beinhalten. Ein Alternativverhalten, welches dem Hund bereits aufgrund von Körperhaltung und Verhalten Entspannung vermittelt. Und was entspannt einen Hund zuverlässiger als ein ruhiges Schnüffeln?

Der Aufbau

Als erstes gilt es, ein neues, zweisilbiges Signal festzulegen. Bei uns ist es „Relax“. Dieses Signal wird dem Hund anschließend mittels klassischer Konditionierung vorgestellt (so ähnlich wie wir es vom Aufbau eines Markers kennen). Reeeeelaaaax – Leckerchen – Reeeeelaaaax – Leckerchen… Um dabei möglichst viel Ruhe reinzubringen, verwende ich fünf bis sechs Leckerchen, welche ich langsam neben meinen Füßen ausstreiche. Dieses ruhige Ausgeben soll den Hund dazu animieren, ebenso ruhig nach den Leckerchen zu schnüffeln. Werden sie gerollt oder geworfen, erhöhen sie die Erregungslage des Hundes.

So geht es weiter

Schaut dein Hund bereits beim Erklingen des Signals dorthin, wo normalerweise die Leckerchen erscheinen, kannst du beginnen, das Signal auch unterwegs zu üben. Steigere dabei die 3D (Distanz, Dauer, Distraction (Ablenkung)) langsam. So wie du es auch bei allen anderen Signalen machst.
Im folgenden Video siehst du die ersten Trainingsschritte draußen:

So wirkt es

Das bewusst herbeigeführte Schnüffeln und die entspannte Körperhaltung führen bei den meisten Hunden auch zur inneren Entspannung. Und typisch für die klassische Konditionierung wird irgendwann das Signal alleine schon die Entspannung hervorrufen, ohne dass es noch die ausgelegten Leckerchen dafür braucht. Daneben ermöglicht das aktive Herbeiführen der Entspannung aber auch eine höhere Trainingsrate in unterschiedlichen Umgebungen und Erregungslagen.

Wichtiges zum Schluss

Auch wenn es am Ende wie ein klassischer Abruf oder ein Abbruchsignal aussehen kann, so ist es dies nicht. Denn diesen fehlt die wichtigste Komponente: die gefühlte Entspannung. Deshalb achte zu Beginn des Aufbaus unbedingt darauf, dass dein Hund aufmerksam aber noch entspannt ist. Und dass auch die Ablenkung möglichst klein ist. Denke aber auch daran, das Signal wie einen Akku zwischendurch immer wieder neu zu laden – egal, ob du es gebraucht hast oder nicht. Denn nur so wird es im Alltag auch funktionieren. Und auch gilt hier wie bei jedem Training: Übe es mehrmals über den Tag verteilt mit höchstens zwei bis fünf Wiederholungen. Und dies an unterschiedlichen Orten. Und selbstverständlich kannst du das Signal nach entsprechendem Training auch in vielen anderen Situationen als der obengenannten nutzen.

Über die Autorin Monika Oberli

Monika über sich selbst:
Monika OberliMeinem ersten Hund, einem Angsthund, verdanke ich es, dass ich seit 2007 Menschen und ihre Hunde trainieren darf. Er brachte mich dazu, mich mit dem Lernen und der Sprache des Hundes auseinanderzusetzen. Und er zeigte mir, wie viel mit einem positiven und achtsamen Training möglich ist. Dieses Wissen und die Freude daran wollte ich anderen Teams weitergeben.
Und so war es mir Anfang an wichtig, dass die Menschen verstehen, wie ihre Hunde lernen,was ihre Signale bedeuten und wie sie dieses Wissen in das eigene Training mit ihren Hunden einbringen können. Genauso wichtig war mir aber auch der faire und achtsame Umgang mit den Menschen. Denn nur gemeinsam können wir das Beste erreichen: ein glückliches und zufriedenes Hundeteam

https://www.teamschule.ch/

Bildquelle

  • Jarua
  • Monika Oberli