Besonders Besitzer kleiner, niedlicher Hunde (sogenannter Schoßhunde), Welpenbesitzer und Besitzer von Rassen, welche das Image haben, besonders lieb und nett zu sein, kennen es.
Du gehst durch die Straße, sitzt im Park auf einer Bank oder im Cafe und plötzlich kommen fremde Menschen auf dich zu, sprechen deinen Hund an, locken ihn und dann fassen sie den Hund einfach an.
Bittet man die Leute dann darum, dass sie den Hund in Ruhe lassen und nicht anfassen, findet man sich schnell in einer Diskussion wieder und muss sich rechtfertigen, warum man dem armen Hund die Streicheleinheiten verbietet. Hey Fiffi-Trainerin Daniela Maletzki hat ein paar Tipps.

Lara Meiburg Photographie

Dabei gibt es gute Gründe, deinen Hund nicht von jedem Fremden anfassen zu lassen. Zunächst einmal muss sich dein Hund einfach nicht von Fremden anfassen lassen, egal wie niedlich er aussieht. Wie würde es dir gefallen, wenn durch die Fußgängerzone läufst und plötzlich kommt jemand Fremdes und tatscht dir ungefragt auf den Kopf. Kein schönes Gefühl, oder?

Er mag es einfach nicht!

Viele Hunde wollen auch gar nicht von ihnen unbekannten Menschen angefasst werden. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Dein Hund könnte aufgrund schlechter oder mangelnder Erfahrung schlicht Angst vor fremden Menschen haben. Vielleicht mag er auch gerade diesen Menschen nicht. Oder die Art, wie dieser Mensch sich nähert oder ihn anfasst. Auf den Kopf tätscheln und die Seite abklopfen werden von vielen Hunden als unangenehm empfunden, besonders wenn es von Fremden kommt. Außerdem könnte dein Hund auch einfach krank sein oder die Berührung an bestimmten Stellen verursacht ihm Schmerzen.

Kleinhunde leiden besonders

Gerade die Kleinhunde trifft es oft besonders hart. Nicht nur, dass sie aufgrund ihres Aussehens Leute, die sie begrabbeln wollen, anziehen. Sie werden zusätzlich auch ganz oft noch besonders unhöflich behandelt. Sie werden nicht nur einfach angefasst, meist indem man sich tief über sie drüber beugt und damit eine für den Hund sehr bedrohliche Körperhaltung einnimmt, sondern sie werden auch oft ganz einfach auf den Arm genommen. Ihnen wird also von einem fremden Menschen buchstäblich der Boden unter den Füßen weggezogen. Wenn der Hund dann zappelnd auf dem Arm hängt, knurrt, bellt oder letztendlich in seiner Verzweiflung wild um sich schnappt, dann heißt es wieder, die Kleinen wären ja alle Kläffer und Giftzwerge. Oder aber der Hund wird gar nicht erst ernst genommen und es wird sich über seine Versuche, sich zu wehren, lustig gemacht.

Angrabbeln kann unerwünschte Folgen haben

Viele Hunde werden erst durch die unhöfliche und grobe Behandlung zum Kläffer und Angstbeißer. Würden wir nicht auch mit Abwehr auf ein so unhöfliches Verhalten reagieren? Komme ich in eine Situation, in der mein Hund ungefragt angefasst wird, habe ich das Recht und auch die Pflicht, meinen Hund zu schützen. Auch wenn ich dabei auf Unverständnis treffe. Doch wie schütze ich meinen Hund am besten vor solchen Übergriffen?

So schützt du deinen Hund gegen unerwünschte Übergriffe

Grundsätzlich ist es immer sinnvoll, deinen Hund auf solche Situationen vorzubereiten. Das heißt, mit Hilfe von Familienangehörigen, Freunden, also Menschen die der Hund kennt und mag, zu üben, dass es Situationen gibt, in denen Menschen sich über ihn beugen und auch mal blöd anfassen. Ist dein Hund sogar dir als Besitzer gegenüber berührungsempfindlich, empfiehlt sich sowieso ein Training. Für viele Hunde ist es sehr hilfreich, wenn du ankündigst, was du vorhast. So empfehle ich Besitzern von Hunden, die oft auf den Arm genommen, gehoben oder getragen werden, dies dem Hund immer vorher anzukündigen. So vermeidest du, dass sich dein Hund erschreckt und er kann sich auf die Situation einstellen.

Der Mensch gibt Schutz

Dein Hund kann auch lernen, dass er sich in für ihn beängstigenden Situationen hinter dich setzt oder hinter dir bleibt, während du dich schützend vor ihn stellst. Sich vor deinen Hund zu stellen, ihn abzuschirmen, ist also eine Möglichkeit, ihn zu schützen. Sollte dein Hund sogar von sich aus Schutz suchen, gewährst du ihm diesen selbstverständlich. Das kann auch bedeuten, dass du einen kleinen Hund auf den Arm nimmst, wenn es ihm damit besser geht.

Menschen brauchen klare Ansagen

Des Weiteren helfen klare Ansagen. Mit einem “Bitte fassen Sie den Hund nicht an, er mag das nicht“ oder “Bitte gehen Sie weiter“, erreichst du oft das Gegenteil. Die Leute bleiben stehen, fragen nach oder fangen an zu diskutieren und dein Hund, der angeregt durch die Diskussion nun tatsächlich Interesse an der fremden Person zeigt, wird letzten Endes doch angefasst. Ein souveränes Auftreten und klare Aussagen wie “Stopp! Nicht anfassen!“ oder “Bitte weitergehen!“ sind eindeutig und versprechen eher Erfolg. Und ja: Egal wie sachlich und freundlich du diese Aussagen rüberbringst, es wird Leute geben, die dich nach so einer Aussage für unfreundlich und unhöflich halten.

Das Wohl deines Hundes zählt

Mir persönlich ist jedoch das Wohl meines Hundes wichtiger als Höflichkeiten mit Leuten auszutauschen, die ich nicht kenne und die eine von mir klar definierte Grenze überschreiten wollen. In ganz schwierigen Fällen kann es auch notwendig sein, auf eine Notlüge in Form von “Der Hund beißt“ oder „Der Hunde hat Flöhe“ zurück zu greifen. Was du jedoch vermeiden solltest, ist zu sagen „Der Hund hat Angst“. Auch wenn das zutreffen mag, verleitet gerade diese Aussage die Leute dazu, sich in Richtung deines Hundes vorzubeugen, mit der ausgestreckten Hand vor dem Hund zu wedeln und zu versuchen, ihn anzulocken. Auch Brustgeschirre mit der Aufschrift “Bitte nicht anfassen“ oder “Vorsicht bissig“ sind grundsätzlich zwar eine gute Idee, haben aber leider meist einen ähnlichen Effekt, wie die Aussage, der Hund hätte Angst. Gerade bei Hunden, die tatsächlich auf fremde Menschen mit Angst und in Folge auch Aggression reagieren, kann das also tatsächlich sogar kontraproduktiv sein.

Du musst dich nicht rechtfertigen

Grundsätzlich brauchst du dich in solchen Situationen nicht von den Leuten in die Ecke drängen lassen und dich gezwungen sehen, dich zu rechtfertigen. Mein Hund und ich entscheiden, ob und von wem er angefasst wird und wenn Anfassen nicht gewollt ist, aus welchen Gründen auch immer, muss das akzeptiert werden. Sollte mein Hund zu denen gehören, die sich gerne auch von Fremden streicheln lassen, spricht nichts dagegen, ihm dies, nach vorheriger Absprache, vielleicht auch mit einem Hinweis auf seine Lieblingsstelle, zu gönnen.

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